Durchfallerkrankung versetzt Hundezüchter in Sorge

Parvovirose in Werne

Für Welpen endet die Erkrankung oft tödlich, aber auch ausgewachsene Hunde können lebensgefährliche Symptome aufweisen, wenn sie an der Parvovirose erkranken. Zuletzt haben sich die Fälle in Werne gehäuft, mindestens fünf Tiere sind verendet. Eine örtliche Züchterin ist in großer Sorge.

WERNE

, 03.02.2016, 17:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Petra Loyda mit ihren Tibet-Terrier-Damen (v. l.) Choni (12 Jahre), Mani (5, zum zweiten Mal trächtig), Cari (3, zum 1. Mal trächtig) und "Oma" Francy (17 Jahre).

Petra Loyda mit ihren Tibet-Terrier-Damen (v. l.) Choni (12 Jahre), Mani (5, zum zweiten Mal trächtig), Cari (3, zum 1. Mal trächtig) und "Oma" Francy (17 Jahre).

Züchterin Petra Loyda sorgt sich um den Hundenachwuchs. „Wenn die Welpen da sind, kommt hier keiner mehr mit Schuhen rein“, sagt sie bestimmt. Grund für die Vorsicht: An den Schuhsohlen könnten Kotreste mit der hochansteckenden Parvovirose (Brechdurchfall) kleben. Und eine Ansteckung wäre für die kleinen Tibetterrier wohl tödlich.

Werner Tierärzte bestätigen die Brisanz der Krankheit. Stefanie Mors (45): „Ich weiß definitiv von vier Hunden, die an Parvovirose gestorben sind.“ Auch Veterinärin Dr. Karin Zurmühlen (45) kennt die Gefahr: „Bei mir war ein Hund in Behandlung. Er ist innerhalb von eineinhalb Tagen gestorben.“ Der Brechdurchfall habe in quasi ausgetrocknet.

Tierärztin Nathalie Meusel (42) kann sich an zwei Fälle Ende 2015 erinnern, „die Tiere waren aber geimpft und haben überlebt.“

Titer bestimmen lassen, um Impfstatus zu klären

Impfen ist auch das Stichwort für Züchterin Loyda. „Nur eine Impfung hilft“, appelliert sie. Über die Wiederholungsrate gebe es unterschiedliche Angaben, mal jedes Jahr, mal alle drei Jahre. Die 47-Jährige rät daher zum sogenannten Titer-Test, der den Grad des aktuellen Impfschutzes aufzeigen könne. Der Virus ist nicht nur hoch ansteckend, sondern auch zäh und langlebig. Stefanie Mors: „Er hält sich über Monate, zum Beispiel im Kot eines angesteckten Tieres.“ Andere Hunde, die am Kot schnüffeln, könnten sich per Schmierinfektion anstecken. Oder eben, wie Petra Loyda befürchtet, über Kotreste an Schuhen, die das Unheil dann mit ins Haus bringen.

Stefanie Mors hat einen Verdacht, wer als Infektionsquelle infrage kommt: „Es gibt eine Hundevermittlerin in Werne, die ihre Tiere offenbar aus fragwürdigen Quellen bezieht.“ Sie würde die Tiere wohl nicht impfen lassen und so den Boden für die Ansteckung bereiten. Dem Veterinäramt sind nach Auskunft des Kreises die Hände gebunden.

Lichtblick am Horizont laut Tierärztin Mors: „Die Hochphase sollte jetzt überstanden sein, es flacht wieder ab.“  

Die Parvovirose ist eine Infektionskrankheit, die Hunde befällt und als hoch ansteckend gilt. Eine Ansteckung erfolgt zum Beispiel über infizierten Kot. Mögliche Symptome sind unter anderem (blutiger) Durchfall, allgemeine Schwäche, Fieber und Herzprobleme. Bei Welpen verläuft die Erkrankung oft dramatisch, die Tiere verenden nicht selten. Der Erreger, das Canine Parvovirus, ist extrem hartnäckig und kann durch herkömmliche Desinfektions- oder Reinigungsmittel häufig nicht inaktiviert werden. Die Impfung gilt als bester Schutz. Weitergehende Informationen zur Parvovirose gibt es bei der Online-Enzyklopädie .

 

 

Drei Fragen an Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises Unna

Hallo Frau Rauert, in Werne traten in den vergangenen zwei Monaten verstärkt Fälle von der Brechdurchfall-Krankheit Parvovirose aus. Mindestens fünf Hunde sind gestorben. Was tut das Kreis-Veterinäramt dagegen? Wir können in diesem Fall leider sehr wenig tun. Und war aus zwei Gründen: Erstens gilt die Parvovirose offiziell gesehen als Krankheit und nicht als Tierseuche. Erst beim Status Tierseuche würde das Amt aktiv.

Zweitens: Gegen die Krankheit hilft Impfen. Da es aber keine Impfpflicht gibt, sind uns als Veterinärbehörde die Hände gebunden.

Was sollten Hundehalter Ihrer Meinung nach tun? Impfen hilft, das sagen ja auch die Tierärzte. Doch schon vor der Anschaffung eines Hundes sollte man bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen. Man sollte gründlich die Seriosität von Züchter und Verkäufern prüfen. Man sollte schauen, ob die Tiere geimpft sind und sich genau die Papiere unter die Lupe nehmen.

Vorsicht sollte künftige Hundebesitzer bei Tieren aus dem Ausland walten lassen. Es ist einfach so: Tiere aus dem Ausland bedeuten ein erhöhtes Risiko.

Was tun, wenn man kein Experte auf dem Gebiet ist? Sich auf jeden Fall kompetenten Rat einholen. Das kann ein örtlicher Hundeverein sein, das kann ein Verband sein, das können aber auch die Tierärzte vor Ort sein. 

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