Ehemalige Zeche: Schadstoffe fließen in den Weihbach

WERNE Verschiedene Schadstoffe fließen seit Jahren in den Weihbach in Werne. Das bestätigt ein städtischer Umweltexperte. Die Stoffe stammen von einem nahegelegenen ehemaligen Kokereigelände.

von Von Rudolf Zicke

, 24.03.2009, 16:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ehemalige Zeche: Schadstoffe fließen in den Weihbach

Schadstoffe gelangen vom ehemaligen Zechengelände in den Weihbach.

Hermann Angelkort stinkt´s - vor allem dann, wenn er entlang der Lippe joggt. Vorbei an dem Einlauf des Weihbachs in den Fluss. Eine trübe, übel riechende Flüssigkeit ergießt sich in die Lippe. "Das kommt eindeutig vom Zechengelände", ist Hermann Angelkort, der als Kind noch an und in einem kristallklaren Weihbach gespielt hat, sicher. Er ist davon überzeugt, dass Schadstoffe von der einstigen Kokerei irgendwie in den verrohrten Weihbach und damit in die Lippe gelangen. 

Und damit hat er völlig Recht. "Es ist tatsächlich so", bestätigt der städtische Umweltexperte Dr. Ralf Wagner. "Durch die marode Verrohrung dringen Benzol, Naphthalin und andere Schadstoffe in den Weihbach."

Das ist dem Bergbau auch bekannt; deshalb werden seit September 2008 über sechs Meter tiefe Schächte so genannte Inliner, das sind glasfaserverstärkte Kunststoffrohre, in die vorhandenen Betonröhren geschoben, die derart abgedichtet werden. Kosten für 210 Meter: rund eine Million Euro. 

Fließrichtung zur Lippe

"Wenn diese Sanierung in Kürze abgeschlossen ist, dann können die Schadstoffe nicht mehr in den Weihbach infiltrieren", so Dr. Wagner. Es folgt ein dickes Aber: "Das Grundwasser ist weiter ein Problem, denn da sind die Schadstoffe ja noch vorhanden. Und: Das Grundwasser driftet gen Süden, dorthin, wo sich die Lippe durch die beschauliche Landschaft schlängelt. "Ich kann damit also nicht ausschließen, dass belastetetes Grundwasser in die Lippe gelangt", formuliert Dr. Ralf Wagner vorsichtig.

Hermann Angelkort wird deutlicher: "Für mich ist das ein Skandal." Jeder Hausbesitzer müsse inzwischen für viel Geld seinen Hausanschluss ans öffentlichen Kanalnetz untersuchen und reparieren lassen. Der Bergbau dagegen könne offensichtlich mit seinen Schadstoffen schalten und walten, wie es ihm passe.

Dr. Ralf Wagner gefällt die Situation ebenfalls nicht, denn bereits seit 1995 laufen auf der Kokereifläche Untersuchungen, ein so genanntes Monitoring: "Damit soll u.a. festgestellt werden, ob die Schadstoffmenge tolerabel ist, wie sie sich ausbreitet."

Unter Bergaufsicht

"Ich finde, 14 Jahre sind genug", sagt Wagner; inzwischen müsse man eigentlich genügend Erkenntnisse haben, um entscheiden zu können, ob und auf welche Art Boden und Grundwasser gereinigt werden müssen.

"Wir, d.h. die Stadt und der Kreis Unna haben das zuständige Bergamt schon mehrmals gebeten, tätig zu werden", berichtet der Umweltfachmann; doch geschehen sei bis jetzt leider nichts.

Zu einer Entscheidung zwingen können Stadt und Kreis das Bergamt nicht. Denn, so seltsam es klingen mag: Das Grundwasser und der Weihbach unter dem Zechengelände stehen noch unter Bergaufsicht. Und bekanntlich gibt es in Deutschland kaum etwas Schwierigeres, als das Bergrecht zu knacken.

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