Ein Abend zu Ehren des „Wanderpredigers“ im Kapuzinerkloster

Kapuzinerkloster Werne

In der Kapuzinerkirche liest Clemens Schlüter aus den Schriften von Hanns Dieter Hüsch. Inhalte, die einen ganz besonderen Bezug zur Gegenwart haben.

Werne

, 14.12.2018, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Abend zu Ehren des „Wanderpredigers“ im Kapuzinerkloster

Clemens Schlüter bei der Lesung in der Kirche des Kapuzinerklosters. © Elvira Meisel-Kemper

„Obwohl ich aus dem Süden komme, ist Hanns Dieter Hüsch für mich kein Unbekannter. Er wäre jetzt 93 Jahre alt. Sein Weggefährte Clemens Schlüter leiht ihm heute seine Stimme“, eröffnete Pater Tobias in der Kapuzinerklosterkirche einen bemerkenswerten Abend. Am 6. Dezember 2005 starb Hüsch im Alter von 80 Jahren. Schlüter lernte Hüsch bereits vor 45 Jahren im Studiotheater in Bergkamen persönlich kennen.

Seitdem hat er ihn begleitet. „o H… reiß uns die Himmel auf!“ ist sein zweites Bühnenprogramm, mit dem er Hüsch am Mittwoch für einen Abend wieder lebendig werden ließ. „Sie waren der Clown, der unermüdliche Wanderprediger, der Einzelidiot, der Narr, der Schauspieler. Sie waren so anders als die heutigen, manchmal peinlichen Comedians“, filterte Schlüter aus dem Brief des Ruhr Nachrichten-Chefredakteurs Hermann Beckfeld einzelne Passagen heraus.

Mehr als 70 Zuhörer

74 Besucher waren der Einladung des Freundeskreises Kapuzinerkloster Werne zu diesem Hüsch-Abend gefolgt. Der Organist Gregor A. Zumholz begleitete die lebendig inszenierte Lesung von Schlüter an der Orgel. „Oh Heiland, reiß die Himmel auf“ lautete eines der geistlichen Werke. Zumholz interpretierte allerdings auch den Song „Imagine“ von John Lennon, „Skyfall“ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film oder den Pop-Song „Wann reißt der Himmel auf“.

In einem Märchen, das Hüsch bereits 1952 geschrieben hatte, führte er vor Augen, wie verbrannt die Erde bald sein werde, wenn der Mond und die anderen Planeten ihm nicht zu Hilfe gekommen wären. Nur wenig später schrieb Hüsch den Text „Das Phänomen“, in dem er – so Schlüter – „in heutigen Zeiten von Pegida und dem ganzen braunen Gesocks“ legendäre Weitsicht bewiesen habe. „Gastarbeiterpest... Türken und Zigeuner raus... Das haben wir doch schon mal gehört?“, hieß es in dem warnenden Text von Hüsch.

Schlüter hatte ebenso Texte herausgefiltert, in denen sich Hüsch bereits 1972 mit dem „Konsumterror“ in der Vorweihnachtszeit auseinandersetzte. Hüsch karikierte mit Worten den Kauf des Weihnachtsbaumes und das Prozedere am Heiligabend, in dem der Stress die Beschaulichkeit besiegte.

Imaginäre Begegnung

Die imaginäre Begegnung von Gott und Hüsch in Dinslaken und später im Himmel mit Jesus gab Schlüter ebenfalls preis. „Du kannst dich an den lieben Gott wenden, wir haben niemanden. Der Heilige Geist ist nicht immer da“, legte Hüsch Jesus in den Mund. Engel, die sich beschweren, weil sie nur zur Weihnachtszeit beachtet werden oder namenlose Leibwächter, die wie ein Schutzengel ohne Flügel den Autor begleiteten, beschrieb Hüsch ebenfalls als ein reines Weihnachtsphänomen.

Die Besucher mussten manches Mal schmunzeln, untermischt von einer ganz neuen Sichtweise, auf Gott, die Welt und Weihnachten. Beifall gab es dennoch für Schlüter und für Zumholz.

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