Die eigenen vier Wände können auch zur Trutzburg gegen das Leben werden. Zum sicheren Rückzugsort. © dpa
Kolumne „Wohn(t)räume“

Eine eigene Wohnung ist so viel mehr als eine Ansammlung von Räumen

Wohnen ist ein Lebensgefühl. In dieser Kolumne beschäftigt sich unser Autor regelmäßig mit „Wohn(t)räumen“. Heute geht es um die Wohnung als Rückzugsort, als Trutzburg gegen das böse Leben.

My home is my castle. Mit diesem Satz haben die Briten trefflich umschrieben, was die eigenen vier Wände sein können. Sie sind schließlich für uns Menschen nicht nur eine beliebige Ansammlung von Räumen mit unterschiedlichen nüchternen Funktionen.

Die Wohnung, in der man lebt, erst recht das eigene Haus, ist für die meisten Menschen viel mehr. Es ist ein Rückzugsort. Wenn das Leben einem böse mitspielt, wenn das Wetter draußen tost, wenn in einer Beziehung Eiszeit ausgebrochen ist, kann meine Wohnung zur unendlich tröstlichen Höhle werden, in die ich mich verkrieche.

Hier bin ich Herrscher und Bestimmer

Hier bin ich zutiefst für mich, hier finde ich Seelen-Linderung unter der Decke auf meinem Sofa, hier kann ich mich in mein Bett kuscheln. Verzieh dich, du kalte Außenwelt, hier hast du keine Macht über mich! Hier bin ich Herrscher und Bestimmer, hier gelten meine Regeln.

Dieses Gefühl stellt sich in keinem Hotelzimmer ein, in keiner möblierten Behausung. Dafür muss die Umgebung von mir bestimmt sein, muss meine Handschrift tragen, meinen Geruch haben, meine Farben. Erst dann wird die Behausung zum Home, wird aus einer Unterkunft ein Zuhause.

Und nur ein solches Zuhause kann zur Schutz- und Trutzburg werden, die die Briten mit ihrem „My home is my castle“ so punktgenau treffen. Wenn ich hier den Schlüssel hinter mir ins Schloss stecken kann, wenn ich die Vorhänge zuziehe: Dann bin ich geborgen vor der Welt, die mir gerade nicht gut sein will.

Eine Wohnung ist immer Ausweis ihres Bewohners

Ob diese Trutzburg plüschig-opulent daher kommt, ob sie nüchtern-cool eingerichtet ist, ob sie bunt und schrill wirkt, chaotisch-provisorisch oder bis in den letzten Winkel gestylt und dekoriert: Eine Wohnung ist immer Ausweis ihres Bewohners, gibt seinen Lebensstil wieder, gibt Auskunft über sein Wesen.

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist. Wer seine Wohnung für andere Menschen öffnet, öffnet, ob er will oder nicht, auch einen Blick in sein Leben, sein Denken und Fühlen. Nicht umsonst ist die Wohnung daher im Grundgesetz erwähnt.

Artikel 13, Absatz 1 garantiert dort die Unverletzlichkeit der Wohnung. Die Bestimmung steht im engen sachlichen Zusammenhang mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und schützt die räumliche Privatsphäre, in der der Einzelne das Recht hat, „in Ruhe gelassen zu werden“. Eben „My home is my castle“.

Zur Kolumne

In den „Wohn(t)räumen“ befasst sich Thomas Schroeter regelmäßig auf sehr persönliche Art mit dem Wohnen. Da kann es um neue Trends gehen, um Wohnphilosophien, um Bauärger oder Küchendeko. Einfach um alles, was das Wohnen im Alltag so ausmacht.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
Zur Autorenseite
Thomas Schroeter

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.