Wilhelm Winkelmann, Kolumnist für das Verlagshaus Lensing Media. © Tobias Weckenbrock
Rezepte gegen Einsamkeit

Einsamkeit trotz Partnerschaft: Bin ich krank oder kann das wahr sein?

Ich habe einen Partner. Ich habe eine Familie. Aber ich fühle mich im tiefsten Innern trotzdem einsam. Das kann doch nicht sein, oder? Kolumnist Wilhelm Winkelmann geht der Frage auf den Grund.

Ja, Einsamkeit trotz Partnerschaft oder Familie ist möglich und das kommt öfter vor, als wir vielleicht meinen. Am Anfang, wenn der Hormoncocktail des Verliebtseins noch funktioniert, scheint alle in Ordnung zu sein. Doch dann, wenn die rosarote Brille nicht mehr funktioniert, sehen sich die Liebespartner so, wie sie wirklich sind.

Zur Kolumne „Rezepte gegen Einsamkeit“

Wilhelm Winkelmann (86) ist emeritierter Diakon in Castrop-Rauxel. Nach seiner Pensionierung half der Diplom-Sozialarbeiter als Psychocoach Menschen mit seelischen Problemen. Für unser Portal schreibt der verheiratete Großvater von acht Enkelkindern über Hintergründe der Einsamkeit, ihre Wirkung auf den Menschen und wie man mit den oft problematischen Folgen umgehen kann.

Dann kommt die Stunde der Wahrheit. Es stellt sich heraus, dass das Verliebtsein eine Illusion ist, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Die beiden Ex-Verliebten kommen zu der Erkenntnis, sie haben das Haus ihrer Liebe auf Sand gebaut, und beim ersten Regen – sprich Meinungsverschiedenheiten – bricht die vermeintliche große Liebe zusammen und übrig bleibt eine schwere Enttäuschung und unangenehmes Liebesleid.

Dann stellen sich viele Betroffene die Frage: Warum konnte das passieren? Die Zeit des Verliebtseins war doch so schön! Da kann ich nur sagen: Verliebtheit ist ein Lockmittel der Natur, damit Männer und Frauen überhaupt zusammenkommen; denn es wird ja doch immer gesagt: Männer und Frauen passen nicht zusammen.

Doch das stimmt nicht. Männer und Frauen sind wunderbar zur gegenseitigen Ergänzung geschaffen, wenn es gelingt, echte Liebe im realen Leben zu verwirklichen. Und das hat etwas damit zu tun, dass kleine Jungs und kleine Mädchen von ihren Eltern das vermittelt bekommen haben, was sie als junge Erwachsene brauchen, um gelingende Beziehungen zu entwickeln, die dauerhaft glücklich machen.

Voraussetzung dafür ist Liebes- und Bindungsfähigkeit, weil nur dann dauerhaft treue Beziehungen möglich sind. Ist das nicht der Fall, fühlt der Mensch sich einsam und unverstanden. Es liegt aber nicht daran, dass andere ihn nicht verstehen, sondern dass er sich selbst nicht versteht. Und dann hat er ein Problem und es ist seine Aufgabe das Problem zu lösen, damit er seine Einsamkeit überwinden kann.

„Verliebtheit ist ein Lockmittel der Natur, damit Männer und Frauen überhaupt zusammenkommen.“

Wilhelm Winkelmann

Wer in der Partnerschaft einsam ist, macht häufig den Fehler, sich außerhalb der Beziehung zu ergänzen. Aber solche Menschen lügen sich etwas in die eigene Tasche und verschlimmern die Probleme. Dabei werden auch andere Familienmitglieder hineingezogen, die mitleiden müssen und sich dann oft distanzieren.

Das Einzige, was hilft, ist eine ursachenorientierte Herangehensweise, um die zugrunde liegenden Probleme dauerhaft zu lösen, damit alle Familienmitglieder zufrieden sind uns sich niemand mehr einsam fühlt.

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