Ein Eisvogel am Stadtsee Werne im Jahr 2020. Zu sehen ist ein Weibchen (das erkennt man an dem zweifarbigen Schnabel, der ist unterhalb orange, beim Männchen komplett schwarz gefärbt). © Klaus Nowack
Natur in Werne

Eisvogel in Werne: Ehemals bedrohte Vogelart fühlt sich hier richtig wohl

Es macht „tzi, tzi“, dann huscht etwas Blaues vorbei. Was war das denn? Eine große Libell? Ein entflogener blauer Papagei? Nein, vermutlich ein Eisvogel. „Ja“, sagt ein Experte, „die gibt‘s in Werne.“

Ein Spaziergänger war vor einigen Tagen an der Horne unterwegs, auf dem Weg zwischen dem Bach und dem Solebad. Auf einmal hörte er einen hohen Laut, eine Art „tzi“, dann huschte kurz über der Wasseroberfläche etwas Blaues vorbei. Was konnte das denn sein? „Ein Eisvogel“, sagt Ornithologe Klaus Nowack, „der Spaziergänger hat 1000-prozentig einen Eisvogel gesehen“.

Also jenen bis knapp 20 Zentimeter großen, strahlend-blauen Vogel, der lange in Deutschland auf der Roten Liste stand. Dessen Bestände sich aber in den vergangenen Jahren erholt haben. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) veröffentlichte Zahlen von 2019, nachdem es in Deutschland grob geschätzt wieder 9500 bis 15.000 Brutpaare gibt. „Einige davon brüten in der Region um Werne“, weiß Vogelkundler Klaus Nowack.

Eisvogel nutzt die Horne als „Straße“

Der auffällige Vogel mit dem blau-orangefarbenem Gefieder sei zwar nicht allzu häufig in Werne anzutreffen, aber durchaus vorhanden. Wenn man ihn denn sieht. „Er ist sehr schnell und benutzt den Flusslauf der Horne quasi als Straße“, weiß Nowack. Der Eisvogel sei vor allem zwischen Lippe und Stadtsee unterwegs und husche dann durchs Bachbett der Horne.

Wer einen Eisvogel ausmachen will, sollte die kleine Insel im Stadtsee beobachten. Dort halte sich der Vogel öfter mal auf, sagt Nowack: „Ich habe schon öfter beobachtet, dass ein Eisvogel dort auf der Insel sitzt, aber die Spaziergänger ihn gar nicht bemerkt haben.“ Er würde etliche Brutstellen in der Region kennen.

Was ihn dabei besonders fasziniert: Der Eisvogel zieht seine Jungen in Höhlen auf, die er zum Beispiel in Uferböschungen gräbt. Die eigentliche Höhle ist so eng, dass die „Jungen nach jeder Fütterung wie in einem Karussell rotieren, damit jeder etwas bekommt.“ Zweite Auffälligkeit: Der Eisvogel bebrütet bisweilen schon eine zweite Höhle, während die Jungen noch in der ersten aufgezogen werden. Nowack: „Das ist eine besondere Strategie, um die Nachkommenschaft zu sichern.“

Der Eisvogel sei sehr wählerisch, was den Speiseplan angeht. Der Werner Vogelexperte weiß: „Er ernährt sich nur von Fisch.“ Das bedeutet, dass saubere und fischreiche Gewässer für ihn wichtig sind. Die Naturschutzbemühungen der Vergangenheit haben offenbar dazu geführt, dass Gewässer sauberer und naturnah geworden sind. Das bekommt offenbar auch dem Bestand von Alcedo atthis gut, wie der lateinische, wissenschaftliche Name dieses wunderschönen, einheimischen Vogels lautet.

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Jörg Heckenkamp

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