Ab nach Griechenland trotz anhaltender Hitze: Das extreme Wetter schreckt viele Kunden aus den Werner Reisebüros nicht davon ab, nach Kreta und Co. zu reisen. Für Spanien hingegen gibt es Stornierungen, nachdem das Land wieder als Hochrisikogebiet eingestuft wurde. © dpa
Reisen trotz Corona, Hitze und Bränden

Entwicklung in Reisebüros in Werne: „Hälfte der Spanien-Reisen wieder storniert“

Spanien ist wieder als Hochrisikogebiet eingestuft worden. Die Folge sind Stornierungen. Auch in Werner Reisebüros ist das spürbar. Aber nicht nur Corona macht das Reisen in einige Länder gerade fraglich.

Neben den Niederlanden hat die Bundesregierung mit Spanien das beliebteste Reiseland der Deutschen am 27. Juli wieder als Hochrisikogebiet eingestuft. Wer aus einem Hochrisikogebiet wieder nach Deutschland zurückreist, muss sich zunächst in Quarantäne begeben, wenn man nicht direkt nach Einreise einen Nachweis erbringt, dass man vollständig geimpft, genesen oder negativ getestet ist.

Diese strengen Regeln zwingen einige Kunden dazu, ihre Reise nach Spanien lieber zu stornieren. Das ist auch in den Werner Reisebüros spürbar. „In den letzten 14 Tagen hat die Hälfte storniert, die andere Hälfte möchte trotzdem nach Spanien reisen“, erklärt Heidrun Wagner-Peters aus dem Reisebüro Wagner. Es sind insbesondere die Kunden, die bereits vollständig geimpft sind, die an der Reise festhalten.

80 Prozent des Reisepreises als Storno-Gebühr

Einige andere Kunden hingegen hätten die Reise in das Hochrisikogebiet stattdessen abgesagt. Dabei nehmen sie auch hohe Stornogebühren in Kauf, erzählt Wagner-Peters. Einmal hätten Kunden zwei Tage vor dem Abflug abgesagt und somit 80 Prozent des gesamten Reisepreises noch bezahlen müssen.

Je nach Anbieter gibt es aber auch kostenlose Stornierungsmöglichkeiten – bei Tui und Schauinsland-Reisen etwa ist das bis zehn Tage vor der Abreise möglich. Während einige Kunden umbuchen, würden andere erst einmal ganz auf eine Reise verzichten, berichtet Wagner-Peters.

Griechenland trotz Hitze bei Werner Kunden beliebt

Wenn Kunden eine Pauschalreise buchen, dann geht es in diesem Sommer vor allem nach Griechenland. Zum Geheimtipp avanciert sind dabei vor allem die kleinen Inseln wie Kos, Zakynthos, Santorin oder Mykonos. Auch die teils andauernde Hitze – aktuell bis zu 47 Grad – würde viele Kunden nicht abschrecken. „Dass es in Griechenland im Hochsommer so heiß werden kann, ist nichts Neues. Allerdings ist es jetzt natürlich sehr extrem“, sagt Wagner-Peters.

Heidrun Wagner-Peters aus dem Reisebüro Wagner hat viele Reisen nach Griechenland verkauft. Die Kunden werden sich vor Ort vielleicht Temperaturen wie am Nordpol wünschen - es sind Temperaturen jenseits der 45-Grad-Marke angekündigt.
Heidrun Wagner-Peters aus dem Reisebüro Wagner hat viele Reisen nach Griechenland verkauft. Die Kunden werden sich vor Ort vielleicht Temperaturen wie am Nordpol wünschen – es sind Temperaturen jenseits der 45-Grad-Marke angekündigt. © Mario Bartlewski (A) © Mario Bartlewski (A)

Auch die Waldbrände, die unter anderem in Teilen der Insel Rhodos wüten, gebe es jedes Jahr. In der Türkei etwa sei das dieses Jahr in diesem Ausmaß allerdings Neuland, sagt Wagner-Peters. Derzeit seien keine Kunden in den Gefahrengebieten. Kunden hätten bisher auch noch nicht ihre geplanten Reisen in diese Länder storniert. Kunden im Zielgebiet hat hingegen das Reisebüro Schulze derzeit. Allerdings seiden diese an anderen Stellen in der Türkei untergebracht, erzählt Ines Droste.

Türkei wird durch Waldbrände zum kritischen Reiseland

Mit gemischten Gefühlen seien Kunden am vergangenen Wochenende ebenfalls in die Türkei geflogen, erzählt Dorothee Wiewel aus dem gleichnamigen Reisebüro. Vor dem Reiseantritt habe sie mit dem Veranstalter Rücksprache gehalten. „Da ist man sehr vorsichtig. Bei kurzfristigen Anreisen schaut man, ob sie nicht in Krisengebiete reisen. Bei den Kunden, die jetzt geflogen sind, ist das Hotel eine Stunde von den Bränden entfernt“, sagt Wiewel. Bisher habe sie nur eine Stornierung einer Reise in die Türkei erhalten.

Dorothee Wiewel vom Reisebüro Wiewel hat bisher noch keine Stornierungen für Spanien verzeichnet. Dafür aber eine Umbuchung von der Türkei nach Spanien.
Dorothee Wiewel vom Reisebüro Wiewel hat bisher noch keine Stornierungen für Spanien verzeichnet. Dafür aber eine Umbuchung von der Türkei nach Spanien. © Mario Bartlewski (A) © Mario Bartlewski (A)

Ein Ehepaar, das nach Antalya reisen wollte, hat stattdessen Spanien gebucht. Trotz der Einstufung als Hochrisikogebiet. „Sie sind beide geimpft und wollten auf Nummer sicher gehen. Sie fühlen sich in Spanien sicherer“, erzählt Wiewel. Für Spanien haben sie und ihr Team bisher keine Stornierungen oder Umbuchungen verzeichnet. Gleiches gilt für das sehr heiße Griechenland. „Den Kunden ist klar, dass es diese Hitze gibt. Sie passen sich dann dementsprechend an. Man muss auch bedenken, dass Hitze kein kostenfreier Umbuchungsgrund ist“, sagt Wiewel.

Wer jedoch den sogenannten Flex-Tarif, den viele Veranstalter anbieten, abschließt, kann bis 14 Tage vor der Abreise seine Reise kostenlos umbuchen und stornieren. Viele Kunden, das berichten die Verantwortlichen aus allen Werner Reisebüros, würden dieses Angebot abschließen, um gewisse Sicherheiten für einen Reiserücktritt zu haben. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die Reise aufgrund der Corona-Krise oder einem anderen Grund abgesagt wird. Für diejenigen, die kurzfristig buchen, sei dies aber keine Option, berichten die Reiseexperten aus Werne.

Last-Minute-Reisen hätten in diesem Sommer generell besonders zugenommen. Im Reisebüro Wiewel etwa machen sie etwa 50 Prozent aller Buchungen aus. Insbesondere zum Ferienbeginn hätte sie auch viele kurzfristige Reisen verkauft, erzählt Ines Droste aus dem Reisebüro Schulze. Dabei seien Griechenland und Bulgarien besonders beliebt gewesen. Für das Hochrisikogebiet Spanien habe das Reisebüro sowohl Stornierungen, Umbuchungen als auch planmäßige Reiseantritte verzeichnet. Diejenigen, die sich für den Urlaub in dem Land entscheiden, seien vollständig geimpft, erzählt Droste. Das ist in den anderen Reisebüros in Werne nicht anders.

Nur wenige Stornierungen für Spanien-Reisen gab es im Reisebüro Lunemann. Die meisten Kunden, so Mitarbeiterin Heike Becker, würden fliegen. Ein Kunde sei von einer Reise in die Türkei zurückgetreten aufgrund der Waldbrände dort. Bisher habe es keine Informationen der Veranstalter darüber gegeben, dass vor Ort Kunden von den Bränden betroffen sind. Weiterhin sehr beliebt seien in diesem Sommer Reisen nach Griechenland. Darüber hinaus gehört Italien zum Geheimtipp von Heike Becker. „Im Moment sind die Infektionszahlen da noch gut. Aber das waren sie in Griechenland auch erst“, sagt Becker über den schwierigen Reise-Sommer 2021.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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