Volker Huelsekopf hat den Mars gerade besonders im Blick. Der Grund: Dort oben ist etwas, das einmal bei ihm auf dem Tisch lag. © Volker Huelsekopf
Weltraum

Ermöglicht die Technik eines Werners bald Spaziergänge auf dem Mars?

Volker Huelsekopf schaut gerade ziemlich häufig zum Mars. Obwohl er weder Astronom noch Weltraum-Nerd ist. Der 43-Jährige hat etwas dort hochgeschickt, das inzwischen angekommen ist.

Die Meldung sei ein bisschen aus dem Nichts gekommen, sagt Volker Huelsekopf. Eine kurze Mail vom Jet Propulsion Laboratory (JPL), in der sich zwei Sätze und ein Link zu einer Pressemitteilung der Nasa befanden. Der Inhalt hatte für den Werner, der inzwischen in Heilbronn lebt, jedoch eine immense Bedeutung. So sehr, dass der 43-Jährige auch zwei Wochen später noch ein bisschen von den Socken ist: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Das war echt emotional. Das ist ja auch ein riesen Ding. Abends habe ich eine Flasche Sekt aufgemacht, in den Himmel geschaut und hochgeprostet.“

Huelsekopfs Blick richtete sich zum Mars. Dort oben, in rund 470 Millionen Kilometern Entfernung, hatte das sogenannte Moxie-Modul, das in den Marsrover „Perseverance“ eingebaut ist, soeben erstmals Sauerstoff aus der überwiegend CO2-haltigen Atmosphäre des Roten Planeten extrahiert – mithilfe der Sensoren, die Huelsekopfs Firma Smartgas herstellt.

Rover „Perseverance“ landete im Februar 2021 auf dem Mars

Schon bei der Landung des Rovers im Februar hatten Huelsekopf, seine Kollegen und seine Familie gebangt, ob bei dem komplizierten Manöver alles gut gehen würde. Und ob die Sensoren, die von der Nasa zuvor umfangreich getestet wurden, wirklich reibungslos funktionieren. Da das Moxie-Experiment erst deutlich später starten sollte, blieb die Ungewissheit noch eine ganze Weile bestehen. Hätte es nicht geklappt, wäre all die Arbeit im Vorfeld der Mission quasi für die Katz‘ gewesen.

Doch die Sache ging gut. „Wir waren erleichtert und unglaublich stolz“, sagt der Ex-Werner. Der Beweis, dass man auf einem anderen Planeten Sauerstoff produzieren kann, sei nun erbracht. Auch wenn die Menge, die Moxie innerhalb einer Stunde voraussichtlich erzeugen kann, lediglich genügt, um einem Menschen 20 Minuten das Atmen zu ermöglichen. Eigentlich dient der Prozess der Sauerstoffgewinnung aber ohnehin dazu, diesen als Treibstoff zu nutzen. Der Mars wäre dann so etwas wie eine Weltraumtankstelle.

Die Nasa testet nun weiter, ob die Sauerstoff-Herstellung auch unter verschiedenen klimatischen Bedingungen funktioniert – denn auch auf dem Roten Planeten gibt es Wetterschwankungen. „Ich schaue mir regelmäßig die Homepage der Nasa an und habe mir sogar einen Live-Ticker eingerichtet, um zu verfolgen, was da oben passiert“, sagt Huelsekopf.

Denn fest steht: Jetzt, da die Sensoren funktionieren, könnten sie noch ziemlich lange ihren Dienst tun. Monate oder sogar Jahre, vermutet Huelsekopf. Die heiße Phase der Belastung während der Landung sei nun schließlich vorüber: „Es gibt an den Sensoren keine Verschleißteile. Und so lange die Technik funktioniert, wird die Nasa dort weitere Experimente durchführen. Das ist doch klar.“

Mars-Hubschrauber „Ingenuity“ hat bereits neue Mission

Der Mars-Hubschrauber „Ingenuity“ hat jedenfalls schon eine neue Mission: Er soll Perseverance bei der Suche nach Spuren von mikrobiellem Leben helfen. Vielleicht, sagt Huelsekopf mit einem leichten Schmunzeln, erlebe er es ja noch, dass jemand zum Mars fliege. Damit derjenige auch wieder zurückkommt, bräuchte es aber eine deutlich größere Sauerstoff-Fabrik als Moxie. Und wohl auch andere Sensoren.

Eine Anfrage bei seiner Firma habe die Nasa diesbezüglich noch nicht gestellt. Aber man stehe ja nun bei der Weltraumbehörde auf der Lieferantenliste. Und die passenden Referenzen habe man ja nun.

Womöglich kann Huelsekopf dann eines Abends wieder auf dem Balkon stehen, sein Sektglas erheben und Richtung Mars prosten.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner
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