„Ohne den Erste-Hilfe-Kurs wäre mein Hund jetzt tot“: Wernerin reanimierte ihren Mischling

mlzErste Hilfe am Tier

Es sollte ein fröhliches Weihnachtsfest für Familie Aulbur werden - doch einen Tag vor Heiligabend kollabierte der geliebte Familienhund. Über die Feiertage stand sein Leben auf Messers Schneide.

Werne

, 19.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Zahnsteinbehandlung ist ein Routineeingriff für Tierärzte - für den Mischling Bobby endete sie jedoch beinahe tödlich. Weil er das Narkosemittel nicht vertrug, setzte seine Atmung mehrmals aus. Sein Frauchen reagierte genau richtig und bewahrte ihn vor dem sicheren Tod. Zwei Monate zuvor wäre die Situation anders ausgegangen.

Erst gut einen Monat vor dem Unfall besuchte Bobbys Besitzerin Daniela Aulbur (41) einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Hundebesitzer, in dem sie Beatmung und Herzmassagen lernte. „Freunde sagen mir immer wieder, ich hätte meinem Hund das Leben gerettet. Aber das stimmt nicht. Der Kurs hat ihm das Leben gerettet, nicht ich“, betont die Kinderpflegerin aus Werne.

„Mein Hund wurde auf meinem Arm ohnmächtig“

An die entscheidenden Momente am Tag vor Heiligabend erinnert Aulbur sich noch sehr gut. Als sie Bobby im Aufwachprozess nach der Vollnarkose nach Hause holte, stand er völlig neben sich und jaulte hysterisch wie ein Wolf. „Nach einer Weile merkte ich, dass er anders wurde. Seine Augen zitterten und er wurde plötzlich ruhig.“

Sofort nahm sie den kleinen Rüden auf den Arm, um die Farbe seines Zahnfleisches zu überprüfen - denn daran könne man erkennen, ob das Tier genug Sauerstoff bekommt. Genau in dem Moment, in dem die besorgte Hundehalterin Bobbys Lefze anheben wollte, um einen Blick in sein Maul zu werfen, kippte sein Kopf zur Seite weg.

„Komm schnell nach Hause, der Hund stirbt!“

„Die Zunge hing raus und er hörte auf zu atmen. Das Blut gefror mir in den Adern, aber ich wusste, ich musste jetzt ruhig und stark bleiben“, erinnert sich Aulbur schmerzlich an den Augenblick, in dem sie um das Leben ihres Hundes rang. „Die Inhalte des Erste-Hilfe-Kurses liefen wie ein Film in meinem Kopf ab. Ich hatte immer Sorge, dass ich mich im Ernstfall nicht erinnern könnte - aber zum Glück hatte ich alles ganz klar vor Augen.“

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Und so beatmete sie den knapp fünfjährigen Terrier-Pinscher-Mischling und gab ihm Herzmassagen. Sobald er wieder atmete, schrieb sie ihrem Vater: „Komm sofort nach Hause. Der Hund stirbt.“ Der Weg zur Tierärztin fühlte sich unendlich lang an. Immer wieder verlor Bobby das Bewusstsein und musste von Aulbur reanimiert werden, während ihr Vater am Steuer saß.

Keine Zeit zum Weinen - und für Weihnachten

Von der Tierärztin bekam der Mischling Infusionen und Medikamente, doch obwohl er ab diesem Zeitpunkt bei Bewusstsein blieb, war er noch längst nicht über den Berg. „Sie dürfen jetzt nicht weinen. Sie müssen weiter tapfer sein. Ihr Hund braucht Sie jetzt. Erst in drei Tagen ist er nicht mehr in Lebensgefahr“, appellierte die Tierärztin an die Hundebesitzerin.

Etwa fünf Mal rief Aulbur über die Weihnachtsfeiertage bei der Ärztin an, um sicherzugehen, dass sie alles richtig macht. Bobby musste warm gehalten werden und alle Augen waren auf ihn gerichtet. „Die Stimmung war gedrückt und ans Feiern war kaum zu denken. Ich war jeden Tag mit meinem Vater in der Kirche, habe gebetet und eine Kerze für meinen Hund angezündet“, erzählt Aulbur.

Die Liebe zwischen Daniela Aulbur und ihrem Mischlingsrüden ist groß.

Die Liebe zwischen Daniela Aulbur und ihrem Mischlingsrüden ist groß. © Sylva Witzig

Die Sorge bleibt

Die Angst um ihren Hund hinterließ bei Aulbur tiefe Spuren. „In den Tagen und Wochen nach dem Vorfall konnte Bobby kaum ein Auge zu tun, ohne von uns geweckt oder zumindest kritisch beobachtet zu werden. Denn wenn er beim Schlafen so ruhig atmete und sich der Brustkorb kaum bewegte, hatten wir Angst, dass er wieder ganz zu atmen aufhörte.“

Durch die Extremsituation wurde Aulbur erst richtig bewusst, wie sehr sie ihren Hund liebt und was für ein riesiges Loch in die Familie gerissen würde, wenn er plötzlich nicht mehr da wäre. „Manchmal habe ich sentimentale Momente, in denen mir klar wird, dass er nicht für immer da sein wird. Auch wenn er 16 Jahre alt würde, wäre das immer noch zu früh.“

„Ich liebe ihn wie ein Kind“

Bobby ist der erste Hund der Aulburs. Sein Frauchen wünschte sich schon in ihrer Kindheit einen Hund, doch wahr wurde der Traum erst vor fünf Jahren, als ihr Vater beruflich kürzer trat und sich in dem Mehrgenerationenhaus um Kind und Hund kümmern konnte.

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Katzen, Kaninchen, Fische, Vögel und Hamster begleiteten Daniela Aulbur ihr Leben lang, doch die Bindung zu ihrem Hund sei etwas ganz Besonderes, sagt sie.„Ich liebe ihn wie ein Kind. Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich jemals ein Tier so sehr lieben könnte und ich glaube kaum, dass ein anderer Hund seinen Platz in meinem Herzen einnehmen könnte, wenn er irgendwann nicht mehr da ist.“

Quirliger Jagdhund statt gemütlicher Bulldogge

Dass Bobby bei den Aulburs landete, war ein glücklicher Zufall. Die Freundin einer Cousine hatte einen „Unfallwurf“, da die Sterilisation ihrer Hündin nicht ganz nach Plan lief - und das waren Bobby und seine sieben Geschwister. Daniela Aulburs Cousine schickte ihr Fotos von den drei Wochen alten Welpen - und da war es um sie geschehen.

Bobby ist überall mit dabei. Von Besuch fordert er mit vielsagenden Blicken Streicheleinheiten ein.

Bobby ist überall mit dabei. Von Besuch fordert er mit vielsagenden Blicken Streicheleinheiten ein. © Sylva Witzig

Eigentlich wollten sich die Aulburs eine Französische Bulldogge zulegen. Doch der kleine Bobby, der auch heute noch keine zehn Kilo wiegt, wickelte sie spontan um den Finger.

Bobby ist ein Menschenkenner

„Bobby beschützt uns und hat ein unheimliches Feingefühl Menschen gegenüber. Meine blinde Mutter kann mit ihm Gassi gehen und auch mit meiner dementen Großmutter geht er ganz sanft um. Mit mir und meiner Tochter kann dann auch richtig getobt werden. Er ist meine Motivation, öfter raus zu gehen“, beschreibt Aulbur ihren energiegeladenen Rüden.

„Er hasst Wasser und Katzen, ist ein waschechter Jagdhund und liebt Leberwurst“, fügt sie hinzu. Dem vierstündigen Erste-Hilfe-Kurs ist es zu verdanken, dass Bobby auch heute noch mit Leidenschaft Leberwurst verschlingen kann.

Die Johanniter bieten in unregelmäßigen Abständen Erste-Hilfe-Kurse für Hundebesitzer an. Der Kurs dauert vier Stunden und kostet 40 Euro. In der Regel bringt der Kursleiter seinen eigenen Hund zur Demonstration mit. Die Gruppen umfassen etwa 20 Personen vom Welpenbesitzer bis zum Gnadenhofbetreiber. Die nächsten Termine in Dortmund und Lünen wurden noch nicht veröffentlicht. Ähnliche Kurse werden beispielsweise vom Deutschen Roten Kreuz in Witten oder vom Arbeiter-Samariter-Bund in Bielefeld angeboten.
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