Erstes Urteil im Klinik-Prozess um Arzt aus Werne

Kreditgeber und Krankenkassen betrogen

Es geht um Betrug in Millionenhöhe: Im „Klinik-Schwindel-Prozess“ gegen einen Arzt aus Werne und fünf mutmaßliche Komplizen ist am Montag am Bochumer Landgericht ein erstes Urteil gefallen. Der Arzt selbst hat angekündigt, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen.

Werne/Bochum

von Werner von Braunschweig

, 06.11.2017, 14:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit Anfang Oktober steht ein Arzt aus Werne vor Gericht. Er war Chef einer Privatklinik. Schon beim Kauf soll er die Bank betrogen haben. Hier ein Foto vom ersten Verhandlungstag.

Seit Anfang Oktober steht ein Arzt aus Werne vor Gericht. Er war Chef einer Privatklinik. Schon beim Kauf soll er die Bank betrogen haben. Hier ein Foto vom ersten Verhandlungstag. © Medienbüro

Im „Klinik-Schwindel-Prozess“ gegen einen Arzt aus Werne und fünf mutmaßliche Komplizen ist am Montag am Bochumer Landgericht ein erstes Urteil gefallen. Ein neben dem Werner Arzt mitangeklagter Rechtsanwalt (46) aus Hagen wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der Anwalt hatte zugegeben, gemeinsam mit dem 64-jährigen Arzt aus Werne im Jahr 2015 einen Krankenhausaufenthalt in der Bochumer Privatklinik des Arztes fingiert und anschließend bei seiner Versicherung abgerechnet zu haben. Tatsächlich war der Anwalt damals keinen einzigen Tag in der Klinik gewesen.

„Zu dem Freundschaftsdienst hinreißen lassen“

Der später durch den Werner Arzt erstellte Entlassungsbericht war eine Totalfälschung. Rund 5000 Euro hatte der Rechtsanwalt für den vermeintlichen Krankenhausaufenthalt von seiner privaten Krankenversicherung erhalten. Das Geld landete später aber offenbar nicht in seiner, sondern in der Tasche des Arztes aus Werne.

Der Anwalt hatte nämlich zugegeben, den betrügerisch erlangten Erstattungsbetrag praktisch direkt an seinen Duz-Freund weitergegeben zu haben. „Ich habe mich zu dem Freundschaftsdienst hinreißen lassen, ohne am Ende selbst einen Vorteil davon zu haben“, sagte der Anwalt am Montag kurz vor der Urteilsberatung frustriert. Durch die nun erfolgte Schadenwiedergutmachung habe er letztlich sogar drauf gezahlt.

Rechtsanwalt droht berufsrechtliches Verfahren

„Wenn eine Krankenkasse einem Rechtsanwalt nicht mehr vertrauen kann, ist das schon ein starkes Stück“, sagte Richter Markus van den Hövel in der Urteilsbegründung. Das Gericht würdigte zwar, dass der Anwalt inzwischen Schadenwiedergutmachung geleistet und den erhaltenen Betrag an die Krankenkasse zurück überwiesen habe. Das sei allerdings erst recht spät passiert und vor allem dem steigenden „Verfahrensdruck“ geschuldet gewesen.

Als Bewährungsauflage ordneten die Bochumer Richter an, dass der Rechtsanwalt aus Hagen, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Caritas ableisten muss.

Obendrein bedeutet die Verurteilung auch, dass dem Anwalt ein berufsrechtliches Verfahren droht, bei dem sich am Ende auch die Frage seiner weiteren Zulassung als Rechtsanwalt stellen wird.

Arzt aus Werne will sich zu Vorwürfen äußern

Der Haupt-Prozess gegen den Werner Arzt und nunmehr nur noch vier Mitangeklagte wird am Bochumer Landgericht in der kommenden Woche fortgesetzt. Wie bekannt wurde, will sich der bislang schweigende Arzt dann erstmals zu den Anklagevorwürfen äußern.

Ihm wird vorgeworfen, Ende 2014 eine finanzierende Bank beim Kauf einer Bochumer Privatklinik getäuscht und dabei um rund 1,6 Millionen Euro betrogen zu haben.

Außerdem soll sich der 64-Jährige zu Unrecht mit einem Professoren-Titel geschmückt und reihenweise Leistungen abgerechnet haben, die es gar nicht gegeben habe. Das Bochumer Landgericht hatte dem Arzt aus Werne zuletzt bereits signalisiert, dass er möglicherweise mit einer Haftstrafe von mehr als vier Jahren rechnen müsse.

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