Fall Tönnies in Werne: Stadt hat fünf Mal Quarantäne angeordnet

mlzCorona-Krise in Werne

Am Dienstagvormittag sind neue Details zu den Tönnies-Mitarbeitern bekannt geworden, die in Werne leben. Die Stadt Werne hat fünf Personen in Quarantäne geschickt und mit uns über den Ablauf gesprochen.

Werne

, 23.06.2020, 12:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Zusammenhang mit dem Corona-Skandal beim Fleischunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind auch in Werne neue Details bekannt geworden. Die Stadt Werne hatte am vergangenen Freitag fünf Mitarbeiter des Unternehmens, die in Werne wohnen, per ordnungsrechtlicher Verfügung offiziell in die Quarantäne geschickt, so Frank Gründken, Dezernent Innere Verwaltung der Stadt Werne.

Allerdings seien die betroffenen Personen bereits seit ihren Tests am vergangenen Donnerstag in dem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück in Quarantäne gegangen. Am Freitag dann überreichten Frank Gründken und Werner Kneip vom Werner Ordnungsamt die Quarantäneanordnungen in Schriftform.

„Hohes Verständnis“ bei betroffenen Mitarbeitern in Werne

„Wir sind ausnahmslos auf hohes Verständnis getroffen. Es sind sehr nette und umgängliche Leute“, so Gründken. „Die Leute sind sehr verantwortungsbewusst. Sie wissen, dass sie in Quarantäne sind. Die Familien selbst waren über die Infektionen in Rheda-Wiedenbrück total überrascht. Es war ihnen deutlich anzusehen, dass sie das schon belastet hat.“

Im Zusammenhang mit Medienberichten aus dem Kreis Gütersloh waren immer wieder Bilder von sogenannten Sammelunterkünften zu sehen. Dies, so Gründken, sei in Werne nicht der Fall. Bei den Betroffenen handele es sich um Väter, die gemeinsam mit ihren Familien seit Jahren in Werne in Wohnungen lebten. Sie gehören zum Stammpersonal bei Tönnies und seien nicht etwa bei Subunternehmen beschäftigt, so Gründken.

Am frühen Montagnachmittag hatte der Gesundheitsdezernent des Kreises Unna Uwe Hasche in einer Telefonpressekonferenz das Datenmaterial, das der Kreis Gütersloh dem Kreis Unna zur Auffindung der Tönnies-Mitarbeiter in den Kreisstädten zur Verfügung gestellt hatte, teilweise als „Kraut und Rüben“ bezeichnet.

Teilweise habe man Anschriften von Tönnies-Mitarbeitern nicht ermitteln oder verifizieren können, bei anderen stimmten die Telefonnummern nicht. Außerdem hätten sich Tönnies-Mitarbeiter seit dem Wochenende bereits selbst beim Kreis gemeldet - diese hätten aber teilweise wiederum auf keiner der gemeldeten Listen aus Gütersloh gestanden, so Hasche. In Werne hingegen sei alles gesittet abgelaufen, erklärt Frank Gründken. „Es waren alle [unter den angegebenen Adressen, Anm. d. Red.] anzutreffen.“

Auch die schulpflichtigen Kinder der betroffenen Werner Tönnies-Mitarbeiter seien teilweise seit Bekanntwerden der Infektionen in Rheda-Wiedenbrück zu Hause geblieben oder aber hatten die Schule seit einiger Zeit nicht mehr besucht, so Gründken. Zu dem Thema habe das Ordnungsamt am vergangenen Sonntag noch einmal mit den Familien telefoniert. Der Kreis Unna hatte am Montag verkündet, dass man den Familien der Verdachtsfälle eine „freiwillige Quarantäne eindringlich empfohlen“ habe, so Gesundheitsdezernent Uwe Hasche.

Testergebnisse von Tönnies-Mitarbeitern lassen auch sich warten

Die Testergebnisse der betroffenen Werner Tönnies-Mitarbeiter lassen derweil weiter auf sich warten. „Wir haben gestern mit dem Kreis telefoniert und nachgefragt. Die Ergebnisse sollen kommen, wann genau, kann der Kreis aber auch noch nicht sagen“, so Gründken. Der Kreis Unna sei genauso erpicht darauf, die Ergebnisse zu erhalten, wie die Stadt Werne.

Beim Kreis Unna hatten sich in den vergangenen Tagen Tönnies-Mitarbeiter gemeldet, die in keiner der übermittelten Listen aufgetaucht waren. Deshalb bittet der Kreis Unna Betroffene, sich unter der Tel. (02303) 270 beim Kreisgesundheitsamt mit ihrem Original-Testergebnis zu melden. In Werne habe es so einen Fall bisher noch nicht gegeben, so Frank Gründken.

Im Kreis Gütersloh hat das Land NRW derweil am Dienstagvormittag den Lockdown für zunächst eine Woche verhängt. Insgesamt 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien derzeit unter Quarantäne. Auch im Kreis Warendorf werde man mit Einschränkungen rechnen müssen, hieß es am Dienstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

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