Rechts das Verbotsschild, links die Person, die fleißig Enten und Gänse am Stadtsee Werne füttert. © Jörg Heckenkamp
Verbotene Tierfütterung

Falsche Tierliebe bringt Enten, Gänse und Stadtsee in Gefahr

Die Verbots-Schilder zum Entenfüttern am Stadtsee scheinen für viele Zeitgenossen unsichtbar zu sein. In unmittelbarer Nähe der Schilder füttern sie fleißig die Tiere. Mit verheerenden Folgen.

Es ist ein Bild, das sich fast jeden Tag in der wärmeren Jahreszeit in jedem Jahr wiederholt: Direkt unter den Schildern, die das Füttern von Enten und Gänsen untersagen, füttern Jung und Alt fleißig Enten und Gänse. Da ist die Oma, die mit ihrer Enkeltochter ein Brotstückchen nach dem anderen den Tieren vor den Schnabel wirft. Oder die Eltern, die sich über die glänzenden Augen ihres Sprößlings freuen, der mit ungelenken Wurfbewegungen die Fütterung der Raubtiere übernimmt.

Es gibt die Seniorin, die in falsch verstandener Tierliebe die Reste des Frühstücks den Entenvögeln zum Fraß vorwirft. Oder, wie erst vor einigen Tagen zu sehen, zwei Rentner, die gleich händeweise die Brocken auf der Seeterrasse verteilen.

Mülltüten voller Brot am Stadtsee ausgekippt

„Vor einigen Jahren gab es sogar mal jemanden, der ganze Mülltüten voll an Brotresten dort abgeladen hat“, sagt Werner Kneip vom Ordnungsamt der Stadt auf Anfrage der Redaktion, „das war schon so etwas wie eine gewerbliche Müllentsorgung.“ Gefasst hat man den Übeltäter nicht.

Das Füttern schadet den Tieren, es schadet dem Wasser im Stadtsee und hat eine völlig zugekotete Seeterrasse zur Folge. © Jörg Heckenkamp (A) © Jörg Heckenkamp (A)

Die Stadt hat die Füttern-verboten-Schilder nicht aufgestellt, um den Wernern den Spaß an Tierfütterung zu verderben. Auf den Tafeln ist genau aufgelistet, warum eine Fütterung so schädlich ist:

  • die Tiere finden selbst im Winter genügend Nahrung;
  • sie verlieren die Fähigkeit, selbstständig nach Futter zu suchen, werden abhängig;
  • die Fütterung lockt weitere Tiere an, was zu einer übermäßigen Vermehrung führt;
  • Futterreste und Tierkot verschlechtern die Wasserqualität im Stadtsee, was für die Tiere gefährlich werden kann.

Fütterung der Enten „ist eine Katastrophe“

Schon vor zwei Jahren sagte der damalige Tiefbauamtsleiter Gisbert Bensch zu dem Dauerproblem: „Es ist eine Katastrophe. Die Leute werfen tütenweise Brot in den See.“ Der sei sowieso schon überdüngt und drohe durch diese zusätzliche Belastung biologisch umzukippen. Das gilt heute immer noch.

Verbotenes Füttern kostet 35 Euro – wenn man denn erwischt wird

Wer beim verbotenen Füttern erwischt wird, macht sich einer Ordnungswidrigkeit schuldig und muss 35 Euro bezahlen. Allerdings ist die Gefahr, erwischt zu werden, relativ gering. Werner Kneip vom Ordnungsamt: „Der Stadtsee steht momentan nicht im Mittelpunkt unserer Kontrolltätigkeit.“ Corona, falsches Parken in Wohngebieten sowie die Urlaubszeit bündelten die Kapazitäten an anderer Stelle. Dennoch wolle er nun verstärkt wieder Kontrollen am Stadtsee vornehmen.

Dass die Leute quasi direkt unter dem Verbotsschild füttern, hat laut Kneip wahrscheinlich weniger mit Ignoranz zu tun, sondern mit „falsch verstandener Tierliebe“.

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Jörg Heckenkamp

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