So sieht ein mobiler Luftfilter fürs Klassenzimmer aus. Er filtert Viren, sorgt aber nicht für Frischluft. © picture alliance/dpa
Meinung

Fehlende Luftfilter: Liebe Stadt Werne, hör doch einfach mal auf deine Lehrer!

Millionen wurden zur Förderung von Luftfilteranlagen in Deutschlands Schulen locker gemacht, doch die Stadt Werne will keine Filter. Eine absolut falsche Entscheidung, meint unsere Autorin.

Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht. Die Stadt Werne ist nur eine im Kreis, die sich gegen die Beschaffung von Luftfiltern für die Schulen entschieden hat. Nicht nur, dass man diese Entscheidung erst fast eineinhalb Jahre nach dem Beginn einer immer noch grassierenden Pandemie fällt, sie wird auch von den falschen Leuten getroffen.

Der Lehrerrat des Anne-Frank-Gymnasiums in Werne hat die Stadt für diese Entscheidung scharf kritisiert. Zu Recht, wie ich finde. Sie sind es neben allen anderen Lehr- und Kitakräften, die tagtäglich mit Hunderten Schülerinnen und Schülern auf engstem Raum arbeiten. Über Stunden.

Die Kinder und Eltern hat es in der Pandemie mitunter am härtesten getroffen: Von heute auf morgen ging es ins Homeschooling, dann in den Wechselunterricht, dann in den Präsenzunterricht. Und irgendwo dazwischen kam die erste, zweite und – wenn es ganz übel lief – auch die dritte Quarantäne. Coronausbrüche an Kitas und Schulen hat es gegeben. Ganze Klassen und Gruppen mussten geschlossen werden. Entschuldigung, liebe Ratsdamen und -herren, haben Sie das schon vergessen?

GSC-Schulleiter fühlte sich in Sachen Impfung „verloren“

Schon das ganze Jahr 2020 mussten sich die Schulen irgendwie durchnavigieren. Mit Laptops, die Zuhause geteilt wurden, in Wohnzimmern und Küchen, die auf einmal zum Klassenzimmer wurden. Auch die iPads, die von allen Schulen bestellt wurden, ließen wegen Lieferschwierigkeiten lange auf sich warten. In Werne bis ins Frühjahr 2021 genau genommen.

Und nicht zu vergessen ist auch, dass Lehrkräfte insbesondere weiterführender Schulen nicht zu den ersten Gruppen der kritischen Infrastruktur und der Impfpriorisierung gezählt wurden. Dass sich die Lehrer dem Coronavirus hilflos ausgeliefert fühlten, darüber hatte sich in der Vergangenheit schon der Leiter des St.-Christophorus-Gymnasiums in Werne, Thorsten Schröer, beschwert. „Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Speerspitze von allem sind“, sagte er damals. Aber nicht zu wissen, wann eine Impfung möglich ist, dadurch fühle man sich schon sehr verloren, so Schröer Ende März 2021 gegenüber unserer Redaktion.

Das Umweltbundesamt ist zu dem Schluss gekommen, dass Luftfilteranlagen das Lüften in den Klassenräumen nicht ersetzen und dass das immer noch die effektivste Möglichkeit sei, verbrauchte Luft auszutauschen. Allerdings räumt es auch ein, dass Luftfilter vor allem in nicht gut lüftbaren Räumen eine sinnvolle Ergänzung sein können.

Gleichzeitig setzen Bund (200 Millionen Euro) und Land NRW (50 Millionen Euro) je eigene Förderprogramme auf, über die Städte große Summen der Ausgaben für die Luftfilteranlagen ersetzt bekommen. Das Programm des Landes NRW läuft schon seit Anfang des Jahres. Dass das fast ein Jahr zu spät kam, lassen wir jetzt mal so stehen. Der WDR zog am 14. Juli ein ernüchterndes Fazit: Aus dem NRW-Topf von 50 Millionen Euro haben sich die Kommunen bisher nur teilweise bedient.

Gelder ja, Bedarf nein, Impfung für Kinder auf jeden Fall

Was denn jetzt? Luftfilter sind nicht wirklich nötig, sagt das Umweltbundesamt. Gleichzeitig machen Bund und Land Millionen Euro locker, die die Städte dann aber nicht haben wollen. Und weil das Coronavirus für Kinder und Jugendliche ja dann doch irgendwie gefährlich sein könnte, will Jens Spahn parallel, dass sich Kinder ab 12 Jahren ohne medizinischen Anlass gegen das Coronavirus impfen lassen können. Gleichzeitig beschwert sich die Ständige Impfkommission (Stiko) über den massiven und „wenig hilfreichen“ Druck, mit dem sie in Sachen Kinder und Coronaimpfung zu einer Impfempfehlung genötigt werden soll. Und daneben stehen die Lehrerinnen und Lehrer dieses Landes, schütteln den Kopf und fühlen sich übergangen.

Es scheint so, als hätten hier an mehreren Ecken Absprachen nicht stattgefunden, die dringend hätten erfolgen sollen. Am wichtigsten wäre aber, dass die Städte endlich mit ihren Schulen und Kindertageseinrichtungen sprechen, was diese wollen und brauchen. Und wenn es am Ende nur dem besseren Gefühl dient, mit dem die Lehrkräfte und Schüler tagtäglich die Schulen während der immer noch grassierenden Pandemie betreten.

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Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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