Forscher: "Fracking" ist beherrschbar

Umstrittene Gas-Suche

"Wutbürger" nennt Prof. Axel Preuße diejenigen, die gegen Gasbohrungen in NRW protestieren. Vieles sei "Panikmache". Warum er "Fracking" für beherrschbar hält und er vor allem im Münsterland, rund um Werne und im östlichen Ruhrgebiet nach Gas bohren würde, verrät er im Interview.

22.03.2011, 23:33 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ich glaube, wir erleben gerade generell einen Stuttgart-21-Effekt bei fast allen Großprojekten. Der Begriff Wutbürger trifft es ganz gut. Egal ob Biogas oder Windenergie – es gibt so eine Haltung, neue Energie ja, aber nicht vor meiner Haustür.

Ja, das möchte ich auch nicht. Natürlich haben die US-Amerikaner viel falsch gemacht. Aber die Verhältnisse in den USA sind nicht mit denen hier vergleichbar. In den USA wird in der Regel wenige hundert Meter tief gebohrt und dort gefrackt. Da gibt es keine dicken, dichtenden Deckschichten wie etwa bei uns den Emschermergel zwischen Gas und Grundwasser. Deshalb ist hier meiner Meinung nach vieles in der derzeitigen Diskussion Panikmache.

Es ist zumindest beherrschbar. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Es wäre unseriös, so etwas zu behaupten. Sie haben immer ein Restrisiko, wenn Sie Technologie einsetzen. Die Erfahrung aus hundert Jahren Bergbau aber hat uns gelehrt, dass der Emschermergel dicht ist.

Die Suche nach Bodenschätzen ist immer mit Eingriffen in Natur und Umwelt verbunden. Das will ich überhaupt nicht in Abrede stellen. Das ist bei fossilen Rohstoffen so, bei Erzen, bei Steinen und Erden, ja sogar bei der Geothermie. Es gibt immer einen Preis, den man zahlen muss.

Man kann die Risiken beim „Fracking“ wohl kaum mit den Risiken der Kernenergie bezüglich ihrer Tragweite vergleichen. Etwaige Folgen durch Unfälle würden sich hier doch wohl eher räumlich begrenzt auswirken. Dennoch sollte man aber auch bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas alles tun, um die Risiken für Gesundheit und Umwelt so gering wie möglich zu halten. Dafür forschen wir und versuchen, wassergefährdende Stoffe wenn irgend möglich durch biologisch abbaubare zu ersetzen.

Klar sind kleine Beben durch „Fracking“ möglich. Ob man die auch spürt – ich wage das zu bezweifeln.

Für mich ist Transparenz oberstes Gebot: von Anfang an die Wahrheit auf den Tisch legen. Die Salamitaktik – nur scheibchenweise zugeben, was ohnehin nicht zu leugnen ist – funktioniert nicht. Deshalb ist unser Forschungsprojekt auch so langfristig ausgelegt. Wir wollen unsere Hausaufgaben gründlich machen, forschen, in drei, vier Jahren mit Ergebnissen herauskommen und dann sehen wir weiter. ExxonMobil hat uns da sicherlich überholt und war in der Kommunikation vielleicht nicht immer ganz glücklich.

Das will ich nicht unterstellen. Die haben schlicht das Geld für Fachleute und Technik, das wir Forscher uns mühsam zusammensammeln müssen. Etwas verwundert war die Fachwelt, als bekannt wurde, wie groß das Gebiet ist, das ExxonMobil sich in NRW gesichert hat. Die müssen bei der Antragstellung aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten sicherlich entsprechend Eindruck gemacht haben.

Im Münsterland und im östlichen Ruhrgebiet liegen signifikante Gasvorkommen. Das ist völlig unstrittig. Sonst würde sich auch ExxonMobil nicht darum kümmern.

Damals konnte man nur vertikal bohren. Heute sind die Techniken viel weiter, vor allem die horizontalen Bohrungen ermöglichen es, gezielt in den Kohleflözen entlang zu bohren und dort gegebenenfalls mittels „Fracking“ die Fließwege zu verbessern. Technisch war es auch damals schon möglich, das Gas zu fördern. Aber nicht wirtschaftlich.

Ja. Die Bohrung „Natarp 1“ bei Sendenhorst ist durch die US-Firma Halliburton gefrackt worden. Erfolglos. Die Förderraten waren extrem niedrig. Fracking ist nicht neu. ExxonMobil macht das in Niedersachsen seit Jahrzehnten. Die Technik hat sich nur in den letzten 20 Jahren rasant weiterentwickelt. Aufgrund der großen Tiefe der Kohleflöze und der dadurch gewaltigen Auflast halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass auch heute in den Kohleflözen im Münsterland gefrackt werden muss.

Beispielsweise im Münsterland und im östlichen Ruhrgebiet. Es ist schon sinnvoll, dass dort gebohrt werden soll. Auch der Bereich Ascheberg, Herbern, Werne ist sicherlich ein guter Spot – da lagern große Gasvorkommen.

Sie müssen wissen, dass es in Australien seit ein paar Jahren einen regelrechten CBM-Boom gibt. Die derzeitige Diskussion bei uns können die australischen Kollegen gar nicht nachvollziehen. Die meinen: Ihr habt doch hervorragende Bedingungen: Ihr habt nicht nur riesige Vorräte, die Infrastruktur, Pipelines, sondern auch Millionen Menschen, die im Einzugsgebiet wohnen und Erdgas verbrauchen. In Australien gibt es zwar auch viel Gas, die Abnehmer sind aber weit weg, so dass die Infrastrukturen erst mühsam aufgebaut werden müssen. Zurzeit werden dort riesige Terminals gebaut, um Tanker mit dem verflüssigten Gas nach China zu schicken.

ist Direktor des Instituts für Markscheidewesen, Bergschadenkunde und Geophysik im Bergbau der RWTH Aachen. In den 90er-Jahren leitete er die Abteilung "Exploration und Lagerstätte" der RAG Führungsgesellschaft, Essen sowie das Konsortialprojekt "Flözgasgewinnung" der Ruhrkohle AG (mit Conoco Mineraloel GmbH und Ruhrgas AG). Seit 2007 leitet er auch das Projekt "CBM Münsterland" der RWTH Aachen, finanziert vom Land Nordrhein-Westfalen, der Mingas-Power GmbH sowie der Minegas GmbH. Ziel des Projektes ist es zu ermitteln, ob Kohleflözgas wirtschaftlich und umweltverträglich gefördert werden kann.

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