Friseure in Werne öffnen wieder und bügeln Selbstversuche von Kunden aus

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Sechs Wochen lang hatten die Friseursalons geschlossen. In dieser Zeit griffen manche Kunden selber zur Schere - andere warten sehnsüchtig auf frische Haarfarbe. Nun sind die Friseure zurück.

Werne

, 04.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 4. Mai durften die Friseursalons wieder öffnen. Der Andrang ist groß: Wer spontan einen Termin braucht, geht häufig leer aus. Viele Salons haben alle Termine für die nächsten zwei Wochen bereits vergeben. Besonders beliebt sind Herrenhaarschnitte und frische Haarfarbe. „Manche Kunden haben mir schon gebeichtet, dass sie selbst Hand angelegt haben und das in die Hose gegangen sei. Ich versuche jetzt zu retten, was noch zu retten ist“, erzählt Judith Nickel vom Cuttingroom by J.N. in der Burgstraße.

Sie freut sich riesig auf ihre Kunden. Während der sechs Wochen der Schließung war die 42-jährige nicht untätig. In Online-Seminaren hat sie sich weitergebildet und daheim Übungsköpfe frisiert. Neue Färbe- und Stylingtechniken standen auf dem Programm. Somit ist Nickel gewappnet für die Kunden, die sich bereits telefonisch angekündigt haben.

Haare färben ist ein dringendes Bedürfnis

„Manche wollten einfach nur schnell einen Termin haben. Mit anderen habe ich schon am Telefon lange geplauscht“, erzählt sie. Gesprächsstoff gäbe es nun allerhand - da fiele es kaum ins Gewicht, dass keine Zeitschriften mehr ausliegen dürfen. „Ich bin richtig glücklich, dass mir meine Kunden die Treue halten“, so Nickel.

Innerhalb des Salons dürfen die Kunden aufgrund der Vorgaben nicht mehr warten, bis sie an der Reihe sind. Daher stehe nun eine Bank vor der Tür. Wer noch ein kleines Desinfektionsfläschchen für die Handtasche benötigt, kann dies bald bei Nickel erwerben - die Lieferung sei auf dem Weg. Und was für Frisuren wünschen sich die Kunden? „Farbe, viel Farbe“, antwortet die Friseurin.

Maskengummis hinter die Ohren - sonst wird drum herum geschnitten

Innerhalb der sechs Wochen sei so mancher Haaransatz ergraut. Für Kunden, die keine Maske dabei haben, liegen OP-Masken bereit. Die hätten den Vorteil, dass die Gummibänder nah an den Ohren anliegen - ansonsten müsste man um die Bänder herumschneiden und färben.

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Mit dieser Problematik beschäftigt sich auch Thomas Mertens vom Salon Mertens-Leufen in der Steinstraße. Masken, die hinter dem Kopf zugebunden werden, erfordern mehr Vorsicht. „Man muss aufpassen, dass man das Band nicht durchschneidet oder einfärbt. Ich rate meinen Kunden, eine Ersatzmaske mitzunehmen“, erzählt der Friseur.

Kein Stress, aber viel Desinfektion

Ansonsten habe sich viel im Salon geändert: An der Kasse gibt es einen Spuckschutz. Die Mundschutzpflicht gilt auch für die Friseure. Alle Regeln sind an der Schaufensterscheibe ausgehängt. Im Salon darf nicht mehr gewartet werden, es gibt keine Getränke und Zeitschriften und für die Termine wurde jeweils ein Drittel mehr Zeit eingeplant, damit es nicht stressig wird.

Im Schaufenster des Salons Mertens-Leufen hängen die neuen Corona-Regeln.

Im Schaufenster des Salons Mertens-Leufen hängen die neuen Corona-Regeln. © Sylva Witzig

„Wir sind hier auf der Arbeit, nicht auf der Flucht“, meint der Friseur. Nach jedem Kunden wird kräftig desinfiziert - Arbeitsmittel, Tische und Stühle werden eingesprüht. „Ich habe jetzt etwa 15 Liter Desinfektionsmittel hier. Wie viel ich verbrauche, kann ich noch gar nicht einschätzen. Mal schauen, wie lange ich damit auskomme“, erzählt der Friseur.

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Mehr Arbeit für die Waschmaschine

Hygiene wird in Zeiten von Corona groß geschrieben. Am ersten Vormittag wanderten im Salon Mertens-Leufen bereits zwei Ladungen Wäsche in die Maschine. Die Umhänge werden nach jedem Kunden gewaschen - auch das nähme Zeit in Anspruch. Wem Haare im Gesicht hängen blieben, werden die nun nicht mehr abgepinselt, sondern weggeföhnt. Der Föhn kommt ebenfalls zum Einsatz, wenn die Stühle nach der Desinfektion nicht schnell genug trocknen.

Thomas Mertens frisiert seit dem 4. Mai im Arztkittel. Vorgeschrieben ist entweder Arbeitskleidung oder die Kleidung muss jeden Abend gewaschen werden. Der Kittel sorgt für die nötige Beinfreiheit. Außerdem werden nach jedem Kunden die Arbeitsmittel und die Stühle desinfiziert.

Thomas Mertens frisiert seit dem 4. Mai im Arztkittel. Vorgeschrieben ist entweder Arbeitskleidung oder die Kleidung muss jeden Abend gewaschen werden. Der Kittel sorgt für die nötige Beinfreiheit. Außerdem werden nach jedem Kunden die Arbeitsmittel und die Stühle desinfiziert. © Sylva Witzig

Das Friseurteam hat außerdem sein Outfit geändert: „Unsere Kunden bekommen jetzt eine Chefarztbehandlung“, scherzt Mertens. Das Team hüllt sich nun in Laborkittel, um sich zu schützen. Die Kittel habe er ganz problemlos im Internet bestellt. Das neue Outfit sähe nicht nur ungewohnt aus, sondern schränke im Vergleich zu Alltagskleidung etwas in der Bewegung ein.

Hoffnungsvolle, verständnisvolle Kunden

„An den Mundschutz und die neuen Hygienemaßnahmen muss man sich erst einmal gewöhnen“, betont Mertens. Viele Gespräche im Salon drehten sich jetzt rund um Corona und die Mundschutzpflicht. Doch: „Die Gespräche sind hoffnungsvoller geworden. Bevor wir geschlossen haben, berichteten uns viele Kunden von ihren Sorgen und Ängsten. Jetzt freuen sie sich, dass langsam die Normalität zurückkehrt“, berichtet Friseurin Katrin Stockhausen aus dem gleichnamigen Salon.

Auch im Salon von Katrin Stockhausen herrscht nun Mundschutzpflicht

Auch im Salon von Katrin Stockhausen herrscht nun Mundschutzpflicht. © Sylva Witzig

Die Kunden nähmen bislang die Sicherheitsvorkehrungen ernst und zeigten sich verständnisvoll. Vor allem Männer hätten für die ersten Tage nach der Eröffnung Termine ausgemacht. Auch in Stockhausens Salon seien die Termine nun weniger dicht getaktet: „Normalerweise habe ich, während bei einem Kunden die Farbe einwirkte, andere Kunden bedient. Diese Zwischentermine fallen jetzt weg.“

Die Wimpern und der Bart müssen warten

Auf Behandlungen wie Wimpern färben, Make-Up und Bartschneiden müssen die Kunden aktuell verzichten - so steht es in der Corona-Schutzverordnung. Zudem dürfen Friseure aktuell keine ungewaschenen Haare frisieren. Dennoch ist die Freude bei Friseuren und Kunden groß: „Es war ein wundervolles Gefühl, heute früh den Laden aufzuschließen“, so Stockhausen.

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