Früherer GiMaTec-Geschäftsführer soll nach Insolvenzverschleppung 5000 Euro zahlen

Landgericht Dortmund

Drei Jahre nach der Insolvenz der GiMaTec GmbH im Wahrbrink soll ein früherer Geschäftsführer eine Geldauflage von 5000 Euro zahlen. Auch, weil der Richter kurzerhand zum Telefonhörer griff.

Werne

, 04.09.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Früherer GiMaTec-Geschäftsführer soll nach Insolvenzverschleppung 5000 Euro zahlen

Der Ex-Geschäftsführer der Firma GiMaTec war wegen Insolvenzverschleppung angeklagt. © Vanessa Trinkwald

Der 48-jährige Ex-Geschäftsführer wohnt bis heute in der Schweiz. Ob er die Werkhallen der Gießerei und Maschinentechnik GmbH (GiMaTec) überhaupt jemals gesehen hat, ist nicht ganz klar. Tatsache ist, dass das einst so hoffnungsvoll am Standort Werne gestartete Unternehmen ab Mitte 2016 große finanzielle Schwierigkeiten hatte. Der Ex-Geschäftsführer ließ vor Gericht jedoch seinen Anwalt erklären: „Davon hatte mein Mandant keine Ahnung.“

Angeblich war es so, dass der Angeklagte seinen eigenen Geschäften in der Schweiz nachging und die Vorgänge bei der GiMaTec vollständig von einem Prokuristen vor Ort erledigen ließ. Dieser Prokurist habe ihm die Finanznöte böswillig verschwiegen, sagte der Anwalt des Angeklagten. Und: „Was soll man denn als Geschäftsführer im Ausland anderes machen, als sich voll und ganz auf die Aussagen seines Prokuristen zu verlassen.“

AOK stellte Insolvenzantrag

Der Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens war seinerzeit von der AOK gestellt worden, nachdem für die zehn Angestellten des Betriebes keine Sozialbeiträge mehr geleistet worden waren und selbst eine Kontopfändung keinen Erfolg mehr gehabt hatte. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauteten deshalb: Vorenthalten von Sozialbeiträgen und Insolvenzverschleppung.

Verurteilt wird der Ex-Geschäftsführer aber wohl nicht. Vor dem Dortmunder Landgericht versuchte er am Mittwoch, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen - möglichst sogar ohne eigene Auflagen.

„Der Sachbearbeiter hat mir gerade am Telefon etwas anderes erzählt.“
Richter des Landgerichts Dortmund

Das aber war mit Staatsanwalt Ralph Steinert nicht zu machen. Mindestens 5000 Euro wollte er sehen - so viel, wie die GiMaTec in zwei Monaten an die AOK hätte abführen müssen. Daraufhin entwickelte sich im Gerichtssaal ein munteres Feilschen, das der Anwalt des Angeklagten meinte damit beenden zu können, dass er mitteilte: „Die AOK hat doch inzwischen überhaupt keine offenen Posten mehr. Alle Forderungen sind doch später aus der Insolvenzmasse beglichen worden.“

Anruf bringt Überraschung

Weil er das nicht belegen konnte, entschied der Richter, bei der AOK anzurufen, um sich nach dem Stand des „Kontos“ der GiMaTec GmbH aus Werne zu erkundigen. Das Ergebnis hätte für den Ex-Geschäftsführer unangenehmer nicht ausfallen können. „Der Sachbearbeiter hat mir gerade am Telefon erzählt, dass seit Ende 2016 keine Zahlungen mehr eingegangen sind, auch keine aus der Insolvenzmasse“, sagte der Vorsitzende nach einer kurzen Pause.

Der Angeklagte stimmte daraufhin doch noch zu, die 5000 Euro zu zahlen. Bis Ende des Jahres muss das Geld eingegangen sein. Erst dann würde das Strafverfahren gegen den 48-Jährigen endgültig eingestellt.

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