Stillstand auf der Baustelle: Am Haus an der Burgstraße 13 in Werne geht es nicht mehr voran. © Felix Püschner
Denkmalschutz

Gammelhäuser: Das sind die schlimmsten Denkmäler in der Werner Innenstadt

Das Gammelhaus an der Südstraße in Werne ist nicht das einzige Sorgenkind der Denkmalpflege. Bei mindestens 6 weiteren Gebäuden sieht die Stadtverwaltung große Probleme – und kaum Lösungen.

Beim Gammelhaus an der Südmauer in Werne ist der Eigentümer nun in die Offensive gegangen. Mit seiner Klage will er bewirken, dass das Gebäude aus der Denkmalliste gestrichen und abgerissen werden kann. Allerdings ist besagtes Haus nicht das einzige denkmalgeschützte Sorgenkind der Stadt. Laut Angaben der Verwaltung gibt es in der Werner Innenstadt derzeit 7 Denkmäler, bei denen „hoher Handlungsbedarf“ besteht, bei denen sich zugleich aber nur wenig bis überhaupt nichts tut.

Insgesamt umfasst die Denkmalkarte der Verwaltung in der Innenstadt 59 Objekte. Bei 39 davon sieht die Verwaltung aktuell keinen Handlungsbedarf. 4 weisen geringen Handlungsbedarf auf und 9 sind noch nicht bewertet. Hoher Bedarf besteht bei den Gebäuden an der Burgstraße 13, Westmauer 4, Burgstraße 15, Westmauer 15, Kirchhof 3, Kirchhof 13 und eben an der Südmauer 27.

Denkmalrecht und gute Gespräche helfen kaum weiter

Lediglich bei letzterem kommt es nun zu einer juristischen Auseinandersetzung zwischen Stadt und Eigentümer. „Wir sind an allen Projekten dran und haben auch schon rechtliche Schritte in Erwägung gezogen. Konkret sind solche Schritte bei den Gebäuden aber noch nicht geplant“, erklärte Planungsdezernent Ralf Bülte auf Anfrage unserer Redaktion.

Das Haus an der Südmauer 27 ist aktuell wieder großes Gesprächsthema. Der Eigentümer will es abreißen.
Das Haus an der Südmauer 27 ist aktuell wieder großes Gesprächsthema. Der Eigentümer will es abreißen. © Felix Püschner © Felix Püschner

Das liegt auch an dem bekannten Problemkomplex: Das Denkmalrecht ist kein sonderlich scharfes Schwert. Und Eigentum ist ein hohes Gut. Jemandem sein Denkmal einfach wegzunehmen, ist eine komplizierte Sache. Erst recht, wenn er die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Die klingen im Denkmalschutzgesetz im ersten Moment deutlich strenger, als sie tatsächlich sind.

An der entsprechenden Stelle heißt es, die Eigentümer und sonstigen Nutzungsberechtigten hätten „ihre Denkmäler instand zu halten, instand zu setzen, sachgemäß zu behandeln und vor Gefährdung zu schützen, soweit ihnen das zumutbar ist.“ Nur das Allernötigste zu tun, genügt jedoch meist, damit diese Forderungen erfüllt sind. Auch wenn sich dem Betrachter beim Blick auf ein vor sich hingammelndes Gebäude ein ganz anderer Eindruck aufdrängen mag.

Die Folge: Selbst in Fällen wie bei der Immobilie an der Südmauer 27 setzen Denkmalbehörden vor allem auf persönliche Gespräche mit den Eigentümern. Auch aus Sorge vor einer Trotzreaktion. Bevor der Eigentümer die Abrissbagger anrollen lässt, versucht man Kompromisse zu finden.

Arbeiten an Burgstraße 13 und Kirchhof 3 gerieten ins Stocken

Das hat die Stadt Werne auch beim Haus an der Burgstraße 13 getan. Mit dem Ergebnis, dass man von dem Denkmalcharakter inzwischen praktisch gar nichts mehr sieht. Es herrscht Stillstand auf dem Bau. Schon eine gefühlte Ewigkeit. Trotz Kompromissen, wie Bülte betont: „Wir haben dort viele Zugeständnisse gemacht. Zum Beispiel, dass das Gebäude hinten aufgestockt werden darf und nur die Fassade zur Burgstraße hin denkmalgerecht erneuert werden muss.“

Das Haus am Kirchhof 3 hat schon bessere Zeiten gesehen. Auch hier wurden die Sanierungsarbeiten nicht abgeschlossen - trotz großer Pläne.
Das Haus am Kirchhof 3 hat schon bessere Zeiten gesehen. Auch hier wurden die Sanierungsarbeiten nicht abgeschlossen – trotz großer Pläne. © Felix Püschner © Felix Püschner

Das Erscheinungsbild als altes Ackerbürgerbürgerhaus müsste also nur zu einer Seite hin wieder hergerichtet werden. Der Bauantrag liegt vor – passiert ist seither nichts. Ein Problem könnte sein, dass der Eigentümer derzeit keine Handwerker bekomme, da diese ausgebucht seien, sagt Wernes Planungsdezernent. Aber so etwas könne man „als Ausrede auch nicht immer gelten lassen“. Fest steht: Einfacher und günstiger wird die Sanierung nicht, wenn ein Gebäude über einen längeren Zeitraum in einem solchen – gelinde gesagt – unvollendeten Zustand bleibt.

Angefangen mit der Umgestaltung hatte auch der Eigentümer der Immobilie am Kirchhof 3. Einem Denkmal in wichtigster Lage, wie Bülte erklärt. Inzwischen stocken die Arbeiten schon seit mehreren Jahren. „Wir können den Eigentümer aktuell nicht dazu zwingen, weiterzumachen. Es besteht nämlich keine Gefahr“, so der Planungsdezernent. Die Pläne für das Gebäude waren groß.

Unter anderem sollte ein Anbau mit Küche auf der Gebäuderückseite den Grundstein für eine Gastronomie legen. Alles sei mit dem Denkmalpflegeamt in Münster abgestimmt gewesen. Man sei auf einem guten Weg gewesen. Der endete jedoch abrupt.

Auch da hilft inzwischen gutes Zureden genauso wenig weiter wie der Verweis auf die Gesetzeslage. Und es ist auch kein echtes Ass, das die Stadt noch im Ärmel hat, wenn sie auf eine weitere Alternative verweist: den Kauf der betroffenen Häuser und Grundstücke. Denn dass ein solcher Deal zustande kommt, ist eher die Ausnahme. Dies habe auch der Eigentümer der Immobilie an der Südmauer abgelehnt, sagt Bülte.

Warum, könne er nicht genau sagen. Es könnte aber durchaus daran liegen, dass sich bei der Höhe des Kaufpreises nicht immer ganz so leicht eine Einigung erzielen lässt. Denn so etwas wie eine Listenpreis gibt es hier nicht. Denkmalliste hin oder her.

Museumsgebäude ebenfalls in der roten Kategorie

Bei dem Gebäude am Kirchhof 13 handelt es sich um das Karl-Pollender-Stadtmuseum. Die Einstufung in die Kategorie der Denkmäler mit hohem Handlungsbedarf hat allerdings nichts mit der aktuellen Umgestaltung der Ausstellungsräume zu tun. Der Grund ist ein anderer, wie Bülte erklärt. Man habe zwar vor einiger Zeit das Dach erneuert, doch sei das Gebäude nach wie vor in keinem guten Zustand. „Die Fassade bröckelt. Aber ein Gutachter ist an dem Thema dran“, so Wernes Planungsdezernent.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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