Das verwahrloste Haus an der Südmauer ist den Wernern ein Dorn im Auge. Abhilfe zu schaffen, ist schwierig. Die Politik will eine Enteignung prüfen lassen. © Felix Püschner (A)
Wohnen in Werne

Gammelhaus an der Südmauer in Werne: SPD fordert Enteignung

Das verfallene Haus an der Südmauer 27 ist schon seit einer gefühlten Ewigkeit im Blickpunkt von Öffentlichkeit und Politik. Letztere möchte nun notfalls gerichtlich gegen den Schandfleck vorgehen.

Immer, wenn im Ausschuss für Stadtentwicklung und Planung der Tagesordnungspunkt „Aktuelle Denkmalprojekte“ aufgerufen wird, erhebt sich Petra Göbel, Abteilungsleiterin der Denkmalpflege bei der Stadt Werne, von ihrem Platz. Göbel referiert dann, was seit der letzten Sitzung alles so passiert ist. Oft sind das kleinere Projekte – mal ein neues Fenster hier, mal ein Fassadenanstrich dort.

Manchmal sind es größere. Und nicht selten kommt Göbel dann auf Projekte zu sprechen, bei denen es schon ziemlich lange hakt und bei denen man nicht wirklich vorankommt. So wie im Falle des Gebäudes an der Südmauer 27. Das ist schon eine gefühlte Ewigkeit im Fokus der Öffentlichkeit und der Politik. Nicht zuletzt deswegen machten es wohl auch Wernes Bürgermeisterkandidaten zum Wahlkampfthema. Das Gebäude sei ein „Schandfleck“ hieß es unter anderem. Eine schlechte Visitenkarte für die Altstadt. Und man müsse da endlich mal gegen vorgehen. Was zugegebenermaßen nicht ganz so einfach sei.

Mehr Transparenz gegenüber Bürgern gefordert

Das verfallene Gebäude an der Südmauer ist auch der Verwaltung schon lange ein Dorn im Auge. Und wahrscheinlich hätte Petra Göbel das Thema auch deswegen am liebsten einmal mehr in den nicht-öffentlichen Teil der Ausschusssitzung am Dienstag (1. Dezember) geschoben. Als sie das vorschlug, platzte Ulrich Höltmann (SPD) allerdings der Kragen: „Da reden wir seit 10 Jahren hinter verschlossenen Türen drüber und kommen nicht weiter. Dann können wir das auch öffentlich machen“, lautete sei durchaus energisches Plädoyer für mehr Transparenz gegenüber den Bürgern.

Denn die würden sonst allmählich denken, das Gebäude interessiere die gewählten Volksvertreter herzlich wenig. Höltmann weiter: „Sind wir denn da wirklich machtlos?“ Göbels Antwort: Man habe seitens der Stadt Gespräche mit dem Eigentümer geführt. Der wolle aber weder groß in eine Sanierung investieren noch an die Stadt verkaufen. Das gelte auch für das leere Gebäude am Kirchhof, das ihm ebenfalls gehört. „Die letzte Möglichkeit wäre eine Enteignung“, so Göbel. Daraufhin Höltmann: „Dann sollten wir das tun!“

Man müsse sich nach so langer Zeit der erfolglosen Gespräche einfach mal etwas trauen. Auch wenn die Sache vor Gericht scheitern sollte. Einen Enteignungsantrag könne man doch zumindest mal stellen. Höltmann war mit dieser Ansicht keineswegs auf verlorenem Posten. Raimund Hölscher (CDU) sprang ihm zur Seite. Es ginge ja nicht nur um dieses Haus. „Was ist zum Beispiel mit dem Gebäude, wo ehemals Salamander drin war? Da lacht sich der Eigentümer schon seit 10 Jahren kaputt. Da müssen wir mal den öffentlichen Druck erhöhen.“

Die Stadtverwaltung hatte zuletzt tatsächlich den Druck auf den Eigentümer des Gebäudes an der Südmauer erhöht. Zumindest in dem Maße, wie es ihr möglich war – in Form einer Erhaltungsanordnung. Und zwar mit Bezug auf den entsprechenden Paragraphen im Denkmalschutzgesetz. Da heißt es: „Die Eigentümer und sonstigen Nutzungsberechtigten haben ihre Denkmäler instand zu halten, instand zu setzen, sachgemäß zu behandeln und vor Gefährdung zu schützen, soweit ihnen das zumutbar ist.“

Diese Erhaltungsordnung sei auch erfüllt worden, wie Petra Göbel auf Anfrage unserer Redaktion am Mittwoch (2. Dezember) nochmals bestätigte. Allerdings ist der Effekt überschaubar. Er bestand nämlich lediglich darin, dass der Eigentümer die zerrissene Folie an der Außenfassade gegen eine neue austauschte, um weiteren Schaden durch Feuchtigkeit abzuwenden. Nach zweimaliger Aufforderung sei das auch geschehen, so Göbel.

Andere Möglichkeiten habe man im Zuge der Erhaltungsanordnung jedoch nicht. So könne man beispielsweise nicht vorschreiben, welche Materialien der Eigentümer zu verwenden habe, um den Schaden abzuwenden. Wernes Denkmalpflegerin schätzt die Chance auf Enteignung gering ein. Genau genommen gleich null. Man strebe so etwas aus einem ganz bestimmte Grund allerdings auch gar nicht an.

„So etwas könnte eine Gegenreaktion auslösen“, sagt Göbel. Man wolle nicht riskieren, dass nachher noch die Abrissbagger anrollen, um das Haus an der Südmauer, bei dem lediglich die Fassade unter Denkmalschutz steht, dem Erdboden gleichzumachen. „Deswegen versuchen wir immer, uns auf anderem Wege zu einigen.“

Die Politik sieht das anscheinend anders. Ein entsprechender Antrag auf Prüfung einer möglichen Enteignung soll in der kommenden Ausschusssitzung auf dem Tisch liegen.

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Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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