Gedenktafel erinnert weiter an "Reichskristallnacht"

Streit um Wortwahl

Wer heute von den Ereignissen der Nacht des 9. November 1938 in Deutschland spricht, verwendet eigentlich den Begriff Reichspogromnacht. Auf der Gedenktafel, die in Werne an die Pogrome erinnert, steht aber weiterhin der politisch weniger korrekte Begriff Reichskristallnacht. Darauf einigte sich der Kulturausschuss - trotz massiver Kritik der Grünen.

WERNE

, 17.09.2014, 12:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Museums-Chefin Heidelore Fertig-Möller zeigt den nun in Auftrag gegebenen Entwurf. Die Größe ist identisch, der Text erfuhr allerdings noch eine kleine redaktionelle Änderung: Die Klammern fallen weg.

Museums-Chefin Heidelore Fertig-Möller zeigt den nun in Auftrag gegebenen Entwurf. Die Größe ist identisch, der Text erfuhr allerdings noch eine kleine redaktionelle Änderung: Die Klammern fallen weg.

Die Grünen stießen sich daran, dass der Begriff Reichskristallnacht, wenn auch relativiert, dort auftaucht. Dieser Begriff verharmlose das furchtbare Geschehen und sei nicht mehr zeitgemäß, meinte die Grüne Barbara Börste: „Wir sind damit sehr unzufrieden.“

Jörg Weber von der CDU hielt dagegen. Reichskristallnacht sei früher die gängige Bezeichnung gewesen und, wenn auch durch Pogrom abgelöst, immer noch bei vielen präsent. „Daher sollte man beide Begriffe benutzen, so wie der Text es jetzt formuliert.“ Auch SPD und UWW stimmten dieser Auffassung zu.

Ein letzter Versuch der Grünen auf Änderung ohne beide Begriffe („...zerstört in der Nacht vom 9. November 1938.“) fand keine Zustimmung. Gegen die beiden Grünen-Stimmen beschloss der Ausschuss, die Anfertigung der Tafel mit dem besagten Text und David-Stern zu initiieren.

Museumschefin Heidelore Fertig-Möller erklärte, „die Bronzetafel müsste rechtzeitig zum nächsten Gedenktag am Sonntag, 9. November, fertig sein.“ Sie löst die Anfang der 1980er-Jahre gefertigte Gedenkplatte ab, die das Wort Reichskristallnacht noch wie selbstverständlich nutzt. Die Anbringung soll an identischer Stelle erfolgen, in der kleinen Gasse zwischen Marktplatz und Bonenstraße, an der Fassade des Pianocafés Fränzer.     

Anfang der 1980er-Jahre fand die offizielle Gedenktafel ihren Platz in der kleinen Gasse bei Fränzer. Der benutzte Begriff Reichskristallnacht stieß schon damals auf erste Kritik. In der Debatte um eine Neuausführung kam im vergangenen Jahr die Idee auf, eine Bodenplatte an der exakten Stelle des ehemaligen Standortes der Synagoge (Eingangsbereich Fränzer) einzulassen. Die Politik verwarf die Idee unter anderem mit dem Hinweis, das Gedenken würde buchstäblich mit Füßen getreten. Die alte Tafel misst 25 mal 36 Zentimeter, die neue fällt mit etwa 45 mal 60 deutlich größer aus.

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