Geldtransporter-Bande: Wachmann stand zu Unrecht unter Verdacht

mlzLandgericht Essen

Bei der Fahndung nach den Mitgliedern der Geldtransporter-Bande ist nach einer Tat in Werne auch ein völlig unbescholtener Wachmann unter Verdacht geraten. Für ihn ein Albtraum.

Werne/Essen

, 22.11.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war sechs Uhr morgens, als das Durchsuchungskommando vor der Tür stand. Kurz zuvor war in Werne ein Geldautomat der Postbank geleert worden. Die Täter hatten nicht nur den Schlüssel, sondern auch den Sicherheitscode gehabt. Der Verdacht war auf einen langjährigen Mitarbeiter eines Recklinghäuser Sicherheitsdienstes gefallen. Doch der war völlig unschuldig.

„Die ganze Straße war zugeparkt“, sagte der Zeuge am Freitag am Essener Landgericht. „Da sind bestimmt zehn Mann gekommen.“ Vor allem seiner Frau habe die Durchsuchung schwer zu schaffen gemacht.

Dass der Verdacht ausgerechnet auf ihn gefallen war, hatte einen Grund. Er gehörte zum Stördienst des Sicherheitsunternehmens und war der letzte, der Schlüssel und Code für den Geldautomaten in Werne benutzt hatte. Das war allerdings schon lange her. Drei Monate später überschlugen sich die Ereignisse.

Schlüssel und Code für Werne waren verschwunden

„Ich war damals mit einem Kollegen auf der Autobahn, als die Meldung von einer Störung in Werne kam“, sagte er den Richtern. Das war am 23. Juni 2017. „Wir sollten sofort umdrehen und uns der Sache annehmen.“

In Werne angekommen, staunten die beiden Sicherheits-Mitarbeiter jedoch nicht schlecht. In ihrer Kiste, in der sich Schlüssel für über 80 Geldautomaten befanden, fehlte ausgerechnet der für Werne. Auch der Code war verschwunden.

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„Wir bekommen die Kiste morgens vor dem Dienst überreicht und geben sie nach der Schicht wieder ab“, sagte der Zeuge den Richtern. Nachgezählt hatte er natürlich nicht. Der Verdacht der Ermittler: Er selbst habe ihn bei seiner früheren Tour entwendet und eingesteckt. Das stimmte jedoch nicht, wie inzwischen längst bekannt ist. Der Täter war einer seiner Kollegen, der nun mit auf der Anklagebank sitzt. Er hat den Schlüssel- und Codediebstahl auch schon gestanden.

Job beim Sicherheitsdienst nicht verloren

Glück für den Zeugen: Er konnte seinen Job bei der Sicherheitsfirma behalten. Inzwischen soll ein derartiger Diebstahl auch nicht mehr möglich sein: „Das System wurde geändert, heute wird alles gescannt.“ In Werne waren damals rund 250.000 Euro entwendet worden.

Den insgesamt sieben Angeklagten wird gleich eine ganze Serie von Diebstahls- und Raubtaten vorgeworfen. Der größte Coup war in Gronau. Dort hatten sich die Täter als Geldboten verkleidet und bei einem Supermarkt rund 1,8 Millionen Euro erbeutet. In Dortmund war außerdem ein Geldtransporter ausgeräumt worden – ebenfalls mit einem Originalschlüssel. Die Beute dort: rund eine halbe Million Euro. Der Prozess vor dem Essener Landgericht wird fortgesetzt.

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