Gericht zweifelt Glaubwürdigkeit an

Freispruch vom Kindesmissbrauch

WERNE Mit einem Freispruch vom schweren Vorwurf des sexuellen Kindesmissbrauchs endete für einen 35-Jährigen aus Brambauer der Strafprozess vor dem als Jugendschutzgericht tagenden Jugendschöffengericht in Lünen. Der Angeklagte soll sich am 22./23. Dezember 2001 in der damaligen Ehewohnung in Stockum zweimal an seiner damals fünfjährigen Tochter vergangen haben.

von Von Heinz Greve

, 08.10.2009, 14:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit einem Freispruch vom schweren Vorwurf des sexuellen Kindesmissbrauchs endete für den Angeklagten der Strafprozess.

Mit einem Freispruch vom schweren Vorwurf des sexuellen Kindesmissbrauchs endete für den Angeklagten der Strafprozess.

Beim Schmücken des Weihnachtsbaumes habe er seiner Tochter, nachdem er sie auf die Couch gesetzt habe, unsittlich berührt.

Kurz darauf habe er seine Tochter mit ins Ehebett genommen und neben seiner schlafenden Ehefrau nochmals missbraucht, so der staatsanwaltschaftliche Vorwurf.

Angeklagter vermutet Racheakt In der Hauptverhandlung beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Er vermutet einen Racheakt, weil es nach seiner Ehescheidung wiederholt zu Sorgerechtsstreitigkeiten gekommen sei. Die Anzeige sei auch erst sieben Jahre nach der angeblichen Tat erfolgt.

Während bei der Beweisaufnahme der das Kind vernommene Polizeibeamte dessen Aussageverhalten als ruhig und normal bezeichnete, machte die als Zeugin geladene Kindesmutter von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das geschädigte Kind wurde aus Gründen des Opferschutzes vom Gericht nicht als Zeugin gehört.Aussagen des Kindes nicht zweifelsfrei glaubwürdig

Eine als Sachverständige geladene Dipl.-Psychologin aus Dortmund hielt die polizeilichen Aussagen des Kindes nicht für zweifelsfrei glaubwürdig. Durch den langen Zeitraum zwischen angeblicher Tat und der Anzeige, sowie durch die Stresssituation zwischen den Eltern, könne das Kind viel in ihre Angaben "hineininterpretiert" haben.

Aufgrund der Gutachteraussage beantragten Staatsanwalt und Verteidiger übereinstimmend, den Angeklagten freizusprechen. Die Taten seien dem Angeklagten nicht mit einer zur Verurteilung ausreichenden Sicherheit nachzuweisen. Seitens der Nebenkläger-Vertreterin, das Kind war vom Gericht als Nebenkläger zugelassen worden, wurde die lange Verfahrensdauer gerügt.

Diesen Vorwurf wies der Gerichtsvorsitzende, Richter H. Bußmann, jedoch zurück. Die lange Verfahrensdauer sei insbesondere darauf zurückzuführen, weil die Strafanzeige erst sieben Jahre nach der angeblichen Tat erstattet worden sei.

Lesen Sie jetzt