Gersteinwerk: 60 Hektar sind nun in Verantwortung der Freiwilligen Feuerwehr

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Die Werksfeuerwehr des RWE-Gersteinwerks hat ihren Betrieb eingestellt und ihre Aufgaben an die Freiwillige Feuerwehr Werne übergeben. Damit kommen rund 60 Hektar Gelände in deren Verantwortungsbereich.

Werne

, 25.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor Guido Ernst, dem ehemaligen Leiter der Werksfeuerwerk des RWE-Gersteinwerkes in Stockum, liegt am Montag (24. August) ein überdimensional großer Holzschlüssel auf dem Tisch. Es ist die XXL-Nachbildung eines Spezialschlüssels für nicht-automatische Brandmelder, mit dessen Hilfe man diese nach dem Auslösen wieder zurücksetzen kann. Denn das wird ab sofort die Freiwillige Feuerwehr Werne auf dem Betriebsgelände machen.

„Es fühlt sich unwirklich an“, sagt Guido Ernst, dessen Großvater und Vater bereits im Gersteinwerk gearbeitet haben. 84 Jahre war die Werksfeuerwerk auf dem rund 60 Hektar großen Gelände im Einsatz. Am 19. August hat sie ihren Betrieb eingestellt. Dieser Schritt war lange geplant, nachdem absehbar war, dass die Kohleverfeuerung in dem Werk ihr Ende findet. Im April 2019 wurde der Block K des Werkes stillgelegt. Damit reduzierte sich die Belegschaft der Mitarbeiter von 200 auf 11 - zu wenig, um eine Werksfeuerwehr aufrechtzuerhalten.

4000 Brandmelder und vier Gasblöcke bleiben

Anfang 2020 dann sollte auch die Werksfeuerwehr ihren Dienst einstellen. Weil es aber zu Verzögerungen in der Stilllegung gekommen sei, habe der Regierungspräsident darauf bestanden, die Werksfeuerwehr in Einsatzbereitschaft zu halten - bis jetzt. In der Verantwortung der Freiwilligen Feuerwehr Werne liegen ab sofort die zusätzlichen 4000 Brandmelder sowie das Kraftwerksgelände mit den vier verbleibenden Gasblöcken.

2,5 Jahre lang haben die Werksfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Werne auf diesen Schritt hingearbeitet. „Wir wollten die Betriebsblindheit ausschließen“, sagt Guido Ernst von der Werksfeuerwehr. Deshalb habe man eine externe Firma damit beauftragt, ein neues Brandschutzkonzept aufzulegen, das nach der Stilllegung alle Risikoszenarien berücksichtigt, die noch eintreten könnten.

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In diesem Rahmen wurden ganze Gebäudekomplexe stillgelegt, ein großer Kohlenlagerplatz geräumt und der Kohlehafen in der Zuständigkeit der Feuerwehr Hamm zurückgebaut - „um die Aufgabenvielfalt zu minimieren“, sagt Dr. Christoph Schlechter, Leiter des Gersteinwerks.

Das neue Konzept beinhaltet auch 200 neue Laufkarten für die Einsatzkräfte, um jeden ausgelösten Brandmelder aufzufinden, Informationstafeln sowie neue Flucht- und Rettungswege. Außerdem ist das Feuerwehr-Informationszentrum nun beim Pförtner angesiedelt und das Werk an die Leitstelle des Kreises Unna angebunden.

Am Ende seien noch rund 30 Kräfte der Werksfeuerwehr einsatzbereit gewesen. Die Freiwillige Feuerwehr wird künftig mit rund 20 Einsatzkräften bereit stehen. Laut dem Betreiber RWE habe es seit Jahresbeginn sieben Alarme im Werk gegeben. Unter der Leitung der Werksfeuerwehr hatte es in der jüngsten Vergangenheit rund 50 Alarme pro Jahr gegeben.

Freiwillige Feuerwehr sieht sich zusätzlicher Aufgabe gewachsen

Viel Herzblut sei in das Projekt geflossen und alles sei so vorbereitet worden, dass die Freiwillige Feuerwehr die zusätzliche Aufgabe Gersteinwerk leisten können wird, sagt Thomas Temmann, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Werne. Schließlich habe man auch Amazon mit seinem großen Gelände gestemmt. Auch wenn er nicht hoffe, dass die Zahl der Einsätze und Fehlalarme im Gersteinwerk Überhand nehme. Doch dafür seien dementsprechende technische Vorkehrungen getroffen worden. Im Moment schaffe es die Freiwillige Feuerwehr auch personaltechnisch. „Aber wir arbeiten ständig daran, dass es so bleibt“, so Temmann. Hier sei es vor allem der Löschzug Mitte, der den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr in Werne sichere.

Werksleiter Christoph Schlechter spricht von einem richtigen und wichtigen Schritt vor dem Hintergrund der Rekommunalisierung der Aufgabe. Und diese sei „nicht ohne“, so Schlechter. Bürgermeister Lothar Christ nannte die fast dreijährige Vorbereitungsphase dieser Übergabe „sehr strukturiert“ und dankte der Werksfeuerwehr für die gute und mit der Freiwilligen Feuerwehr oft verzahnte Arbeit.

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