Grabsteine spiegeln Persönlichkeit der Verstorbenen wider

Friedhofsbegehung

WERNE Ein Grabstein ist eine in Stein gemeißelte Erinnerung. Im Idealfall spiegelt er den Charakter des Verstorbenen und ist damit Ausdruck einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Leben des Verstorbenen.

von Von Irene Steiner

, 30.10.2009, 14:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die dreistufige Treppe nimmt Bezug auf die Dreifaltigkeit, der kleine Engel wurde von den Hinterbliebenen dort hingesetzt.

Die dreistufige Treppe nimmt Bezug auf die Dreifaltigkeit, der kleine Engel wurde von den Hinterbliebenen dort hingesetzt.

Und für die Angehörigen Trauerbewältigung. Christliche Symbole wie die Rose, das Kreuz oder ein Engel sind vertraut, doch viele moderne Grabsteine verzichten ganz auf traditionelle Zeichen.

Und greifen dennoch christliche Traditionen auf: "Wir haben hier in dieser Stele zum Beispiel eine dreistufige Treppe", wies Andreas Fabritius bei einer Friedhofsbegehung mit Lesung für den Hospizverein zum Beispiel auf ein Detail hin. Ein Verweis auf die Dreifaltigkeit.

Symbole stehen in Bezug zum Verstorbenen Andere Symbole sind ganz weltlich und in ihrem engen Bezug zu dem Verstorbenen dennoch bewegend. Da zieren sieben schwebende Blätter einen Grabstein, Symbol für die Ehefrau und die sechs Kinder, die um den Vater trauern. Er wird durch ein liegendes Blatt auf dem oberen Abschluss des Grabsteins symbolisiert.

Und so ging es weiter über den Friedhof. Hier weist eine kleine Senke auf dem Grabstein darauf hin, dass der Verstorbene ein Vogelfreund war und daher auch auf seinem Platz immer etwas Wasser für die gefiederten Freunde bereitsteht. Dort zieren Ähren als Relief den Stein eines Landwirts. Schon die Form des Grabstein ist symbolträchtig, erläuterte der Bildhauer bei dem Gang über den Gottesacker. Ein liegendes Grabdenkmal habe eine beschützende Ausstrahlung, während ein schlanker hochaufragender Stein einen Menschen symbolisieren kann, der aufrecht im öffentlichen Leben seinen Mann gestanden hat.Aussagekräftige Grabsteine

Diese ganze Symbolik komme allerdings nur zum Tragen, wenn es gelinge, im Gespräch mit dem Hinterbliebenen "ein Grabmal zu finden, das die Person ausdrückt", so Andreas Fabritius. Ein für die Angehörigen oft schmerzhafter Prozess, dem sich mancher in seiner Trauer auch entziehe.

Und der dann einen Grabstein aus einer Ausstellung wählt, der wenig aussagekräftig sei. Und manchmal auch nicht in die Umgebung passt: "Ein grellweißer Grabstein fügt sich nicht in die naturnahe Umgebung des Friedhofs ein, ein polierter schwarzer oft auch nicht", so der erfahrene Bildhauer.

Lieber ist ihm ein Stein, der sich mit den Jahren verändert, auch Vergänglichkeit symbolisiert. Ein Sandstein zum Beispiel, bei dem sich die eingearbeitete Struktur mit den Jahren verändert. Und sich an die Natur anpasst, in ihr vielleicht sogar aufgeht. Wie der Mensch, der hier begraben liegt.

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