125. Geburtstag: Heimatdichterin Antonia Schmedding-Elpers war eine Werner Sensation

mlzWerner Dichterin

Erste Lehrerin der Rektoratsschule und Heimatdichterin: Antonia Schmedding-Elpers hat viel in Werne erreicht. Am 15. Februar wäre sie 125 Jahre alt geworden – mehrere Aktionen sind geplant.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 15.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Antonia Schmedding-Elpers wurde am 15. Februar 1894 in Billerbeck geboren. Sie verlebte mit ihren Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit und Jugend auf dem Richthof mitten in Billerbeck, der noch heute im Besitz der Familie ist.

Ihre Eltern ermöglichten ihr – obwohl zu jener Zeit um die Jahrhundertwende es als Mädchen auf dem Lande nicht üblich war – ein Studium zur Lehrerin. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt sie 1918 ihre erste feste Anstellung an der damaligen Werner Rektoratsschule, der Vorläuferin der späteren Realschule.

Durchgesetzt und Respekt verschafft

Es war sicherlich für Werne eine kleine Sensation, denn bis dahin lehrten an dieser Schule, an der zu jener Zeit nur Knaben bis zur Obertertia unterrichtet wurden, ausschließlich Männer, besonders Geistliche.

Aber Antonia Elpers konnte sich durchsetzten und sich den nötigen Respekt nicht nur bei den Schülern in den beiden Fächern Englisch und Französisch, sondern auch bei den Kollegen verschaffen.

Schmedding-Elpers verließ den Schuldienst aus politischen Gründen

Es wird berichtet, dass sie sich auch von den nationalsozialistischen Lehrern an der in den 30er-Jahren umbenannten Mittelschule nicht beeinflussen ließ und beispielsweise weiterhin mit „Guten Morgen“ statt mit „Heil Hitler“ grüßte.

Aus politisch-religiösen Gründen quittierte sie 1940 selber den Schuldienst und heiratete wenig später den Mittelschullehrer Paul Schmedding. Der wurde bald darauf zum Kriegsdienst eingezogen und kurze Zeit später an die Ostfront versetzt – zur damaligen Zeit, 1941 / 42, fast ein Todesurteil. So erhielt seine junge Ehefrau auch bald darauf die Nachricht, dass ihr Mann in Russland gefallen sei.

Plattdeutsche Sprache lag ihr am Herzen

Sie kehrte allerdings auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht in den Schuldienst zurück, sondern widmete sich vor allem der Pflege der plattdeutschen Sprache – besonders das „münsterländer Platt“ lag ihr sehr am Herzen.

Sie engagierte sich sehr im Heimatverein Werne und hatte dort bald einen großen Freundeskreis – zu vielen Begebenheiten schrieb sie plattdeutsche Geschichten und Gedichte, die später in den 70er-Jahren im Buch „Nu luster es“ veröffentlicht wurden.

Schmedding-Elpers wohnte über der Buchhandlung Beckmann

Jahrzehntelang wohnte sie über der Buchhandlung Beckmann an der Magdalenenstraße nahe dem Kirchhof, an der seit den 90er-Jahren eine Gedenktafel hängt, die der Heimatverein Werne dort anbrachte.

Aber auch zu ihrem Geburtsort Billerbeck hatte sie stets eine starke Bindung und so schrieb sie im letzten Vers ihres Lobliedes auf Billerbeck: „Sin ick aolt un moss ick stiärben, leggt in Billerbeck mi wegg. In Ludgerusgrund will ick slaopen, de auk miene Ellern drägg.“ (Bin ich alt und muss ich sterben, legt in Billerbeck mich weg. In Ludgerusgrund will ich schlafen, der auch meine Eltern trägt ).

Treffpunkt in der Westfälischen Stube

Die Verfasserin dieses Artikels lernte Toni Schmedding-Elpers 1979, als sie als Museumsleiterin nach Werne kam, kennen und schätzen.

Jeden Freitagvormittag traf man sich in der Westfälischen Stube im damaligen Heimatmuseum mit Karl Pollender, Heinrich Bothe, Claus Seiffert und anderen Heimatfreunden und klönte auf Plattdeutsch, so dass es oft nicht einfach war, ihren „Tönekes“ zu folgen.

Toni Schmedding-Elpers starb am 22. Juli 1985 in Werne im Alter von 91 Jahren und wurde ihrem Wunsch gemäß in Billerbeck begraben.

Aktionen zum 125. Geburtstag

  • Gleich mehrere Aktionen sind zum 125. Geburtstag geplant.
  • Werne Marketing startet eine Postkarten-Aktion
  • Ab Freitag, 15. Januar, können sich Interessierte kostenfrei eine gestaltete Postkarte bei Bücher Beckmann und in der Tourist-Information abholen
  • Die Kolpingsfamilie lädt alle Interessierten für 19 Uhr zu einem Vortrag über Schmedding-Elpers ins Kolpinghaus ein.
  • Am Freitag, 24. Mai, findet beim Förderverein Stadtmuseum die Themenführung „Frauen in Werne“ statt
  • Dabei erinnert ein kleiner Vortrag im Museum an Toni Schmedding-Elpers und einige ihrer schönsten Gedichte werden vorgetragen.
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