„In herzlicher Mitfreude“: Toni Schmedding schrieb Gedicht zur Geburt von Anita Bergmann

mlzHeimatdichterin Toni Schmedding

Ein Stück Werner Geschichte ist zur Geburt von Anita Bergmann 1958 entstanden. Die Heimatdichterin Toni Schmedding schrieb Anitas Mutter ein Gedicht. Bergmann hält es bis heute in Ehren.

Werne

, 19.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anita Bergmann hält ein Stück Werner Geschichte in der Hand. Es ist nur wegen ihr entstanden. Die Heimatdichterin und Lehrerin Antonia Schmedding-Elpers hat der Mutter von Anita Bergmann ein Gedicht zur Geburt ihrer Tochter geschrieben. Das Datum 22. April 1958 steht oben rechts auf dem Zettel. „Zehn Tage zuvor - am 12. April 1958 - bin ich geboren“, erzählt Anita Bergmann.

Toni Schmedding habe die ganze Schwangerschaft ihrer Mutter miterlebt, sagt Bergmann. Denn Hedwig Börste, so hieß ihre Mutter, war jahrelang die Haushaltshilfe der Dichterin.

Gedicht von Toni Schmedding ist gut erhalten

Anita Bergmann blickt mit Stolz auf die Zeilen, die ihre Mutter von Toni Schmedding erhalten hat. Nachdem sie sich um den Nachlass der 2004 verstorbenen Mutter kümmerte, fand Anita Bergmann das Stück Papier. „Ich wusste, dass meine Mutter dieses Gedicht von Toni Schmedding bekomme hat. Ich war sehr überrascht, dass es das noch gibt und dass es so gut erhalten ist“, erzählt Anita Bergmann.

Die heute 60-Jährige hat das Gedicht in einem alten Fotoalbum gefunden. Sie nahm es mit nach Hause und hat es selbst gut in einen Aktenordner abgeheftet. „Es ist eine tolle Erinnerung, die man behalten möchte. Es macht mich heute noch stolz, dass meine Mutter dort arbeiten durfte“, sagt die Wernerin.

Ein Gedicht in Ehren: Auf das Gedicht von April 1958 blickt Anita Bergmann mit Enkeltochter Amelie (10).

Ein Gedicht in Ehren: Auf das Gedicht von April 1958 blickt Anita Bergmann mit Enkeltochter Amelie (10). © Andrea Wellerdiek

„Wie eine Freundin“

Mit ihrer Mutter hat sie zu Lebzeiten manchmal über ihren Job bei der Dichterin gesprochen. „Toni Schmedding war wie eine Freundin für sie. Sie hatten ein echtes Vertrauensverhältnis. Meine Mutter konnte sich die Dinge von der Seele reden“, erzählt Anita Bergmann.

Ihre Mutter habe der Dichterin gern im Haushalt geholfen. Wahrscheinlich ein- bis zweimal die Woche hat Hedwig Börste in dem fremden Haushalt gebügelt und geputzt, schätzt Bergmann.

Lieb gewonnene Ablenkung

Ihre Mutter habe ihre Arbeit auch als „Freizeit von Zuhause“ angesehen. Toni Schmedding, die 1985 gestorben ist, sei eine Vertraute gewesen und „eine ganz Liebe“, erinnert sich Anita Bergmann an die Erzählungen ihrer Mutter.

Und der ältesten Tochter habe die Dichterin zu einer Lehrstelle verholfen. Durch den Zuspruch von Schmedding habe ihre Schwester, die 21 Jahre älter ist, eine Lehrstelle bei der Druckerei Beckmann bekommen, so Bergmann.

Antonia Schmedding-Elpers (l.) mit dem Kollegium der Werner Rektoratsschule aus dem Jahr 1919. Schmedding-Elpers war die erste weibliche Lehrkraft, die Dame rechts im Bild ist die Gattin eines Lehrers.

Antonia Schmedding-Elpers (l.) mit dem Kollegium der Werner Rektoratsschule aus dem Jahr 1919. Schmedding-Elpers war die erste weibliche Lehrkraft, die Dame rechts im Bild ist die Gattin eines Lehrers. © Heidelore Fertig-Möller

Stolz und froh über die Arbeitsstelle

Schmedding, die vor knapp 60 Jahren in der Wohnung über der einstigen Druckerei und der heutigen Bücherei am Kirchplatz gewohnt hat, ließ ihre Kontakte spielen. „Meine Schwester hat dort den höchsten Stundenlohn bekommen: 36 D-Mark im Monat“, erzählt Anita Bergmann.

Wie viel ihre Mutter damals für ihre Arbeit bei Toni Schmedding bekommen hat, weiß sie nicht. „Meine Mutter hat nie über Geld gesprochen.“ Es war seinerzeit ein wichtiges Zubrot für die Familie mit fünf Kindern.

Ihre Mutter sei aber auch froh und stolz gewesen, für Toni Schmedding zu arbeiten, sagt Anita Bergmann und blickt ebenso mit Stolz auf die Zeilen, die zu ihrer Geburt entstanden sind:

„Liebe Frau Boerste,

mit den ersten Frühlingsblumen

stellte sich Anita ein!

Möge sie ihr ganzes Leben

wie die Frühlingsblüte sein:

so licht und rein,

voll Sonnenschein!

Gott in seiner Vatergüte

dieses Frühlingskind behüte,

laß es wachsen und gedeih‘n,

daß sich seine Eltern freu‘n!

In herzlicher Mitfreude

Ihre Toni Schmedding

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