Heinrich Schnettker (90) ist ein wandelndes Langern-Lexikon

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Wenn es um die Bauerschaft Langern geht, dann gibt es nur einen wirklichen Experten. Heinrich Schnettker weiß mehr als jeder andere über Langern. Der 90-Jährige sammelt seit 75 Jahren.

von Helmut Holz

Werne

, 13.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Keller des 90-Jährigen liegen Bilder und Dokumente, von denen keiner ahnt, dass es sie gibt. Heinrich Schnettker sammelt und archiviert seit mehr als 75 Jahren alles, was es in der Bauerschaft gegeben hat.

So kann er auf eine unglaubliche Vielzahl an Dokumenten, Bildern, alten Karten von Werne und Umgebung zurückgreifen, die wohlgeordnet eine ganze Wand in seinem Keller einnehmen.

Heinrich Schnettker (90) sammelt seit 75 Jahren alles, was es über Langern zu wissen gibt.

Heinrich Schnettker (90) sammelt seit 75 Jahren alles, was es über Langern zu wissen gibt. © Helmut Holz

Ein Schaden an der Heizung seines Hauses hatte Schnettker kürzlich gezwungen, seine „Schatzkiste“, den Keller, umzuräumen. Und dabei fiel ihm ein Erinnerungsstück in die Hände, das seit 70 Jahren in seinem Archiv schlummerte.

„Es war das Bild unseres ersten Treckers“, erinnert sich der rüstige Heimatkenner. Es war ein „11er Deutz“, der mit seinen 11 PS heute kaum noch eines der in der Landwirtschaft benötigten modernen Zusatzgeräte ziehen könnte.

Zufällig fand Schnettker Foto vom ersten Trecker wieder

Dieser Erntehelfer, der noch das Kennzeichen mit dem „BR“ für Britische Besatzungszone und „79“ für Werne und Umgebung trug, war der erste Schlepper überhaupt, der über Langerner Felder fuhr. Gekauft hatte ihn der damals 20-jährige Landwirt beim Werner Landmaschinen-Handel Anton Holtrup.

Heinrich Schnettker hatte mir, Helmut Holz, dem langjährigen Sportredakteur der Ruhr Nachrichten, mit seinem unfassbar reichhaltigen und akribisch geführten Archiv bei meinem Buch über die Bauerschaft, „L – wie Langern“, viele wertvolle Tipps gegeben.

Ein Bild vom Bau der Eisenbahnbrücke in Langern aus dem Jahre 1928.

Ein Bild vom Bau der Eisenbahnbrücke in Langern aus dem Jahre 1928. © Helmut Holz

Und hatte dennoch seine Karten längst nicht ausgespielt. So schlummern in den Ordnern im Keller unter anderem noch Bilder von einem Langerner Trommlerchor. Den gab es wirklich und er war vom damaligen Lehrer an der Volksschule der Bauerschaft, Clemens König, in den 30er-Jahren gegründet worden.

Ein anderes Foto der Sammlung erinnert daran, dass Langern Ende der 1920/30er-Jahre in den Plänen des Bergbaus eine große Rolle gespielt hatte. Das Foto vom Bau der Eisenbahnstrecke an der Langern-Straße aus dem Jahre 1928 zeigt, dass diese Brücke größer ist als jene über die Straße „Am Gerlingsbach“.

Schachtanlage war mal in Langern geplant

Schnettker weiß, warum das so war: „Diese Bahntrasse war als Verbindung zur geplanten Zeche auf drei Spuren ausgelegt. Dadurch sollte der Transport der Kohlen von der Schachtanlage besser gewährleistet werden.“

Doch nicht nur Fotos birgt die „Schatztruhe“ im Keller des fast 91-Jährigen. Ein Buch von 1716 und eine Grafikkarte aus dem Jahre 1692 gehören ebenso zum umfangreichen Privat-Archiv Schnettkers.

Heinrich Schnettkers Sammel-Leidenschaft begann als Schüler

Angeleitet von den Erzählungen seines Vaters hatte er schon als Schüler begonnen, sich für die Geschichte seiner Heimat und seiner Familie zu interessieren. Daraus ist eine Sammlung entstanden, die jeden professionellen Heimatforscher begeistern würde.

So hat Schnettker beispielsweise jedes Wegekreuz von Langern fotografiert und mit erklärenden Texten dokumentiert, Bilder von fast allen Langerner Häusern früherer Zeit befinden sich in den Ordnern im Keller.

Das Sammeln hört bei Schnettker nicht auf

Und Schnettker sammelt immer noch, wenn etwas Neues über Langern in der Zeitung steht. Als eines der letzten „Schmankerln“ der Bauerschaft hat er ein Bild von Oktober 2011 in seine Sammlung aufgenommen. Es zeigt den „Almabtrieb“, mit dem Matthias Döbbe diesen bayerischen Brauch nach Langern importiert hatte.

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