„Ich bin der Ärztin vor die Füße gefallen“: Hans-Werner Diel (72) erlitt Herzinfarkt beim Stadtlauf

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Hans-Werner Diel (72) ist topfit, als er plötzlich beim Werner Stadtlauf zusammenbricht. Nur durch glückliche Umstände überlebt der Extremsportler den Herzinfarkt. Nun sucht er seine Lebensretter.

Werne

, 17.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er ist schon den Ultramarathon über 100 Kilometer in Biel und unzählige Marathons gelaufen. Der Werner Stadtlauf sollte für Hans-Werner Diel als Vorbereitung für einen weiteren Extremlauf über 100 Kilometer sein. Doch die zehn Kilometer beim Werner Stadtlauf schafft der Waltroper gar nicht. Denn er bekommt bei Kilometer fünf einen Herzinfarkt.

Diel überlebt die Herzattacke nur, weil ihn Ersthelfer sofort versorgen. Dabei hat Hans-Werner Diel so viel Glück wie man nur haben kann. „Ich bin der Ärztin quasi vor die Füße gefallen“, erzählt der heute 72-Jährige.

Hans-Werner Diel ist voll im Training und total fit

Aber Schritt für Schritt: Hans-Werner Diel, Spitz- und Läufername Hansen, trat beim Werner Stadtlauf 2016 an. Es sollte als Vorbereitung für einen weiteren 100-Kilometer-Lauf dienen. Diel, der Extremsportler, ist an diesem Tag Mitte Juni topfit, vom Arzt durchgecheckt und voll im Training.

Kurz zuvor hat er noch an einem Halbmarathon und einem Ultralauf über sechs Stunden teilgenommen. „Statt allein einen Trainingslauf zu machen, habe ich mich spontan lieber für den Stadtlauf angemeldet“, erzählt Diel, der mal eben schnelle zehn Kilometer laufen wollte. Zum Bundesliga-Start eineinhalb Stunden später wollte er wieder Zuhause sein. Doch es kam ganz anders.

Plötzlich das Gleichgewicht verloren

Bevor der Stadtlauf um 14 Uhr beginnt, fühlt sich Diel „irgendwie unruhig und aufgewühlt“, wie er sagt. Nach dem Startschuss läuft er locker los. Es lief gut, Hansen Diel ist an diesem Tag schnell unterwegs. Bis zu Kilometer fünf an der Wienbrede.

„Plötzlich habe ich hier einen stechenden Schmerz gespürt“, sagt Diel und fasst sich an die rechte Schläfe. Er spürt, dass er das Gleichgewicht verliert und lässt sich in eine Hecke fallen. „Ich kann mich nur noch erinnern, dass ein kleiner Junge in der Nähe stand. Von da an ist alles weg“, erzählt der 72-Jährige.

„Für die Ersthelfer war es selbstverständlich, zu helfen“, sagt Dirk Böhle (l.) aus der Leichtathletikabteilung des TV Werne. Das sieht Hans-Werner Diel ein bisschen anders. Zum ersten Mal in der Geschichte des Stadtlaufes kam es zu solch einem Notfall.

„Für die Ersthelfer war es selbstverständlich, zu helfen“, sagt Dirk Böhle (l.) aus der Leichtathletikabteilung des TV Werne. Das sieht Hans-Werner Diel ein bisschen anders. Zum ersten Mal in der Geschichte des Stadtlaufes kam es zu solch einem Notfall. © Andrea Wellerdiek

Ersthelfer müssen reanimieren

Für das, was dann passiert, hat Hansen Diel nur Worte wie „Wunder“, „Gottes Glück“ und „Schutzengel“. Neben der Stelle, an der er hinfällt, findet gerade eine Gartenparty statt. Zu Gast sind ein Feuerwehrmann und eine Ärztin. „Ich bin der Ärztin vor die Füße gefallen“, sagt Hansen Diel. Die beiden leisten Erste Hilfe.

Gerade in der Nähe befindet sich auch der vom Veranstalter eingesetzte Arzt, der mit dem Fahrrad die gesamte Laufstrecke abfährt. Die Ersthelfer leisten Unglaubliches. Sie müssen den Sportler reanimieren. Zehn Minuten lang.

Nahtod-Erfahrung erlebt

„Sie haben mir das Leben gerettet. So viel Glück und so viele Schutzengel kann man auf einmal eigentlich gar nicht haben“, sagt Hans-Werner Diel und ist sichtlich gerührt. Erst im Krankenwagen kommt er wieder zu sich und realisiert langsam, was gerade passiert ist.

Später kann er über die Nahtod-Erfahrung berichten, die er in diesem Moment erlebt hat. „Ich fühlte mich wie außerhalb meines Körpers. Ich habe mich dort liegen sehen und konnte es gar nicht verstehen. Eigentlich läufst du doch, habe ich mir gedacht“, erzählt Diel heute.

Angst vor dem Laufen

Er kommt ins Krankenhaus in Lünen. Dort wird er direkt operiert. Die Ärzte setzen ihm vier Stents am Herzen. Bis heute hat Diel keine bleibenden Schäden von diesem Herzinfarkt. Und der 72-Jährige ist topfit. Sein letzter Lauf allerdings ist der Werner Stadtlauf geblieben.

Hans-Werner Diel beim Zieleinlauf des 100-Kilometer-Laufes in Biel (Schweiz). Das Bild stammt aus dem Jahr 2007.

Hans-Werner Diel beim Zieleinlauf des 100-Kilometer-Laufes in Biel (Schweiz). Das Bild stammt aus dem Jahr 2007. © Privat

„Ich möchte gerne wieder laufen. Aber ich habe Angst davor. Das habe ich noch nicht überwunden. Aber da hilft hoffentlich die Zeit“, sagt der Waltroper. Er hat noch einen Wunsch, der bislang unerfüllt blieb: Hansen Diel möchte sich bei seinen Ersthelfern, die ihm das Leben gerettet haben, bedanken.

Hansen Diel nimmt keine Medikamente

Doch die möchten gar nicht in den Fokus gerückt werden, wie Dirk Böhle vom Veranstalter TV Werne erklärt. „Für sie war das ganz selbstverständlich“, sagt der 59-Jährige. Für Hansen Diel war es das nicht. 2011 ist er bei einem Trainingslauf in Waltrop zusammengebrochen. „Da hat kein Autofahrer angehalten“, erzählt er.

Auch vor acht Jahren erlitt Hansen Diel einen Herzinfarkt, den er gut überstanden hat. Danach stellte der einstige Ultramarathon-Läufer seine Ernährung komplett um. Bis heute nimmt er kein Medikament - und das trotz einer diagnostizierten Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

Buch veröffentlicht

Heute kann Hans-Werner Diel über seine Herzattacken sprechen, „ohne, dass gleich die Tränen fließen“. Er hat sich das Erlebte auch von der Seele geschrieben, wie er sagt. Sein Buch „Jimmy Blue und der Lauf um mein Leben“ ist nun erschienen. Es kostet 9,63 Euro und ist bei Amazon erhältlich.

Hans-Werner Diel beim rund 33 Kilometer langen Syltlauf 2015.

Hans-Werner Diel beim rund 33 Kilometer langen Syltlauf 2015. © Privat

Diel wollte schon länger ein Buch schreiben. Eigentlich sollte es darin nur um seinen Kater „Jimmy Blue“ gehen, aber nach einem weiteren Schicksalsschlag erzählt er darin nun auch seine eigene Geschichte. Von dem Wunder beim Werner Stadtlauf.

Buch als Mutmacher für andere

„Ich möchte Mut machen - nicht nur für Läufer. Ich möchte zeigen, dass man nie aufgeben darf und dass es immer irgendwie eine Lösung für das Problem gibt“, sagt Hans-Werner Diel. Er selbst gibt die Hoffnung indes nicht auf, dass er sich irgendwann bei seinen Lebensrettern persönlich bedanken kann. Und dass er irgendwann wieder seine Laufschuhe schnürt.

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