Hohe Geldstrafe nach illegalem Autorennen

mlz23-jähriger Werner angeklagt

Für den Richter im Amtsgericht Kamen gab es eine Premiere: Erstmals hatte er es mit dem Tatbestand des verbotenen Kraftfahrzeugrennens zu tun. Auf der Anklagebank ein 23 Jahre alter Mann.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 06.02.2019, 15:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den Richter im Amtsgericht Kamen gab es am Mittwoch eine Premiere: Zum ersten Mal hatte er es mit dem Tatbestand des verbotenen Kraftfahrzeugrennens zu tun. Auf der Anklagebank saß ein 23 Jahre alter Mann aus Werne. Der lieferte sich nach Überzeugung des Gerichts am 2. Mai vergangenen Jahres gegen 20 Uhr auf der Nordfeldstraße in Bergkamen mit einem Kumpel ein Rennen.

Laut Vorwurf war der Mann auf der 30er Strecke mit 80 Kilometern pro Stunde unterwegs. Vor ihm besagter Kumpel. Beide gerieten durch Driftbewegungen auf die Gegenfahrbahn. Diese befuhr ein 34-Jähriger mit Frau, einjähriger Tochter und vierjährigem Sohn im Auto.

In der langgezogenen Rechtskurve Höhe Hausnummer 102 trafen die Fahrzeuge aufeinander. Während der Freund des Angeklagten gerade noch ausweichen und den 34-Jährigen umfahren konnte, brach beim Angeklagten durch eine starke Bremsung das Heck aus. Er verlor die Kontrolle und donnerte gegen einen parkenden Transporter. Der Wagen mit der Familie wurde nicht getroffen.

Zu Ausweichmanöver gezwungen

Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte zunächst einräumen, dass er zu schnell gefahren war. Allerdings nicht 80. „Ganz klar in Abrede“ stellte der Anwalt, dass sein Mandant ein Rennen gefahren war.

Er habe den Mann im Wagen vor ihm gar nicht gekannt, erklärte der Angeklagte. Weil der Vordermann gebremst hatte, habe er das auch getan. Dann sei es zum Unfall gekommen. Er habe eine Gehirnerschütterung erlitten. Die Schadenshöhe beim Transporter belief sich auf etwa 4000 Euro.

Der Fahrer des Familienautos brachte im Zeugenstand die Aussage des Angeklagten ins Wanken. Der 23-Jährige habe ihm gegenüber direkt nach dem Unfall geäußert, der andere Fahrer sei sein Freund gewesen, der ihn immer damit provoziere, wie toll sein Auto sei. Deshalb habe der 23-Jährige ihm zeigen wollen, was er mit seinem Wagen kann.

Um einen Zusammenstoß mit dem Angeklagten zu vermeiden, sei er so weit rechts wie möglich gefahren, nachdem er die beiden Autos mit quietschenden Reifen habe heranrasen gehört, berichtete der Zeuge weiter.

Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis

Ein Sachverständigengutachter rekonstruierte den Unfallhergang anhand von Fotos mit Spuren und Schadensbildern. Zudem sei er selbst vor Ort gewesen. Seinen Berechnungen zufolge sei der Angeklagte zwischen 60 und 74 Stundenkilometer schnell gewesen. Mit etwa 45 Kilometer pro Stunde sei er auf den Transporter aufgefahren.

Der Richter verurteilte den Werner, dessen Probezeit wegen einer früheren Geschwindigkeitsüberschreitung verlängert worden war, gestern zu 5400 Euro Strafe wegen Straßenverkehrsgefährdung und verbotenen Kraftfahrzeugrennens. Er glaube dem Mann nicht und sei überzeugt, dass der Werner ein Rennen gefahren war. Dies sei besonders gefährlich in einem Wohngebiet wie im vorliegendem Fall.

Jederzeit hätte jemand auf die Straße treten können. Und: Der Angeklagte habe Glück, dass der Wagen im Gegenverkehr nicht schneller unterwegs gewesen und dadurch früher auf sein Auto getroffen war. Zusätzlich zur Geldstrafe verhängte der Vorsitzende eine Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis von einem Jahr. Seit sechs Monaten muss der Angeklagte seit dem Unfall schon auf seinen Führerschein verzichten.

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