Das Essen im Hotel-Restaurant am Kloster ist nicht für ‘nen Appel und ‘n Ei zu haben. Dafür gibt‘s auch deutlich mehr als ‘nen Appel und ‘n Ei. Zum Beispiel eine himmlische Salsiccia.

Werne

, 06.09.2018, 17:03 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dienstagabend, 19.15 Uhr. Drei Tische sind besetzt im „Bistro Abtei“, so der offizielle Name des Restaurants im Hotel am Kloster. Die Bedienung nimmt mich und meine Begleitung nett in Empfang, lässt uns die Wahl des Tisches.

Routiniert und freundlich fragt sie, ob sie schon Getränkebestellungen aufnehmen darf (durfte sie). Flugs bringt sie die Speisenkarten, weist auf Tagesempfehlungen hin. Sehr professionell, sehr nett, der Gast fühlt sich wohl.

Das Essen im Hotel am Kloster

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

Der Gruß aus der Küche lieferte aufgeschlagene Butter und Auberginen-Tomaten-Dip mit Brot. © Jörg Heckenkamp

Das startet mit einem Gruß aus der Küche. Brotscheiben, aufgeschlagene Butter und Auberginen-Tomaten-Dip. Guter Start.

360-Grad-Panorama vom vorderen Teil

Meine Begleiterin, die koch-erfahrene und studierte Ernährungs- und Hauswirtschafterin, und ich wollen uns wieder eine Vorspeise teilen. Schnell einigen wir uns auf Matjes-Tatar auf Sesam-Bagel mit einem Blattsalat-Mix. Gute Wahl. Köstliches Fischtatar mit nicht zu streng schmeckenden Zwiebeln, frischer Dill und ein Salatdressing, das perfekt die Balance zwischen süß und sauer hält. Wir sind zum ersten Mal begeistert.

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

Auftakt nach Maß: Matjestatar auf Sesam-Bagel mit gemischtem Blattsalat. Die Portion reichte dicke für zwei Personen. © Jörg Heckenkamp

Aber nicht zum letzten Mal. Die beiden Hauptspeisen können den Einstieg noch übertrumpfen. Meine Mit-Esserin hat sich für die Tagesempfehlung entschieden. Eine asiatische Schüssel namens „Ramen Steak Bowl“ mit Rindersteak-Stücken, asiatischen Nudeln und Wok-Gemüse. „Ich liebe es“, sagt sie nach den ersten Bissen, die sie stilecht mit Stäbchen aus der Schüssel fischt. Der frische Koriander sei das i-Tüpfelchen auf diesem köstlichen Gericht.

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

Hauptgericht Nr. 2: die Tagesempfehlung "Ramen Steak Bowl". Ein asiatisches Gericht mit Steak-Stücken, Asia-Nudeln und Wok-Gemüse. Gut und reichlich. © Jörg Heckenkamp

Meine Wahl fiel auf die Saison-Empfehlung „Grillteller Abtei“. Der ist weit entfernt von der Fleischplatte mit massig Pommes. Sondern wartet mit drei Fleischsorten (Schweinesteak, Maishähnchen sowie der eingangs erwähnten Salsiccia-Wurst), herrlichem mediterranen Grillgemüse und Bratkartoffeln in einem Sperrholzschiffchen auf.

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

Hauptgericht Nr. 1: Grillteller Abtei mit Schweinesteak, Maishähnchen und köstlicher Salsiccia-Wurst sowie Grillgemüse. Sehr schön angerichtet. © Jörg Heckenkamp

Mein Highlight war die italienische Bratwurst Salsiccia. Sie erregte meine Aufmerksamkeit durch einen ganz besonderen Geschmack, dem ich nicht auf die Spur kam. Meine kundige Begleiterin schon. Sie kaute ein Stück durch und meinte: „Anis- oder Fenchel-Samen. Eher Fenchel.“ Und tatsächlich: Bei genauem Hinschauen waren die länglichen Samen zu erkennen.

Überhaupt die Art des Anrichtens. Alle Gerichte mundeten nicht nur, sondern waren schön präsentiert. „Schreib mal auf: ‚Das Auge wird hier auch verwöhnt‘“, diktierte mir meine Begleiterin in den Block. Und sie hat Recht.

Während ich meine Portion so eben schaffte, gab mein Gegenüber nach der Hälfte die Stäbchen ab. „Ob die mir das einpacken?“, frage sie mich zaghaft. „Warum nicht, einfach fragen.“ Und tatsächlich war es kein Problem, die halbe Asia-Portion mitzunehmen. Zwar verfügt die Küche über keine entsprechende Verpackung, stattdessen gab sie uns eine Porzellanschüssel unter Frischhaltefolie und dem dezenten Hinweis mit, ob man sie in den nächsten Tagen zurückbringen könnte. Das nenne ich Service.

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

Als Nachtisch teilten wir uns einen gefüllten Crepes mit reichlich Obst. Schön: wir bekamen die eine Portion verteilt auf zwei Tellern serviert. © Jörg Heckenkamp

Auf ähnlichem hohem Niveau spielte die Nachspeise, die wir uns wiederum teilten. Die Küche, geleitet von den beiden Köchen Stefan Lange und Patrick Berghorst, servierte sie uns geteilt auf zwei Tellern: mit einer Pfirsich-Zitronen-Creme gefüllte Crepes mit reichlich Obst und Zubehör. Details zeigen die Liebe der Köche zu ihrem Metier: Sie hatten Goldzucker über die Früchte gestreut. Wie war das noch mit dem verwöhnten Auge?

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

Liebe zum Teil. Über das Obst des Nachtisches war Gold-Zucker gestreut. © Jörg Heckenkamp

360-Grad-Panorama vom hinteren Teil

Die Getränke

Die reihen sich in das höhere Preisgefüge ein. Ein gezapftes Bier 0,25 l kostet 2,80, ebenso eine Cola 0,2l. Mein alkoholfreies Bier (0,33) schlägt mit 3,50 Euro zu Buche, der Rosé (0,2) meiner Tischnachbarin mit stolzen 9 Euro. Eine Tasse Kaffee 2,70, ein Espresso 2,40 Euro.

Die Preise

Wie bereits erwähnt, liegen sie für Werne im Spitzenbereich. Aber: Dafür gibt‘s auch Spitzen-Küche. Das Matjestatar als Vorspeise war für 9.40 Euro üppig angelegt, hätte fast als Hauptgang durchgehen können. Die qualitativ absolut überzeugenden Hauptgerichte lagen bei 16.20 Euro für die Asia-Schüssel sowie bei 21.50 Euro für meinen Grillteller. Die Nachspeise, wiederum sehr reichlich, geht mit 6.90 Euro sehr in Ordnung.

So gesehen, ist das Essen im Hotel am Kloster seinen Preis wert.

Hotel am Kloster: Guter Geschmack hat seinen Preis

So muss ein Espresso serviert werden. © Jörg Heckenkamp

Die Atmosphäre

Dem einen mögen die grauen Fliesen zu kalt wirken. Ich empfinde die Atmosphäre im „Bistro Abtei“ als zurückhaltend-angenehm. Der rote Polsterstoff setzt einen Farbakzent. Der hintere Teil ist dank der holzvertäfelten Wand etwas anheimelnder. Insgesamt eine Einrichtung, die nicht ablenkt, sondern dem wesentlichen Raum gibt: einen angenehmen Abend bei hervorragendem Essen zu genießen.

Der Service

Perfekt. Nun hatten die versierten beiden Bedienungen am Dienstagabend bei insgesamt vier besetzten Tischen (am Schluss gegen 21.30 Uhr waren wir alleine) auch nicht viel zu tun. Sie waren aufmerksam, aber nicht aufdringlich. Sie sahen leere Gläser und fragten nach Nachschub, reagierten gut auf Bemerkungen und Nachfragen. Ein kleines Highlight war die Verpackung des Essens-Restes für daheim (siehe oben).


Kinderfreundlichkeit

Es gibt eine eigene Kinderkarte mit vier Gerichten sowie dem Räuberteller (wenn der Nachwuchs bei den Eltern mitisst). Die Kinderkarte lässt sich aufklappen, dann können die Kleinen dort etwas ausmalen. Wickeltisch ist im WC-Trakt vorhanden.


Barrierefreiheit

Komplett gegeben durch ebenerdigen Eingang sowie Aufzug, etwa für Sonder-Diners im oberen Stockwerk oder die beliebten Frühstücks- und Brunch-Veranstaltungen.

Mein Fazit

Für mich zählt das Hotel am Kloster seit Jahren zur Spitzen-Gastronomie in Werne. Ähnlich gut bewerte ich nur noch Baumhove (Check folgt demnächst). Ich wäre enttäuscht gewesen, hätte sich die Küche am Test-Tag einen Lapsus erlaubt. Hat sie aber nicht. Alles war perfekt und vor allem perfekt angerichtet. Die höheren Preise (um die 20 Euro pro Hauptgericht) relativieren sich da schnell. Wer mag, kann für rund 30 Euro auch ein Drei-Gang-Menü bestellen.

Anfahrt/Parken

Das Hotel liegt zentrumsnah in Werne, verfügt über eine eigene Tiefgarage. Direkt nebenan ein großer öffentlicher Parkplatz, auf dem die ersten drei Stunden gratis sind.

Was sagt das Netz?

Es finden sich 205 Google-Rezensionen mit der Gesamtnote „Sehr gut“ (4,5 von 5 Sternen). Viele Bewertungen beziehen sich auf das Hotel, immer wieder werden aber auch das Frühstück und das Restaurant gelobt.

Restaurant-Infos

Bistro Abtei im Hotel am Kloster, Kurt-Schumacher-Straße 9, 59368 Werne.

Tel. (02389) 52 61 40,

Mo bis Sa. von 17 bis 22 Uhr (Küchenschluss), an Sonn- und Feiertagen geschlossen.

Hotel am Kloster

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Bildergalerie Restaurant-Check Hotel am Kloster

Die Küche im Hotel am Kloster gehört zu den besten in Werne. Vielleicht nimmt sie sogar den Spitzenplatz ein.
06.09.2018
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Das Hotel am Kloster mit dem offiziell "Bistro Abtei" genannten Restaurant findet sich an der Kurt-Schumacher-Straße 9 in Werne.© Jörg Heckenkamp
Chef Steffen Kroes mit einer Wein-Empfehlung.© Jörg Heckenkamp
Die Tischdekoration ist schlicht und schön.© Jörg Heckenkamp
Die rot gepolsterten Stühle setzen Farbakzente im Restaurant.© Jörg Heckenkamp
Der Gruß aus der Küche lieferte aufgeschlagene Butter und Auberginen-Tomaten-Dip mit Brot.© Jörg Heckenkamp
Die rot gepolsterten Stühle setzen Farbakzente im Restaurant.© Jörg Heckenkamp
Vom Hotelfoyer aus geht man in den Restaurant-Bereich.© Jörg Heckenkamp
Auftakt nach Maß: Matjestatar auf Sesam-Bagel mit gemischtem Blattsalat. Die Portion reichte dicke für zwei Personen.© Jörg Heckenkamp
Blick in den hinteren Teil des Restaurants mit der vertäfelten Wand.© Jörg Heckenkamp
Blick in den hinteren Bereich des Restaurants, wo es verschiedene Möglichkeiten gibt, Tische zusammenzustellen.© Jörg Heckenkamp
Hauptgericht Nr. 1: Grillteller Abtei mit Schweinesteak, Maishähnchen und köstlicher Salsiccia-Wurst sowie Grillgemüse. Sehr schön angerichtet.© Jörg Heckenkamp
Schön anzusehen ist der kleine Thekenbereich mit dem Kaffee-Automaten.© Jörg Heckenkamp
Hauptgericht Nr. 2: die Tagesempfehlung "Ramen Steak Bowl". Ein asiatisches Gericht mit Steak-Stücken, Asia-Nudeln und Wok-Gemüse. Gut und reichlich.© Jörg Heckenkamp
Blick in den hinteren Bereich des Restaurants, wo es verschiedene Möglichkeiten gibt, Tische zusammenzustellen.© Jörg Heckenkamp
Als Nachtisch teilten wir uns einen gefüllten Crepes mit reichlich Obst. Schön: wir bekamen die eine Portion verteilt auf zwei Tellern serviert.© Jörg Heckenkamp
Liebe zum Teil. Über das Obst des Nachtisches war Gold-Zuckere gestreut.© Jörg Heckenkamp
Blick in den hinteren Teil des Restaurants mit der vertäfelten Wand.© Jörg Heckenkamp
Für einen Verdauungsschluck gibt es genügend Auswahl.© Jörg Heckenkamp
So muss ein Espresso serviert werden.© Jörg Heckenkamp

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben unsere Eindrücke. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Innenaufnahmen.
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