Hunderte Werner warten auf eine Wohnung - Deshalb ist die Nachfrage so groß

mlzWohnen in Werne

Wer in Werne eine Wohnung sucht, braucht viel Geduld. Alleine beim Bauverein stehen 800 Bewerber auf der Warteliste für eine Wohnung. Doch die hohe Nachfrage hat auch ihre guten Seiten.

Werne

, 10.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es passiert schnell, dass die Wohnung nicht mehr zum eigenen Leben passt: Man erwartet Zuwachs, hat sich von seinem Partner getrennt oder hätte gerne einen größeren Garten. Doch ein neues Zuhause lässt sich in Werne gar nicht so leicht finden - besonders, wenn man dabei ein begrenztes Budget hat.

„Die Nachfrage an Wohnraum ist hoch“, sagt Nadine Ruck (39), Vorstandsmitglied des Bauvereins Werne. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich drei große Ordner mit Anfragen zu Wohnungen. 800 Bewerber finden sich darin auf einer Warteliste. Wann ihr Wunsch auf eine neue Wohnung in Erfüllung geht, ist nicht absehbar.

Diese Wohnungen werden in Werne besonders häufig gesucht

1386 Wohnungen bietet alleine der Bauverein in Werne an, der besonders günstige Wohnungen anbietet. Durchschnittlich kostet die Miete für sie 4,77 Euro pro Quadratmeter. Doch bis auf drei Stück sind alle von ihnen vermietet - zwei davon werden gerade sogar modernisiert und können gar nicht vermietet werden.

„Die Menschen suchen bei uns, weil Wohnraum woanders kaum erschwinglich ist“, sagt Ruck. Beim Bauverein sind besonders Wohnungen bis 50 Quadratmeter oder solche für Vier-Personen-Haushalte gefragt. Doch gerade von Letzterem gibt es beim Bauverein nicht so viele. Der Grund: Heutzutage wohnt man ganz anders als in den 50ern, aus denen viele Wohnungen des Bauvereins stammen.

In den 50ern lebten vier Personen auf 50 Quadratmetern

„Früher haben die Familien auf 50 Quadratmetern mit vier Personen gewohnt. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen“, sagt Ruck. Neue Grundstücke habe man zwar im Auge und würde sich bei einem passenden Angebot damit beschäftigen, doch aktuell sei nichts in Aussicht.

Das Problem: Die Kosten für die Grundstücke sind zu hoch, sodass man die Wohnungen nicht mehr zu angestrebten Preisen vermieten könne. Ein Trend, den auch der Preisspiegel der LBS bestätigt.

Lünen, Hamm, Selm und Co. lässt Werne beim Preis für Baugrundstücke zum Teil weit hinter sich. Auch bei Eigentumswohnungen und Reiheneigenheimen auf dem Gebrauchtwohnungsmarkt sieht das nicht anders aus.

„Es gibt eine Knappheit bei uns auf dem Wohnungsmarkt“, sagte Ralf Bülte, Planungsdezernent der Stadt Werne, im Sommer. Zwischen 200 und 380 Euro müssen Interessenten für einen Quadratmeter Baugrundstück in Werne bezahlen. Das sind 20 Euro mehr als beispielsweise in Hamm und Lüdinghausen. Im Vergleich mit anderen Städten wird der Unterschied noch größer.

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Die Ursache für die hohen Kosten liegen laut Bülte aber nicht nur am rar gesäten Angebot - sondern auch an den Vorzügen, die Werne gegenüber anderen Städten biete. „Werne ist ein attraktiver Standort“, so Bülte.

Wer in Werne eine Wohnung bekommt, profitiere von den dezentralen Strukturen. Bedeutet: die Nähe zu Kindergärten, Supermärkten und anderen wichtigen Einrichtungen sei stets gegeben.

So reagiert der Bauverein auf die vielen Nachfragen

Doch auch ohne neue Flächen versucht der Bauverein, den Interessenten schnellstmöglich Wohnungen anzubieten. Um das zu ermöglichen, denken die Verantwortlichen über neue Möglichkeiten nach.

„Wir haben viele Wohnungen mit sehr großen Gartenflächen“, sagt Ruck. Die könnte der Bauverein zukünftig verdichten, um neue Wohneinheiten zu errichten. So hat man es in den vergangenen Jahren bereits an der Stettiner und der Stockumer Straße gemacht. „Und das kam gut an“, so Ruck.

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Etwa alle fünf Jahre käme laut Ruck ein Neubau mit sechs bis zehn Wohneinheiten hinzu beim Bauverein. Doch auch ohne diese werden jährlich etwa acht bis zehn Prozent der Wohnungen frei.

„Kommt Zeit, komm Rat, so ist das auch mit den Wohnungen“, sagt Ruck. Etwas Zeit müssen Wohnungssuchende in Werne also mitbringen, doch verzweifeln müssen sie nicht.

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