Im Baaken: „Wir müssen alles tun, um das Neubaugebiet zu verhindern“

mlzWohnungsbau in Werne

Die Anwohner des künftigen Neubaugebiets Im Baaken sind sauer. Sie fühlen sich von den Plänen der Stadtverwaltung übergangen. Und wollen alles tun, um das Neubaugebiet zu verhindern.

Werne

, 17.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anwohner der Straßen Im Baaken, der Kaufmannstraße und angrenzenden Straßen fühlen sich von der Stadtverwaltung Werne mit Blick auf den anstehenden Bau des neuen Wohnbaugebietes „Im Baaken“ mit 75 Wohneinheiten übergangen. Und fürchten um die Lebensqualität in ihren Straßen. Deshalb haben sich am Mittwochabend mehr als 30 Anwohner unter lautem Trillerpfeifenlärm auf dem Marktplatz in Werne zu einer Kundgebung versammelt.

Die Anwohner machen sich vor allem um drei Dinge Sorgen: zwei Fassaden von 77 und 63 Metern Länge zur Bellingheide, mehr Verkehr und die Regenwassersituation.

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An der Bellingheide soll eine Garage entstehen - 77 Meter soll die Fassade nach Angaben der Organisatoren lang werden. Hinzu kommen 63 Meter Hausfassade. „Wir werden Wohnungen haben, wo es lebenswert ist, hinter einer Mauer zu wohnen“, sagt einer der Kundgeber. Denn der Höhenunterschied zwischen Bellingheide und Baaken betrage sieben Meter. Vor drei Jahren sei den Anwohnern weisgemacht worden, dass dort nichts geplant sei. „Das kam uns vor wie eine Lärmschutzmauer.“ Im vergangenen Jahr dann habe man das Mischgewerbe in ein Baugebiet geändert.

Auch der künftige Verkehr besorgt die Anwohner: „Wenn da mehr Verkehr durchgeführt wird, wird die Straße mehr belastet. Die Verkehrssituation ist heute schon kaum zumutbar für uns.“ Vor allem der Baaken sei nach Umsetzung der jetzigen Pläne stark vom Verkehr betroffen. Denn südlich liegen drei Schulen und vier Kindergärten, nördlich das Amazon-Gelände samt Gewerbegebiet plus das neue Baugebiet Im Baaken. „Da geht der Verkehr hin und her. Wie solle es da möglich sein, kleine Kinder alleine in die Schule gehen zu lassen?“, fragt einer der Mitorganisatoren. Bisher gebe es noch kein aktuelles Verkehrsgutachten.

Etwas mehr als 30 Personen waren am Mittwoch (16. September) auf dem Werner Marktplatz zusammengekommen, um gegen das Neubaugebiet "Im Baaken" zu protestieren.

Etwas mehr als 30 Personen waren am Mittwoch (16. September) auf dem Werner Marktplatz zusammengekommen, um gegen das Neubaugebiet "Im Baaken" zu protestieren. © Eva-Maria Spiller

Für die Straßen Baaken, Schillerstraße und Steinäcker befürchten die Anwohner eine Parkflut von Autos. Denn laut Bebauungsplan für das Neubaugebiet sei pro Wohneinheit ein Parkplatz vorgesehen. Das sei zu wenig, so die Meinung der Veranstalter. Schon bei der kleinsten Party in dem Gebiet reiche die Parkfläche nicht aus. Das Fazit eines Sprechers: „Da darf nicht gebaut werden. Familien, die da gerade ein altes Haus gekauft haben, denen haben sie noch vor wenigen Monaten gesagt: Da ist nichts geplant. Das ist im Grunde genommen Betrug.“

Anwohner Im Baaken: „Wir wollen keine weitere Versiegelung“

Das Demokratieverständnis der Stadt stinke zum Himmel. „Wenn man so etwas plant, dann muss man als allererstes die Leute fragen, die da wohnen, welche Probleme es dort gibt. Die Leute machen, was sie wollen. Wir müssen alles tun, um das Neubaugebiet zu verhindern.“ Der Alternativvorschlag: Ackerfläche oder eine Grünanlage für Kinder und Jugendliche.

Mitorganisator Werner Thiemann macht sich Sorgen um das Regenwasser. Den Anwohnern sei ein Gutachten in Aussicht gestellt worden zur Berücksichtigung von Starkregenereignissen in dem Gebiet. Das sei aber nicht gekommen. Erst vor Kurzem sei die Nachricht durchgesickert, das Gutachten sei da - und schon ein Jahr alt. „Da kann man sich als Bürger nur veräppelt vorkommen“, so die Protestler. Für sie sei es unverständlich, dass einem privaten Investor keine Vorgaben für ein Regenrückhaltebecken gemacht und die Anwohner sich bei Starkregenereignissen selber absichern müssten.

„Wir wollen keine weitere Versieglung“, erklärt ein Mitorganisator. „Vor allem nicht in einem Gewerbemischgebiet. Wir werden das auch noch weiter forcieren. Die Stadt soll nicht die Annahme haben, dass wir klein beigeben. Dafür haben wir schon zu viele Informationen zusammengetragen, dass wir wissen, wir sind in einer wirklich guten Position.“

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