Dr. Christian Ruhnau mit dem Präparat von Pfizer-Biontec. Er sagt, in den Hausarztpraxen Wernes könnte noch mehr geimpft werden. © Jörg Heckenkamp
Impfen der Hausärzte

Impfstart bei Hausärzten in Werne: „Die Versorgung mit Impfstoff ist wie Lotto-Spiel“

Seit Anfang April impfen die Hausärzte in Werne. Das Impftempo ist von Woche zu Woche unterschiedlich, abhängig von der Verfügbarkeit der Dosen. „Es ist wie Lotto“, sagt Dr. Christian Ruhnau.

In der vierten Woche sind nun die Hausarztpraxen in Werne an der Impf-Kampagne gegen Sars-Covid19 beteiligt. Das ist ein Schritt nach vorne. Doch die Versorgung mit den Impfdosen variiert von Woche zu Woche, ist teils extremen Schwankungen ausgesetzt. „Die Versorgung mit Impfstoff ist ein bisschen wie Lotto spielen“, sagt Dr. Christian Ruhnau (57), Sprecher der Werner Hausärzte.

„Wir bestellen die Dosen an Impfstoff, aber wissen nicht, wie viel und welchen wir bekommen“, kritisiert Ruhnau. Ein weiterer Kritikpunkt von ihm und etlichen Kolleginnen und Kollegen: Man müsse sich an die Priorisierung halten. Das sei aber nicht immer passend, sagt der Mediziner: „Da habe ich den gesunden 75-Jährigen, den ich offiziell impfen darf. Aber den gebrechlichen 68-Jährigen, der es nötiger hätte, darf ich nicht impfen.“

Priorisierung führt zu Ungerechtigkeiten

Noch extremer ein anderes Beispiel: Ein gesunder 28-Jähriger, der Kontaktperson für seinen Opa ist, genießt Vorrang vor dem 60-Jährigen, der gebrechlich ist, zu Hause bettlägerig ist und von seinem Arzt nicht so schnell aufgesucht werden kann. Für Ruhnau ist das „hanebüchen“.

Nächster Kritikpunkt des Ärztesprechers: der hohe bürokratische Aufwand. „Das müssen wir täglich machen und es ist viel mehr Bürokratie als bei anderen Impfungen“, bemängelt Ruhnau, der gemeinsam mit Dr. Hans Piepenbrock die Praxis an der Alten Münsterstraße in Werne betreibt.

Hohe Impfbereitschaft in Werne

Was aus seiner Sicht positiv hervorsticht, ist die hohe Impfbereitschaft der Menschen in Werne. „Wir könnten viel mehr impfen, wenn wir mehr Dosen hätten“, sagt er. Das Verteilungsprozedere sei schwierig. Dienstag würde seine Praxis bestellen. Am Freitag gebe die Apotheke dann bekannt, wie viele Dosen man erhalten kann. „Die werden dann am Montag darauf geliefert.“

Das habe zur Folge, dass eigentlich nur an drei Werktagen stark geimpft würde. Nämlich dienstags, mittwochs und donnerstags. Freitags seien die meisten Dosen schon verbraucht, neue kommen erst am Montag, sodass am ersten Tag der Woche ebenfalls nicht viel geimpft werden könne.

„Wir sind noch nicht an Kapazitätsgrenze“

Ruhnau belegt das anhand von Zahlen des Kreises Unna für den Zeitraum vom 1. bis 26. April 2021. Montags wurden in Hausarztpraxen des Kreises 6000 Dosen gespritzt, dienstags 20.000, mittwochs 37.000, donnerstags 27.000 und freitags 13.000. „Da geht noch mehr“, sagt der Werner Mediziner. „Wir bei uns in der Praxis sind noch nicht an der Kapazitätsgrenze.“ Problem aber sei der aktuelle Mangel an Impfstoffen.

Aus einer anderen Werner Hausarztpraxis ist ebenfalls eine Klage über die stark schwankende Zuteilung an Impfstoffen zu hören. „In der einen Woche hatten wir genau 7 Dosen, in der nächsten 50“, sagt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage. Allerdings würde in ihrer Praxis eine Erhöhung der Impfdosen zu Kapazitätsproblemen führen: „Zum Teil machen schon wir in der Mittagszeit durch.“

Zum Thema Vorbehalte gegen das Vakzin von Astrazeneca hat Christian Ruhnau eine klare Meinung. „Das Astra-Desaster hängt vielen noch im Ohr. Dabei gibt es kaum mehr Nebenwirkungen und Impffolgen als bei anderen Stoffen.“ Lediglich bei jüngeren Geimpften kann es häufiger zu grippeähnlichen Symptomen kommen. Zu den Vorbehalten gegen Astrazeneca meint er: „Da pushen sich die Menschen wohl in den sozialen Medien gegenseitig hoch.“

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Jörg Heckenkamp

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