„Wenn ich in einen Raum komme, sagen Frauen nicht gleich: Mein lieber Herr Gesangsverein!“

mlzInterview mit Ingo Naujoks

Ingo Naujoks spielt die Hauptrolle im Stück „Trennung frei Haus“, das am 18. Februar im Kolpingsaal in Werne steigt. Über Turbulenzen, Trennungen und Womanizer spricht er im Interview.

Werne

, 10.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Schlussmachen ist keine einfache Sache. Deshalb erledigt Eric, der die Agentur „Trennung frei Haus“ gegründet hat, das für andere Leute. Eric soll dieses Mal für Hypolite diese unangenehme Aufgabe übernehmen – und Schluss machen mit seiner einstigen Ex-Freundin. Ingo Naujoks spielt die Hauptrolle Eric in der Komödie „Trennung frei Haus“ von Tristan Petitgirard. Das Kulturbüro der Stadt Werne bringt das Theaterstück am Montag, 18. Februar, ab 20 Uhr, auf die Bühne des Kolpingsaals. Über turbulente Szenen, Womanizer und Herzensbrecher, echte Männerfreundschaft und Werne spricht Ingo Naujoks (56) im Interview.

In der Komödie „Trennung frei Haus“ geht es turbulent und unkonventionell zu. Wie zeigt sich das auf der Bühne?

Es ist eine prekäre Situation, die – wie man hier sagt – nicht leicht auszuklamüsern ist. Ich spiele Eric, der eine Agentur hat, die sich darum kümmert, für jemand anderen eine Liebesbeziehung zu beenden. Eric kommt also auf die Bühne. Er soll für einen anderen Mann Schluss machen und zwar mit der Frau, die ihn vor sieben Jahren ohne ein Wort verlassen hat. Der andere Kerl hat es sich aber doch wieder anders überlegt und will doch nicht Schluss machen. Er ist dabei, die Wohnung zu stürmen. Das Ganze muss man dann so inszenieren, dass nicht zu viel verraten wird.

War das die größte Herausforderung?

Ja, das stimmt. Es ist keine einfache Situation, die wir so ausklamüsern müssen, dass der Zuschauer es versteht und das Stück nicht an ihm vorbeigeht. Wenn er es nicht kapiert, dann kann er dem nicht folgen.

Sie spielen Eric. Was macht ihn aus?

Laut seiner Ex-Freundin ist er ein richtiger Womanizer. Er ist jemand, der nicht verlassen wird, sondern der die Partnerin verlässt. Eric weiß genau, wie man eine Frau anpackt, sie um den Finger wickeln kann und dann wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Er ist auch ein Herzensbrecher.

Finden Sie sich in der Rolle wieder?

Ich bin alles andere als ein Womanizer. Man hat sicher seine Qualitäten. Aber es braucht einen Moment, bis man diese Qualitäten überprüft hat. Wenn ich in einen Raum komme, dann sagen die Frauen nicht gleich: Mein lieber Herr Gesangsverein! Ich muss als Schauspieler also sehr in diese Rolle schlüpfen. Da braucht auch das Publikum ein bisschen Fantasie.

Sie übernehmen als Eric das unangenehme Geschäft mit dem Schlussmachen. Wie geht Eric damit um?

Es ist nicht leicht. Es entsteht ein Tauziehen zwischen den beiden Kontrahenten. Jeder hat Dreck am Stecken. Eric möchte seine Ex-Freundin nicht weiter belügen. Der andere Typ hat ihn aber bestellt und möchte zurückrudern. Es geht um die Fragen: Wer stellt sich auf welche Seite? Wer verrät was? Wer kommt am besten aus der Nummer? Dabei werden alle Register gezogen: Verrat, Lüge, Schulterschluss.

Und wie geht Ingo Naujoks mit solchen Situationen um?

Es gibt nichts Furchtbareres als ein frisch verliebtes Ehepaar, das sich in die Haare bekommt und man steht daneben. Auf welche Seite soll man sich da stellen? Das ist ein Gräuel. Ich würde in der Situation sagen: „Kommt mal wieder auf den Teppich.“ Oder wenn man merkt, dass man die Situation nicht mehr retten kann, würde ich zur Toilette gehen und dann einen polnischen Abgang machen – also einfach verschwinden.

Als Schauspieler sieht man Sie sowohl auf der Theaterbühne als auch im Fernsehen. Wo fühlen sie sich wohler?

Die Theaterarbeit ist intensiver und spontaner. Man hat einen engen Kontakt mit dem Publikum, was schön ist. Beim Theater kann man eine Figur entwickeln und einen gewissen Spannungsbogen bilden. Man kann mehr rausholen, weil man nicht wie beim Film einen ganzen Tag lang eine Szene dreht. Was mich am Film am meisten fordert, ist die Kamera. Vor der Kamera kann man nichts verstecken, nichts verschönern.

Wenn Sie mit der Komödie „Trennung frei Haus“ in Werne zu Gast sind, haben sie unter anderem auch Ihren Kollegen Sven Martinek im Gepäck. Mit ihm spielen Sie auch in der ARD-Serie „Morden im Norden“. Wie würden Sie Ihr Verhältnis beschreiben?

Sven Martinek spielt bei „Trennung frei Haus“ meinen Gegenspieler. Wir arbeiten nun seit 7 Jahren intensiv zusammen und sehen uns öfter als wir unsere eigenen Familien sehen. Und dann touren wir noch gemeinsam drei Monate lang durch Deutschland. Wir machen beide gern unseren Job und sind beide neugierig. Wir messen uns aneinander. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Wir haben eine gewisse soziale Hygiene.

Sie haben sich selbst einmal als Klassen-Clown beschrieben und als eine Person, die gern Geschichten erzählt. Deswegen sind Sie Schauspieler geworden. Irgendwie finde ich mich da auch wieder. Aber ich bin Redakteurin geworden. Wäre dieser Job auch etwas für Sie gewesen?

Da haben wir wohl einiges gemeinsam. Es geht darum, gern Geschichten abzubilden. Es hat mit Leidenschaft für einen Job zu tun. Da haben wir wohl beide Glück gehabt, dass wir diesen Job machen dürfen. Den Job als Redakteur hätte ich mir auch gut vorstellen können oder als Radio- oder Fernsehmoderator.

Sie sind aber Schauspieler geworden. Wie hat alles angefangen?

Ich habe Theatergruppen gegründet. Dafür brauchte man früher nicht viel: den Kittel von Mama, die Perücke von Omma und ein paar Jungs, die mitspielen. Immer besser wurden dann die Kollegen und die Proben. Auf dieses unglaubliche Klinkenputzen von damals hätte ich heute keine Lust mehr.

Als Bochumer Junge waren Sie sicherlich schon öfter in Werne, oder?

Ich war mit zwei Stücken – TouTou und Wunderübung – schon einmal in Werne. Werne ist nicht Berlin. Es ist in manchen Städten gar nicht so einfach, nach einer Aufführung am späten Abend noch etwas essen zu gehen. Man ist glücklich, wenn man nicht nur einen Döner auf die Hand bekommt. In Werne kann ich mich noch gut an die Tapas-Bar erinnern. Ansonsten sieht man leider nicht viel von den Städten, in denen man spielt. Dafür bleibt einfach nicht die Zeit. Und ich bin ehrlich gesagt auch nicht der Typ, der sich Gärten oder Kirchen anschaut.

Neben Ingo Naujoks sind Sven Martinek und Katharina Abt im Theaterstück zu sehen. Naujoks, der gebürtige Bochumer, lebt seit 25 Jahren mit seiner Familie in Berlin. Der 56-Jährige ist mit dem Stück „Trennung frei Haus“ zum insgesamt dritten Mal in Werne zu Gast. Restkarten für das Stück gibt es zum Preis von 16 bzw. 14 Euro im Kulturbüro der Stadt Werne, Zimmer 218 im Alten Amtsgericht, Bahnhofstraße 8, Tel.: (02389) 71560 oder -71563 sowie im Reisebüro Wagner, Markt, Tel. (02389) 5028 oder bei der Tourist-Info, Markt 19, Tel. (02389) 53 40 80.
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