Initiative Radverkehr: „Kostenloses Parken in Werne wäre das falsche Signal“

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Die FDP in Werne fordert wegen der Corona-Krise ein Abschaffung der Parkgebühren. Das stößt bei der Initiative Radverkehr auf wenig Gegenliebe. Ihr Credo: „Nicht Autos beleben Städte, sondern Menschen!“

Werne

, 25.05.2020, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich Rad- und Autofahrer nicht immer besonders gut verstehen, ist ja freilich keine neue Erkenntnis. Und dass es in der Corona-Krise Lösungen braucht, um unter anderem die Wirtschaft am Laufen zu halten, ebenso nicht. Die Stärkung des lokalen Handels hatte auch die FDP in Werne im Blick, als sie einen Antrag formulierte, der am Dienstag (26. Mai) in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung, Umwelt und Verkehr auf dem Tisch liegen wird. Darin fordern die Liberalen „eine Aussetzung der Parkraumbewirtschaftung“ für die Zeit der Corona-Krise. Heißt: kostenloses Parken in Werne.

Jetzt, wo die Geschäfte wieder öffnen dürfen, aber immer noch mit Einschränkungen und natürlich Umsatzeinbußen zu kämpfen haben, müsse es Ziel der Politik sein, den Einzelhandel noch mehr zu unterstützen. Und das könne geschehen, indem die Kunden nicht mehr für einen öffentlichen Parkplatz zahlen müssen. Mehr Zeit zum Shoppen, kein Gehetze durch die Innenstadt, mehr Einnahmen für die Händler - so die Gleichung der FDP.

Initiative fordert: Fahrradboom in Werne nutzen

Doch dieser Vorschlag gefällt nicht jedem. Die Initiative Radverkehr in Werne hat jetzt zu dem Antrag Stellung genommen. „Grundsätzlich halten wir es für richtig, sich in dieser schweren Zeit über die Unterstützung der Werner Einzelhändler Gedanken zu machen. Wir halten eine Aussetzung der Parkraumbewirtschaftung jedoch für das genau falsche Signal“, heißt es von Seiten der Initiative.

In den vergangenen Wochen hätten viele Deutsche das Fahrrad als Verkehrsmittel neu- beziehungsweise wiederentdeckt. Die Corona-Krise sorge für einen regelrechten „Fahrrad-Boom“. Die Konsequenz, die die Politik aus diesem Trend ziehen muss, ist für die Mitglieder der Initiative Radverkehr klar: „Es sollte ein Ziel der Stadt Werne sein, diese neue Begeisterung nach Kräften zu fördern, damit mehr Menschen bei ihren täglichen Wegen das Auto stehen lassen und sich stattdessen fürs Fahrrad entscheiden.“

Dieses Ziel widerspreche auch keineswegs einer Förderung des Werner Einzelhandels - eher sei das Gegenteil der Fall. Um das zu belegen, verweist die Initiative auf eine vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadt geförderte Studie aus dem Jahr 2011. Demnach geben Radfahrer pro Einkauf in der Innenstadt zwar weniger Geld aus als Pkw-Nutzer. Allerdings bringen sie über einen längeren Zeitraum betrachtet sogar mehr Umsatz als die motorisierte Kundschaft, weil die Radfahrer öfter wiederkommen.

Zudem habe Werne bereits eine „äußerst lockere Parkraumpolitik“, bei der in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt auf 432 Stellplätzen für 3 Stunden kostenlos geparkt werden könne. Auf Seiten der Initiative ist man der Meinung, dass die derzeitige Werner Parkraumbewirtschaftung „niemanden von der Anfahrt mit dem Auto abhält.“

Mobilitätskonzept soll Werne für Autofahrer unattraktiver machen

Und weil zudem das von der Stadt angestrebte Mobilitätskonzept eher darauf abziele, die Attraktivität der Innenstadt für den Autoverkehr zu senken statt zu erhöhen, sei eine weitere Lockerung der Parkraumpolitik ein völlig falsches Signal. Vielmehr müsse man den aktuellen Fahrradboom nutzen, um die Menschen langfristig für das Rad zu begeistern.

„In der Vergangenheit hat die IR bereits die zum Teil fehlenden und zum Teil mangelhaften Fahrradstellplätze in der Innenstadt kritisiert. Hier gäbe es einfache und preiswerte Möglichkeiten, den Radverkehr und damit auch den Einzelhandel in Werne nachhaltig zu fördern“, so die Initiative weiter. Denn letzten Endes gelte der Grundsatz: „Nicht Autos beleben Städte, sondern Menschen!“

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