Jürgen Zielonka: "Eine Fußballabteilung reicht"

Stadtsportverbandsvorsitzender im Interview

Wenn es nach Jürgen Zielonka ginge, käme Werne mit einer einzigen Fußballmannschaft aus. Außerdem spricht er sich nicht nur für eine neue Großraum-Sporthalle, sondern gleich eine Mehrzweckhalle aus. Wir haben mit ihm gesprochen und im Videointerview ein paar spontane Antworten aus Zielonka herausgekitzelt.

WERNE

, 28.07.2015, 05:31 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jürgen Zielonka: "Eine Fußballabteilung reicht"

Wernes Stadtsportverbands-Vorsitzender Jürgen Zielonka im Sommerinterview. Foto: Schulzke

Hallo, Herr Zielonka, wie groß sind Ihre Sorgen angesichts der Kostenexplosion und den Umplanungen beim Solebad?

Jürgen Zielonka: Wir machen uns große Sorgen, weil rund 1000 Wassersportler das Bad intensiv nutzen.

Haben Sie Angst, dass Belange des Sportes auf der Strecke bleiben? Eigentlich nicht. Ich hoffe, dass Vereins- und Schulsport verabredungsgemäß in der Halle und beim 50-Meter-Außenbecken auch künftig möglich sind. Da stehen Politik und Verwaltung im Wort.

Der Neubau wird sich vermutlich über die geplanten zwei Jahre hinaus ziehen. Gibt es Befürchtungen, dass die Zeit ohne Wassersportmöglichkeiten sich verlängert? Diese Befürchtungen müssen wir haben. Bis jetzt kennen wir die Entwicklung nicht. Wir sind gespannt auf die neuen Pläne, die im September wohl vorgestellt werden sollen.

Haben Sie Erkenntnisse, dass Mitglieder wegen der ungeklärten Situation abwandern oder neue erst gar nicht kommen? Glaube ich nicht, Vereins- und Schulsport gehen ja weiter. Es gibt die Aussage, dass die Schwimmhalle gegen Ende der Bauarbeiten vier bis sechs Monate nicht zur Verfügung steht. Aber möglicherweise sind die Außenbereiche dann schon so weit, dass wir dahin ausweichen können. Das muss man abwarten. Aber vieles, was der Sport gefordert hat, ist realisiert.

Was hätten Sie noch gerne in Ihrem Pflichtenheft? Also, auf die sechste Bahn in der Halle mussten wir verzichten. Aber andere Forderungen wie Wassertiefe, Sprunganlage, Kursbecken – das sind alles unsere Positionen, die in die Pläne eingegangen sind. Wenn es dabei bleibt, sind wir zufrieden.

Das neue Bad bedeutet für die Vereine Einnahmeverluste, weil die Poolparty oder das Schwimmfest nicht mehr möglich sind. Könnte der SSV das kompensieren? Wir nehmen im Jahr rund 1600 Euro an Beiträgen ein, da können wir nichts ausgleichen. Aber Verwaltung und Politik haben angedeutet, dass dort etwas zu machen sein könnte.

Gibt’s da konkrete Zusagen? Nein.

Thema Sporthallen. Der SSV hat eine neue Großsporthalle gefordert. Ist die tatsächlich nötig? Wenn wir uns die Hallenbelegung anschauen, dann auf jeden Fall.

Wie ist die? Viele Hallen sind fast ausgebucht. Manche Vereine haben zwar einen kleinen Puffer. Aber wenn wir noch den Bedarf von vereinsunabhängigen Kleingruppen sowie von VHS- oder Fabi-Kursen berücksichtigen, sind die Hallen mehr als belegt. Also, eine neue Halle wäre gut und nötig.

Aber bei der jetzigen Haushaltslage nicht zu finanzieren? Trotzdem brauchen wir sie. Außerdem könnte man auch größer denken.

Und wie? Wir brauchen nicht nur Sportkapazitäten, sondern könnten auch mehr Veranstaltungsplatz brauchen. Das Kolpinghaus platzt beispielsweise bei der Sportlerehrung aus allen Nähten. Das könnte man kombinieren.

Also eine Art Mehrzweckhalle? Genau, das könnten wir uns gut vorstellen.

Kann die Stadt eigentlich noch drei Fußballvereine mit fünf Plätzen plus Kleinfeldern vertragen? Wer mich kennt, weiß, dass ich schon seit 20 Jahren für eine zentrale Fußballabteilung plädiere, getragen von den drei Vereinen. Das würde dem Fußball gut tun. Leider Gottes ist es nicht gelungen, das in alle Köpfe zu bringen.

Dürfte man dann auch einen Fußballplatz verkaufen, um aus dem Erlös eine Halle zu finanzieren? Ja, das könnte man machen, aber immer in Absprache mit den Vereinen. Die Tennenplätze am Dahl beispielsweise sind in einem katastrophalen Zustand. Einen auflösen und darauf eine Halle bauen – das wäre eine gute Sache.

Sie sind einerseits oberster Sportrepräsentant der Stadt, andererseits auch in der Politik aktiv. Kommt es da häufig zu Interessenkonflikten? Nein, gar nicht. Ich kann immer in den Spiegel schauen. Mein Engagement in der Politik dient dazu, die Interessen des Sportes zu befördern.

Kennt die Politik denn die Interessen? Wir versuchen natürlich, sie den Politikern nahe zu bringen. Wir bieten uns immer an für Gesprächsrunden. Das wird aber von den Parteien zu selten wahrgenommen.

Der demografische Wandel schlägt sich auch im Bereich Sport nieder. Viele Ältere treiben heute Sport. Sind die Sportstätten dafür ausgelegt? Es stimmt. Von den 8200 Aktiven innerhalb des Stadtsportverbandes zählt die Hälfte zu den Senioren (ab dem 27. Lebensjahr). Aber altersgerechte Turnhallen etwa gibt es nicht. Das war zu der Zeit, als die Hallen in Werne entstanden, überhaupt kein Thema.

Haben sie Sorge, dass sie zwar viele ältere, aber dafür kaum noch jüngere Sporttreibende künftig haben? Es gibt sicherlich hier und da Nachwuchsprobleme. Aber die Vereine reagieren gut darauf.

Wie? Zum Beispiel dadurch, dass sie zu den Schülern gehen. Etwa im Rahmen der Betreuung beim offenen Ganztag. Da kommen die Schüler schon früh mit Vereinen in Kontakt.

Letzte Frage: Was ist wichtiger, Breitensport oder Leistungssport? Der Breitensport, der bei uns gut aufgestellt ist, ist ein wichtiger Standortfaktor für Werne. Aber der Leistungssport kann auch eine Zugmaschine sein, sowohl für die Gewinnung von Nachwuchs als auch von Sponsoren. Da haben wir sicher Nachholbedarf.

Es gibt ja Talente wie den Schwimmer Rouven Nagel oder die Leichtathletin Carolin Dihr. Die starten aber für Vereine außerhalb Wernes. Leider. Weil wir ihnen keine angemessenen Bedingungen bieten können.

 

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