André Hackel (28) leidet an einer Muskeldystrophie und wird rund um die Uhr durch einen Luftröhrenschnitt künstlich beatmet. © Hackel
Junger Risikopatient

Jung, schwerkrank und ohne Impftermin: „Wenn er Corona kriegt, ist er tot“

André Hackel (28) aus Werne hat ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf. Mehrere Ärzte bestätigen das. Trotzdem ist kein Impftermin in Aussicht. Seine Eltern sind verzweifelt.

Die Impfungen gegen das Coronavirus haben nicht nur in Werne begonnen. In Pflegeheimen und Krankenhäusern wurden die ersten Impfdosen verabreicht. Die Gruppen mit dem höchsten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sollen primär geimpft werden. Das sind vor allem ältere Menschen.

Aber was ist mit Hochrisikopatienten, die jung sind? Der Werner André Hackel (28) leidet an einer seltenen Muskeldystrophie und muss rund um die Uhr beatmet werden. Er wird von seinen Eltern und bis zu zehn Pflegekräften 24 Stunden am Tag gepflegt. Ein Impftermin steht dennoch nicht in Aussicht.

Familie fühlt sich vergessen

„Wir fühlen uns vergessen und vernachlässigt. Er gehört zu keiner Gruppe, die jetzt primär geimpft wird. Es kann doch nicht sein, dass die pflegebedürftigen Erwachsenen und Kinder vergessen werden. Davon haben wir 3,2 Millionen im Land“, sagt sein Vater Norbert Hackel.

Dabei wurde André Hackel von mehreren Ärzten bestätigt, dass er ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf nach einer Corona-Infektion hat. „Der Patient leidet an einer progressiven Muskeldystrophie. Er wird über 24 Stunden am Tag maschinell beatmet und hat eine 24-Stunden-Pflegeversorgung. Eine Covid-19-Infektion wäre für ihn fatal. Daher gehört er – trotz des relativ jungen Alters – in die höchste Risikokategorie und sollte so rasch wie möglich die Covid-19-Impfung erhalten“, heißt es in einem ärztlichen Attest, das unserer Redaktion vorliegt.

In einem Schreiben eines anderen Arztes heißt es: „Aufgrund der bestehenden Schwäche der Atemmuskulatur ist die neuromuskuläre Grunderkrankung im Fall einer Infektion mit COVID19 mit einem erhöhtem Risiko für einen komplizierten Krankheitsverlauf verbunden.“

Niemand fühlt sich zuständig

„Wie lange müssen wir noch warten“, fragt sich sein Vater. Dabei hat die Familie es schon beim Landrat, beim Impfzentrum und selbst beim Büro von Ministerpräsident Armin Laschet versucht, um Klarheit darüber zu kriegen, wann ihr Sohn geimpft werden kann. „Überall wird gesagt, rufen sie bei einer anderen Stelle an. Wir sind damit beschäftigt, überhaupt bei irgendeiner Nummer durchzukommen. Und dann heißt es, sie sind falsch, rufen sie woanders an“, erklärt Norbert Hackel empört. Ein Impftermin steht nicht in Aussicht.

Die Familie hat Angst, dass ihr Sohn sich ansteckt. „Wir leben isoliert. Ich gehe nur noch zum Arzt und einkaufen. Wir gehen nicht mehr raus. Wenn er Corona kriegt, ist er tot“, sagt sein Vater. Auch André selbst habe unglaubliche Angst vor einer Corona-Infektion. Seine Eltern verzweifeln derweil dabei, irgendeine Auskunft von einer offiziellen Stelle zu kriegen. „Keiner versteht uns. Wenn wir warten würden, würden die uns vergessen“, blickt sein Vater sorgenvoll in die Zukunft.

Arzt bemüht sich um Impfung

Wegen seiner seltenen Krankheit kann André Hackel nur seinen Kopf bewegen. Mobil ist er trotzdem, dafür sorgt ein Rollstuhl. „Wir haben ein behindertengerechtes Auto mit Rampe. Wir können ins Impfzentrum kommen. Es ist alles machbar. Bloß er wird nie Bescheid kriegen, wenn wir nicht darauf aufmerksam machen”, stellt Norbert Hackel fest.

Sein Arzt bemühe sich ebenfalls um eine Impfung. Dafür habe er bereits einen Antrag gestellt. Aber auch hier gebe es noch keine Antwort von offizieller Stelle. Deshalb ist es Norbert Hackel ein Anliegen, auf Menschen wie André aufmerksam zu machen. Und so hoffentlich bald eine Auskunft zu kriegen, wann ihr schwerkranker Sohn gegen die potenziell tödliche Erkrankung geimpft werden kann.

Über den Autor

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt