Die Kreispolizeibehörde Unna ist nicht so gut ausgestattet, wie manch einer es sich wünscht - vor allem personell nicht. © Jörg Heckenkamp
Landratswahl 2020

Kandidaten sehen Defizite bei der Polizei – und das wird sich auch nicht ändern

Das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung ist bisweilen auf dem gleichen Niveau wie die Personalstärke der Kreispolizei: niedrig. Darüber sprachen die Landratskandidaten in unseren Rede-Duellen.

Als Landrat wären die Kandidaten Andreas Dahlke (Wählergemeinschaft GFL), Herbert Goldmann (Grüne), Mario Löhr (SPD) und Marco Morten Pufke (CDU) zugleich Chef der Kreispolizeibehörde. Die Rufe nach mehr Einsatzkräften wurden in der jüngeren Vergangenheit immer lauter. Und auch das subjektive Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung ist keineswegs durch die Bank weg prickelnd. Ob und wie man diese Probleme in den Griff bekommen kann, haben die Landratskandidaten bei den „Duellen“ in unserer Diskussionsrunde erklärt.

Dahlke spricht dabei direkt Klartext: „Wir haben in vielen Stadtteilen ganz brisante Brennpunkte. Und das Ordnungsamt kann das selbst schon gar nicht mehr stemmen.“ Mit Blick auf die aktuelle Zahl der verfügbaren Einsatzkräfte bei der Polizei sei es teils nur schwer möglich, Recht und Ordnung durchzusetzen. „Aber da werden wir noch eine Weile mit leben müssen.“

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Landratskandidaten über Polizei und Sicherheit

Der Grund ist für ihn klar: Der Personalmangel sei ein Problem, das seit „Jahrzehnten“ nicht angegangen wurde. Nun gebe es eben ein „Vakuum“. Und natürlich müsse man jetzt alles daran setzen, mehr Beamte auszubilden. Wobei man allerdings keine Versprechungen machen könne, dass die Rechnung am Ende auch tatsächlich aufgeht.

Am optimistischsten scheint in diesem Punkt noch CDU-Mann Pufke zu sein. Es sei schließlich die Aufgabe des Landrates, in Düsseldorf vorzusprechen und sich dafür einzusetzen. Pufke fühle sich – wie alle anderen Kandidaten auch – grundsätzlich sicher im Kreis Unna: „Aber in den Abend- und Nachtstunden würde ich mir mehr Polizei wünschen.“

„Wünschen kann man sich viel. Aber Sie kennen sicher auch die Zahlen.“

MARIO LÖHR (SPD)

Die Reaktion von Löhr: „Wünschen kann man sich viel. Aber Sie kennen sicher auch die Zahlen. Ich bin erst einmal froh über den Bestand, den wir haben. Natürlich wünscht sich jede Kommune, 24 Stunden die Polizei vor Ort. Aber das können wir nicht garantieren – auch nicht in den nächsten Jahren.“

Für Goldmann ist die Polizei allerdings nicht nur zahlenmäßig ausbaufähig. Der Grüne hat den Image-Aspekt der Beamten im Blick, wenn er sagt: „Die Öffentlichkeit bekommt es ja mit, wenn es wie in den vergangenen Monaten immer mehr massive, teils körperliche Übergriffe gegenüber Polizeibeamten, Rettungskräften und Funktionsträgern in der Politik gibt. Da ist es dann schwierig, den Leuten ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.“

Auch deswegen fordert Dahlke, man müsse „den Respekt in der Bevölkerung gegenüber Polizeibeamten wieder stärken – etwa mit Medienkampagnen, damit Polizei wieder gut dasteht.“ Für Löhr spielt auch die „Hetze von der rechten Seite“, in diesen Punkt hinein: „Da wird dann Stimmung gemacht. Das muss man verhindern. Da muss man aufstehen und deutlich machen: So etwas wollen wir hier im Kreis Unna nicht haben.“

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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