In verschiedenen Duellen mussten die vier Landratskandidaten für den Kreis Unna zu Themen wie Wirtschaft, Umwelt oder Innere Sicherheit Stellung nehmen. © Jörg Heckenkamp
Wahlen 2020

Kandidaten sehen Krankenhäuser im Kreis gut aufgestellt – doch Notfallplan fehlte

Die Corona-Krise hat das Gesundheitssystem auf eine harte Probe gestellt. Wie gut ist der Kreis Unna damit umgegangen? Was muss sich ändern? Darüber sprachen die Landratskandidaten in unserer Debatte.

Ein gutes „Krisenmanagement“ ist in Zeiten von Corona in vielen Bereichen gefragt: zum Beispiel in der Wirtschaft und im Schulbetrieb – aber natürlich auch und vor allem im Gesundheitswesen. Wie gut haben Gesundheitsamt und Krankenhäuser im Kreis Unna die Krise bislang bewältigt? Welche Defizite hat Corona aufgezeigt? Und welche Schlüsse muss man daraus nun für die Zukunft ziehen?

Darüber haben Teilnehmer des Rededuells „Werne vor der Wahl“ diskutiert. In ihren Analysen stimmen die Landratskandidaten Mario Löhr (SPD), Marco Morten Pufke (CDU), Andreas Dahlke (GFL) und Herbert Goldmann (Grüne) in vielen Punkten überein – aber eben nicht in allen.

Video

Landratskandidaten über das Gesundheitssystem

Zunächst mal zum Gesundheitsamt. Dem attestiert Mario Löhr einen herausragenden Einsatz: „Was die Mitarbeiter dort geleistet haben, das war hervorragend. Und hier hat auch die kommunale Verwaltung gezeigt, dass sie funktioniert. Kreis und Städte haben gut zusammengearbeitet“, so der SPD-Kandidat.

Dass Corona gezeigt hat, wo es in der Versorgung noch hapert, bringt dann Dahlke auf den Punkt: „Corona ist eine Ausnahmesituation. Wir hatten keine Zeit zum Üben, sondern mussten direkt reagieren. Mir hat dennoch der Notfallplan absolut gefehlt. Man muss für solche Situation personell und technisch etwas vorhalten. Beatmungsgeräte und Betten haben gefehlt.“ Und dass man dann auf Kreisebene mit Blick auf Corona-Teststation diskutiere, wer diese bezahlen solle, sei völlig unverständlich. „Die Kommunen werden hängen gelassen. Das kann nicht sein“, so Dahlke.

Grüne enttäuscht von kassenärztlicher Vereinigung

Goldmann betont in seinem Statement noch einen weiteren kritischen Aspekt: Während Gesundheitsamt, Rettungsdienst und Ordnungsbehörden einen guten Job gemacht hätten, sei er von der originär zuständigen Einheit der kassenärztlichen Vereinigung, die diese Aufgabe zum Beginn eigentlich hätte schultern müssen, nicht sonderlich begeistert. „Sie haben sich aus der Diskussion mehrere Wochen herausgehalten“, so der Grünen-Politiker.

Dass die Kreisverwaltung zur Bewältigung der Krise zeitweise Personal aus anderen Abteilungen ins Gesundheitsamt beordert habe – etwa Fachleute aus dem Veterinärwesen – ist aus Pufkes Sicht „in solchen Extremsituationen sicherlich das richtige Mittel. Auf längere Sicht muss man aber natürlich schauen, wie gut das Gesundheitsamt tatsächlich personell aufgestellt ist.“

Wie schon bei den Themen Wirtschaft und Digitalisierung verweist der CDU-Mann auch in diesem Punkt auf die finanzielle Unterstützung von Bund und Land: „Da gab es Signale aus Berlin und Düsseldorf. Und wer die Musik bestellt, der muss sie auch zahlen.“

Kostspielig dürfte natürlich auch weitere Ausstattung von Krankenhäusern werden. Zudem sieht die ärztliche Versorgung im Kreis alles andere als rosig aus. Pufke hierzu: „Wir haben im Kreis Unna hervorragende Krankenhäuser und insgesamt in den größeren Städten auch eine gute fachärztliche und hausärztliche Versorgung. Aber in den ländlichen Bereichen gibt es eine massive Unterversorgung, was die Hausärzte betrifft.“

Medizinstipendien gegen den Ärztemangel

Eine Ansicht, die Löhr nicht ganz teilt. Die Ausstattung der Krankenhäuser sei in der Tat gut. Aber: „Die ärztliche Versorgung ist im Kreis Unna aktuell noch sichergestellt. Wir wissen allerdings, dass wir in 10 Jahren eine deutliche Unterversorgung haben werden.“ Um dem entgegenzuwirken, hatte der Kreistag zuletzt besondere Medizinstipendien beschlossen. Und das sei auch der richtige Weg. Da waren sich die Landratskandidaten von CDU und SPD dann doch wieder einig.

Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
Zur Autorenseite
Felix Püschner

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt