Kassenbon-Pflicht zwingt Konditor zu Investitionen, die auch Kunde spüren wird

mlzWirtschaft in Werne

Seit Januar gilt die Kassenbon-Pflicht. Für Betriebe wie die Konditorei Telgmann in Werne bedeutet das hohe Investitionen - etwa weil es neue Kassen geben muss. Das bekommt der Kunde zu spüren.

Werne

, 28.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Kassenbon-Pflicht Anfang 2020 zum Schutz vor Steuerbetrug eingeführt wurde, sorgte das für großes Unverständnis bei vielen Kunden und Betrieben. Für jeden Warenausgang - egal ob die Portion Pommes oder ein Stück Kuchen - muss nun ein Bon ausgedruckt werden. Dabei ist es unerheblich, ob der Kunde den Beleg verlangt oder nicht.

Berge an Papier und viel Müll sind das Ergebnis etwa in den Filialen der Konditorei Telgmann in Werne. Inhaber Friedrich Telgmann muss seitdem nicht nur in deutlich mehr Kassenrollen investieren, sondern bald auch in ein komplett neues Kassensystem. Es sind zusätzliche, von der Bundesregierung verpflichtende Kosten, die auf Betriebe wie Telgmann zukommen. Das bekommt auch der Kunde zu spüren.

Produkte bei Telgmann in Werne werden teurer

„Leider kommen wir nicht darum rum, das an den Kunden weiter zu geben. Es wird so sein, dass wir einzelne Produkte 5 bis 10 Cent teurer machen müssen“, sagt Telgmann. Er erklärt, wie hoch die Investitionen sind.

Weil das Finanzamt künftig mit dem ausgedruckten Kassenbon nicht nur sehen will, was und wo für welchen Preis bei welchem Mitarbeiter gekauft wurde, sondern auch genau an welcher Kasse im Betrieb, müssen die Kassen mit einer neuen Software, mit der technischen Sicherheitseinrichtung (kurz TSE) ausgestattet werden.

Weil Telgmann aber schon über ältere Kassen verfügt, können diese nicht einfach nachgerüstet, sondern müssen durch ganz neue ausgetauscht werden. „Meine Kassen sind sieben bis acht Jahre alt. Sie funktionieren ohne Probleme“, so Telgmann. Er hätte die Technik erst in einigen Jahren erneuert. Doch nun wird er aufgrund der Gesetzesänderung zu den Investitionen gezwungen. Kostenpunkt: etwa 1000 Euro pro Kasse. Sechs Kassen insgesamt muss Telgmann in den drei Filialen erneuern.

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Noch hat er die neue Technik nicht. Eigentlich hätte er dafür nur bis zum 30. September Zeit. Doch das Land NRW hat nun die Frist bis zum 31. März 2021 verlängert. Denn: Auch die Hersteller, die plötzlich unzählige Anfragen mitten in der Corona-Krise bekommen, kommen nicht mit den Aufträgen hinterher, wie Telgmann erzählt, der bereits frühzeitig neue Kassen bestellt hat.

Weil es nur wenige Hersteller gibt, müssen die Käufer tiefer in die Tasche greifen. Das gilt auch für die Kassenrollen, die seit der Bon-Pflicht viel stärker als zuvor nachgefragt werden. Kostete eine Rolle Anfang des Jahres noch 1,50 Euro sind es nun 2 Euro pro Stück, erzählt Telgmann. Auch hierfür habe er bereits 600 bis 700 Euro in diesem Jahr ausgegeben.

Hohe Investitionen in der Corona-Krise

Es sind Kosten, die ausgerechnet in der schwierigen Zeit der Corona-Krise für weitere Belastungen der Betriebe sorgen. Telgmann verweist in diesem Zusammenhang auf die staatliche Soforthilfe des Landes NRW: „Ein Gastronomiebetrieb bekommt einmal 9000 Euro Überbrückungshilfe und muss gleichzeitig 3000 Euro davon in neue Kassen investieren. Das ist kontraproduktiv.“ Aber es gebe keine Alternative, sich der Gesetzesänderung zu beugen. „Das ist eine Must-have-Politik. Wir müssen da durch. Aber der Kunde muss es irgendwie mit bezahlen“, erklärt Friedrich Telgmann.

Kassenbon aus Marzipan, statt aus Papier: Das war Ende Januar die süße Antwort auf die Kassenbon-Pflicht.

Kassenbon aus Marzipan, statt aus Papier: Das war Ende Januar die süße Antwort auf die Kassenbon-Pflicht. © Andrea Wellerdiek (A)

Der Konditormeister aus Werne hatte sich bereits kurz nach der Einführung der Kassenbon-Pflicht darüber informiert, ob es für seinen Betrieb eine Befreiung über die sogenannte Belegerteilungspflicht geben könnte. Doch vergebens. Wie er bei dem Treffen der Konditoreninnung mit mehreren Kollegen aus ganz Deutschland nun in seinem Café in Werne feststellen musste, konnte lediglich eine Konditorin aus Dresden bereits im August 2019 eine Befreiung erreichen.

„Das ist die Einzige. Wahrscheinlich war da jemand ganz großzügig. Ansonsten lässt sich die Finanzverwaltung nicht darauf ein. Den Umweltgedanken gibt es beim Finanzamt nicht“, sagt Friedrich Telgmann verärgert.

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