Kinderpornoprozess: Werner erhält mildere Strafe

Nach Berufung

Seine Strafe konnte ein 39-Jähriger, der auf seinem Laptop kinderpornografische Inhalte gespeichert hatte, durch Berufung halbieren: Am Amtsgericht Lünen wurde er dafür zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, am Amtsgericht Dortmund nun nur noch zu einem Jahr auf Bewährung. Grund war eine Formulierung im ersten Urteil.

WERNE/DORTMUND

09.02.2016, 18:19 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Landgericht Dortmund

Das Landgericht Dortmund

Als die Polizei im Sommer 2013 das Zimmer eines heute 39-jährigen Mannes aus Werne durchsuchte, fanden sich auf dessen Laptop Tausende Fotos und Videos mit kinderpornographischem Inhalt. Am Dienstag wurde der Angeklagte vom Dortmunder Landgericht in der Berufungsinstanz zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Bislang ist der 39-Jährige im Grunde mit allem gescheitert, was er angepackt hat. Die Hauptschule hat er nach der achten Klasse verlassen. Ohne Abschluss, nur mit einem Abgangszeugnis. Einen Job hat er seitdem nie so richtig gefunden. „Anfangs habe ich mich noch bemüht, aber irgendwann hatte ich auch keine Lust mehr“, sagte er den Richtern. Gewohnt hat der Werner deshalb schon immer bei seiner Mutter. Sie lebt wie er von Hartz IV.

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Die Berufung, die der Angeklagte gegen sein erstinstanzliches Urteil des Amtsgerichts Lünen eingelegt hatte, darf damit als der wahrscheinlich erste echte Erfolg im Leben des Angeklagten bezeichnet werden. Das Amtsgericht hatte noch zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt. Zu viel, fand der Verteidiger. Und die Berufungsrichter in Dortmund stimmten am Dienstag nach rund 90-minütiger Verhandlung zu.

Fast alle Fotos und Videos zeigten "Minderjährige"

Tatsache ist, dass es sich die Amtsrichterin bei der Formulierung ihres schriftlichen Urteils etwas zu leicht gemacht hatte. Fast alle sichergestellten Fotos und Videos zeigten „Minderjährige“, heißt es in dem Dokument. Minderjährig bedeutet aber noch lange nicht, dass es sich bei den Missbrauchs-Opfern auch tatsächlich um Kinder im Sinne des Gesetzes handelte. Auch Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sind minderjährig.

Die Berufungskammer stellte folglich eine Reihe der vorgeworfenen Taten ein. Die Vorsitzende Brigitte Landwehr sparte aber nicht mit deutlichen Worten an die Adresse des Angeklagten: „Jedes einzelne Foto ist eins zu viel“, sagte sie. Der 39-Jährige muss jetzt als Auflage eine Sexualtherapie machen.

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