Wido und Jutta Wagner vom Capitol Cinema Center in Werne fiebern dem Kinostart entgegen. © Felix Püschner (Archiv)
Lockerungen

Kinobetreiber in Werne: „Wir sitzen schon auf heißen Kohlen“

Laut aktualisierter Corona-Schutzverordnung könnten die Kinos im Kreis Unna bereits ab Freitag (28. Mai) wieder öffnen. Wir haben beim Werner Kino nachgefragt, wann es hier wieder losgeht.

Liegt die 7-Tage-Inzidenz stabil unter einem Wert von 100, dürfen nach der aktualisierten Corona-Schutzverordnung auch Kinos unter Auflagen wieder öffnen. Blickt man auf die Zahlen des Kreises Unna, ist das ab Freitag (28. Mai) schon wieder möglich. Die Frage ist nur: Nutzen die Kinos diese Gelegenheit so kurzfristig?

Sicher ist: Die Werner scheinen ihr Kino – das Capitol Cinema Center an der Alten Münsterstraße – durchaus zu vermissen. Darauf deuten unter anderem die Reaktionen auf einen Facebook-Post hin, den die Kinobetreiber am Mittwoch (26. Mai) veröffentlichten. „Wir wissen zwar noch nicht genau wann, aber es geht demnächst wieder los“ steht dort geschrieben – gefolgt von dem Hinweis, dass es am Freitag (28. Mai) und Samstag (29. Mai) von 17 bis 21 Uhr wieder Popcorn und Nachos „to go“ gibt.

Werner Kinofans via Facebook: „Wir kommen, egal was läuft!“

Keine 24 Stunden später hat dieser Facebook-Beitrag mehr als 200 Likes. Manche User, die dazu einen Kommentar hinterlassen haben, freuen sich schon auf den Duft von frischem Popcorn. Andere versichern bereits jetzt mit Blick auf den Start des Kinobetriebs: „Wir kommen, egal was läuft!“

Wido Wagner liest das gerne. Der Werner Kinobetreiber wirkt fast schon überwältigt von den Reaktionen, als wir mit ihm sprechen: „Wahnsinn! Das freut uns natürlich. Wir sitzen selbst schon auf heißen Kohlen und sind richtig heiß darauf, dass es endlich wieder losgeht.“ Dann kommt das große „Aber“. Ganz so schnell wird das Werner Kino nämlich definitiv nicht wieder an den Start gehen.

Nach Absprache mit dem Verband und anderen Kinobetreibern sei man sich einig geworden, dass ein Start am 1. Juli deutlich mehr Sinn ergibt. Das gelte für einen Großteil der Branche und habe mehrere Gründe, wie Wagner erklärt: „Wir haben hier bei uns noch einige Baustellen und es muss vieles noch abgestimmt werden. Das betrifft nicht nur die Filme, die wir dann zeigen können.“

Der Ausdruck Baustelle trifft die Sache ganz gut. Denn tatsächlich stehen im Werner Kino noch Reparaturarbeiten an. Und das obwohl – oder gerade weil – lange Zeit alles stillstand. An der Heizung muss noch herumgeschraubt werden, genauso wie an der Lüftung. Dass es dort hapert, sei erst vor kurzem aufgefallen, so Wagner: „Und an Firmen und Ersatzteile zu kommen, ist gerade nicht einfach. Wir hoffen aber, dass wir bis zum 1. Juli alles geregelt bekommen.“

Das ist allerdings nicht das Einzige, was noch zu regeln ist. So benötigt man unter anderem neues Personal. Konkret: Neue Aushilfskräfte, die man natürlich einarbeiten muss. Ware muss bestellt und geliefert werden, die genauen Bedingungen, unter denen man öffnen darf (Maskenpflicht, Mindestabstand, Kontaktnachverfolgung etc.) müssen geklärt werden.

„Wir brauchen für all diese Dinge auf jeden Fall rund einen Monat Vorlaufzeit. Und wir müssen auch darauf schauen, wie sich die Inzidenz entwickelt. Nächste Woche zu öffnen und dann ein paar Tage später wieder schließen zu müssen, wäre ja auch unsinnig“, betont Wagner.

Die große Frage: Welche Filme laufen ab Juli im Kino?

Ein großes Fragezeichen steht zudem hinter dem Programm. Welche Filme können überhaupt gezeigt werden? Der Werner Kinobetreiber rechnet aktuell unter anderem mit „Fast and Furious 9“ und „Catweazle“ mit Otto Waalkes. Obwohl sich in den vergangenen Monaten einiges an Filmen „angestaut“ hat, sollten Kinobesucher nun aber nicht darauf hoffen, dass plötzlich auf einen Schlag massenhaft Blockbuster über die Leinwand flimmern.

Denn ganz so einfach ist die Sache leider nicht, wie Wagner erklärt. Grundsätzlich habe man einen bundeseinheitlichen Start für den Kinobetrieb vor allem angestrebt, damit es für die Verleihe überhaupt attraktiv ist, Filme zu starten. Einige Verleihe hätten in den vergangenen Monaten allerdings auch bereits Vereinbarungen mit Streaminganbietern getroffen.

Und Filme, die bereits auf Streamingplattformen gezeigt wurden oder dort zeitgleich mit dem Kinobetrieb starten würden, sind für die Kinos „tödlich“, wie Wagner unverblümt sagt. „Wir brauchen das Merkmal der Exklusivität. Und wir brauchen einen gewissen Auswertungszeitraum, in dem wir die Filme exklusiv im Kino zeigen können.“ Weder Kinobetreiber noch Facebook-Fans dürften etwas dagegen haben, wenn sie diesen Zeitraum ab dem 1. Juli tatsächlich eingeräumt bekommen.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner
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