Kompliziertes Werner Kita-Karussell

979 Kita-Plätze – Stadt muss umdisponieren

979 Plätze im Kindergartenjahr 2018/19: Wie und wo werden diese Plätze realisiert? Wenn alles glatt geht, hat Werne ab Sommer 2019 vier neue oder kernsanierte Kitas. Möglicherweise kommt eine weitere hinzu. Doch der Weg dorthin führt nicht einfach geradeaus.

Werne

, 27.02.2018, 18:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Barbaraschule dient bis Sommer 2019 für gleich zwei Werner Kitas als Provisorium. Doch die Stadt braucht weitere Räume.

Die Barbaraschule dient bis Sommer 2019 für gleich zwei Werner Kitas als Provisorium. Doch die Stadt braucht weitere Räume. © Vanessa Trinkwald

Bis zum 15. März muss die Stadt Werne die Kindpauschalen beantragen – also die Landeszuschüsse für jeden einzelnen Kita-Platz. Für das Kita-Jahr 2018/19 sind das 979 Plätze – 34 mehr als im laufenden Jahr. Wie und wo diese Plätze realisiert werden, und welche Lösung die Stadt für die gesperrte Kita „Unter dem Regenbogen“ anbietet, klären wir in unserem Fragen und Antworten.

34 zusätzliche Plätze – wo sollen die entstehen?

Laut Dezernent Alexander Ruhe entstehen im kommenden Kita-Jahr zweieinhalb zusätzliche Gruppen: Die Kita Horst stockt ihre halbe Gruppe im Dorfgemeinschaftshaus auf eine volle Gruppe auf. Die „Lippepiraten“ des Roten Kreuzes, derzeit in der ehemaligen Kita St. Konrad untergebracht, bekommen ebenfalls eine Gruppe dazu. Und die Kita „An der Schule“ der Jugendhilfe wächst ebenfalls um eine Gruppe.

Ist denn an allen Standorten genug Platz für die neuen Gruppen?

In Horst ist die Erweiterung dank des neuen Dorfgemeinschaftshauses kein Problem. Die Kita an der Schule erhält einen weiteren Gruppenraum in der Barbaraschule. Für die Lippepiraten favorisiert die Stadt zwei mögliche Lösungen: Entweder in einer nicht genutzten städtischen Immobilie – zum Beispiel der alten Wienbredeschule – oder aber in räumlicher Nähe zu St. Konrad.

Moment – wollte nicht die Kita „Unter dem Regenbogen“ einen Raum in der Barbaraschule haben?

Ja, und laut Alexander Ruhe hätte der evangelische Kirchenkreis als Träger diesen Raum auch bis zum Sommer haben können. Sprich: Die Auslagerung der halben Gruppe in die Kita Arche Noah wäre aus städtischer Sicht eigentlich nicht notwendig. „Lediglich über den Sommer hinaus ist es nicht möglich, dort eine weitere Gruppe der Kita ,Unter dem Regenbogen‘ unterzubringen, weil wir bereits der Jugendhilfe zugesagt haben, die Kita ,An der Schule‘ zu erweitern“, so der Dezernent.

Aber ist die Barbaraschule nicht groß genug für alle?

Vom Raum her vielleicht. „Aber die Bauaufsicht hat Bedenken, im zweiten Obergeschoss eine Kita zu betreiben“, erläutert Ruhe. Fluchtwege fehlen, ein neues Brandschutzkonzept müsste her – kurzum: „Wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Allerdings gebe das Grundstück der Barbaraschule durchaus die Möglichkeit her, zum Beispiel durch eine Containerlösung, die Kita „Unter dem Regenbogen“ bis zur Behebung des Wasserschadens dort zu konzentrieren. „Das ist letztlich die Entscheidung des Trägers“, so Ruhe, der auch zugibt: „Die Mieten bei städtischen Objekten sind natürlich günstiger als bei einem Container-Anbieter.“

Welche Pläne hat die Jugendhilfe Werne?

Die zusätzliche Gruppe kommt dem Träger gelegen, denn spätestens im Sommer 2019 will die Jugendhilfe am Christophorus-Krankenhaus eine neue Kita eröffnen. Diese Kita soll laut Alexander Ruhe drei Regelgruppen anbieten – also offen für alle Werner Kinder – sowie drei Gruppen, die als Betriebskindergarten dienen. „Hier sind die letzten Details allerdings noch nicht besprochen“, sagt der Dezernent. Denn die Stadt Werne muss zum Beispiel entscheiden, ob sie sich wie bei jeder anderen Kita auch an der Finanzierung dieser Plätze beteiligt, obwohl die meisten Kinder für diese Kita gar nicht aus der Lippestadt kommen.

Wann stechen denn die Lippepiraten in See?

Die Baugenehmigung liegt vor, im März sollen die Arbeiten beginnen, im Februar 2019 wäre das Gebäude an der Klöcknerstraße bezugsfertig. Dann könnten die bis dahin existierenden drei Gruppen einziehen, zudem ist noch Platz für eine vierte Gruppe, die der Träger bereits perspektivisch aufbaut: „Einige Eltern haben erst einen Betreuungsbedarf, wenn das Gebäude schon fertig ist“, weiß Alexander Ruhe aus Gesprächen mit dem Kita-Leiter.

Warum ist das alles so kompliziert?

Das hat mit dem Wasserschaden in der Kita „Unter dem Regenbogen“ zu tun. Denn eigentlich waren die Gruppen der evangelischen Kita in der Schule gar nicht vorgesehen – vielmehr sollte die Jugendhilfe mit drei Gruppen ins erste Obergeschoss ziehen, weitere Räume hätten als Reserve zum Beispiel für die Lippepiraten gedient.

Weil der Kirchenkreis aber akute Raumnot hatte, disponierte die Stadt um – was sie streng genommen nicht gemusst hätte, denn für die Räume ist ausschließlich der Träger zuständig. Die katholische Kirchengemeinde St. Christophorus zum Beispiel hatte nach dem Brand der gleichnamigen Kita am Becklohhof vor rund 15 Jahren aus eigener Tasche eine Containerlösung bezahlt. Alexander Ruhe stellt jedoch klar: „Wir wollen helfen und tun das auch, soweit wir es denn können.“

Wann startet der Umbau der Kita St. Marien in Horst?

Da der alte Toilettentrakt abgerissen wird, erhält die Kita Ende März einen Sanitär-Container. Nach Ostern folgt der Abriss, der Neubau des Flügels soll neun bis zwölf Monate dauern.

Zum Sommer 2019 wären also Horst und „Unter dem Regenbogen“ kernsaniert, Lippepiraten und Jugendhilfe neu fertiggestellt. Dann reicht es auch, oder?

Vielleicht. Doch Alexander Ruhe hatte immer betont, dass eine weitere Kita notwendig sein könnte. „Diesen Bedarf ermitteln wir gerade zusammen mit dem Landesjugendamt.“ Falls die Analyse verschiedener Szenarien ergeben sollte, dass es tatsächlich auf die Ausschreibung einer neuen Kita hinausläuft, soll sich der Jugendhilfeausschuss damit in seiner Sitzung am Donnerstag, 26. April, befassen.

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