Kostenfreie Menstruationsartikel sind eine Wertschätzung gegenüber einem großen Teil der Bevölkerung, findet unsere Autorin. © Natracare/Unsplash
Meinung

Kostenlose Tampons, Tassen, Binden in Werne: Einfach mal machen, könnte ja klappen!

Während die Werner Politik sich positiv zum Antrag der Linken zeigt, kostenfreie Menstruationsartikel in den Schulen auszulegen, ist die Verwaltung verhalten. Sie will erst ein Konzept. Unsere Autorin findet: Das ist Quatsch!

Die Linke in Werne wünscht sich, dass kostenlose Menstruationsartikel in den Werner Bildungseinrichtungen ausgelegt werden. Nachhaltig sollen sie dazu auch noch sein: Menstruationstassen, Stoffbinden, plastikfreie Tampons. Ich finde diesen Antrag gut. Nicht nur, weil damit auch im Lokalen endlich einmal etwas thematisiert wird, das die breite Bevölkerung gern als „Frauensache“ abtut, sondern auch, weil Menstruationsartikel verdammt teuer sein können.

Daran hat leider auch die Tatsache nichts geändert, dass die Bundesregierung die Artikel nach andauernden Protesten nicht mehr wie Luxusartikel mit 19 Prozent Mehrwertsteuer, sondern mit 7 Prozent belegt. Denn einige Hersteller haben daraufhin Anfang 2020 einfach entschieden, die Preise für ihre Produkte nicht nur zu halten, sondern sogar anzuheben. Johnson & Johnson etwa, denen das berühmte „o.b.“ gehört, hatten angegeben, dass der Grund dafür in der verbesserten Qualität ihrer Produkte liege, schrieb der Tagesspiegel damals.

Verwaltung zeigte sich überfordert mit dem Antrag

Fassen wir mal zusammen: Tampons sind Wegwerfartikel, beim Drogeriemarkt Rossmann kosten o.b.s 4,45 Euro für 64 Stück, in der Standardausführung. Auf eine gesamte Lebensdauer ist das ein ganz schön teurer Haufen aus Zellulose, Baumwolle und Kunststoff.

Die Idee der Linken, nachhaltige Produkte wie die Menstruationstasse anzubieten, ist eine gute. Denn diese bestehen aus medizinischem Silikon und haben eine Lebensdauer von bis zu 10 Jahren. Kostenfaktor: ab 9 Euro für die handelsüblichen Modelle. Stoffbinden gibt es ab circa 14,95 Euro. Plastikfreie Tampons für circa 3,30 Euro für 18 Stück.

Auch wenn die Menstruationstassen und die Binden teuer sind. Immerhin plastikfreie Tampons könnten in den Bildungseinrichtungen in Werne gut angeboten werden. Die Parteien zeigten sich durchaus offen für den Antrag der Linken. Die Verwaltung aber zeigte sich im Schul- und Sportausschuss etwas überfragt in Sachen rasche Umsetzung: „Bevor wir das machen, müssen wir noch viele Fragen klären“, erklärte Schuldezernent Alexander Ruhe.

Wer ist anspruchsberechtigt? Muss die VHS mit ins Boot? Oder nur die Schulen? Muss ein Automat her? Und nicht zuletzt: Die Stadt geht von Kosten „deutlich mehr als 100.000 Euro aus“. Puh… Mal ehrlich: Warum muss man so eine Sache so kompliziert machen? Es soll doch ein niederschwelliges Angebot sein. Und das gibt es in vielen Cafés und Restaurants übrigens schon seit Jahren: Ein Teller auf der Damentoilette mit Binden, o.b.s, und manchmal noch anderen Dingen für den Notfall.

Es braucht kein fertiges Konzept, um einfach anzufangen

Warum braucht es nach Ansicht der Stadt ein fertiges Konzept? Man könnte einfach mal anfangen und schauen, wie es läuft. Ob es läuft. Ein Tablett mit den Produkten auf einer der Toiletten der weiterführenden Schulen auslegen und fertig. Nur weil die Stadt Werne Menstruationsartikel auslegt, heißt das nicht, dass alle menstruierenden Personen in der Stadt auf einmal aufhören, sich selber Menstruationsartikel zu kaufen. Und im Zweifel sind sie eben nicht 100 Prozent nachhaltig.

Aber es würde Personen helfen, die wenig Geld haben oder die schlicht und ergreifend ihre eigenen Artikel mal vergessen haben. Nicht zuletzt wäre es eine Wertschätzung und ein Zeichen: Hey, wir lassen euch damit nicht allein! Denn die Menstruation ist ein Thema, das alle angeht. Genauso wie das Thema sexuelle Gesundheit. Auch die Fraktion der Männer, die sich durch so einen Vorstoß standardmäßig benachteiligt und „diskriminiert“ fühlt: Keine Sorge, die komplette Pharmaindustrie orientiert sich am männlichen Körper. Seine Tage zu haben, ist kein Luxus und menstruierende Personen haben es sich nicht ausgesucht, ihre Tage zu haben. Aber schön wäre es, wenn man einfach mal tauschen könnte.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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