Kohleausstieg

Kraftwerk in Heil soll stillgelegt werden

Das Steinkohle-Kraftwerk in Bergkamen soll auf Beschluss der Steag vorläufig stillgelegt werden. Der Kraftwerks-Betreiber erläutert die Gründe und das weitere Vorgehen.
Das Kraftwerk Heil wird vorläufig stillgelegt. Der Beschluss ist die Vorbereitung zur endgültigen Stilllegung. Wann sie vollzogen werden kann, ist noch nicht klar. © Stefan Milk

Die Steag hat den ersten Schritt zur endgültigen Stilllegung des Kraftwerks Heil vollzogen. Die Geschäftsführung des Essener Energieunternehmens hat am Dienstag beschlossen, das Kraftwerk in Bergkamen und das Heizkraftwerk in Völklingen-Fenne (Saarland) zur vorläufigen Stilllegung anzumelden.

Kraftwerk nach Ansicht der Steag nicht mehr wirtschaftlich

Nach Angaben von Unternehmenssprecher Daniel Mühlenfeld sind wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für die Entscheidung des Steag-Vorstandes. Die Laufzeiten reichten nicht mehr aus, um das Kraftwerk noch wirtschaftlich zu betreiben. Das Kraftwerk Heil befindet sich schon im zweiten Jahr in Folge vom Frühjahr bis zum Herbst im sogenannten „Saisonbetrieb“. Das heißt: Es liefert von April bis Ende September keinen Strom und wird nur hochgefahren, wenn es für die Netzstabilität erforderlich sein sollte.

Die Zufahrt zum Kraftwerk Heil am Westenhellweg. Es hat rund 160 Mitarbeiter, die noch bleiben, solange das Kraftwerk nur vorläufig stillgelegt ist.. © Michael Dörlemann (Archiv) © Michael Dörlemann (Archiv)

Die Steag sieht auch keine Perspektive mehr für das mittlerweile 40 Jahre alte Kraftwerk. Ein Weiterbetrieb der Anlage über das Jahr 2026 hinaus sei aufgrund der gesetzlichen Regelungen für den Ausstieg aus der Steinkohleverstromung praktisch ausgeschlossen, wird Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Steag-Geschäftsführung, in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert.

Belegschaft bleibt, bis das Kraftwerk endgültig stillgelegt ist

Was aus der rund 160-köpfigen Belegschaft des Kraftwerks wird, ist mittelfristig noch nicht klar. Die Steag hatte sich jedoch verpflichtet, den Kohleausstieg sozialverträglich zu gestalten. Arbeitnehmer sollen auf andere Stellen im Unternehmen versetzt werden oder über Vorruhestandsregelungen ausscheiden.

Zunächst bleibt die Belegschaft aber im Kraftwerk, weil noch nicht klar ist, ob aus der vorläufigen eine endgültige Stilllegung wird.

Der Netzbetreiber Amprion prüft erst noch, ob er das Kraftwerk in Heil als systemrelevant einstuft. Insider gehen davon aus, dass das so sein könnte, weil der Stromverbrauch im Ballungsraum Ruhrgebiet mit vielen Industrieunternehmen hoch ist. Das Kraftwerk müsste dann für den Notfall in Bereitschaft bleiben.

Für das Gelände des Kraftwerks hat die Steag nach eigenen Angaben noch keine konkreten Pläne. Es hat aber schon Gespräche mit der Stadt gegeben. © Stefan Milk (Archiv) © Stefan Milk (Archiv)

Die letzte Entscheidung liegt allerdings bei der Bundesnetzagentur. Die hatte erst vor wenigen Wochen entschieden, dass das Kraftwerk Walsum 9 nicht systemrelevant ist – gegen den Antrag von Amprion. Das Kraftwerk in Duisburg hatte bei der ersten Auktion zur Stilllegung von Steinkohlekraftwerken den Zuschlag bekommen.

Die Steag hält sich noch offen, auch das Bergkamener Kraftwerk bei einer der drei noch ausstehenden Auktionen anzumelden. Nach Angaben von Mühlenfeld ist das möglich, so lange das Kraftwerk nur vorläufig stillgelegt wird.

Noch keine konkreten Pläne für die Nachnutzung

Die Angebotsfrist für die insgesamt dritte Auktion ist am vergangenen Freitag abgelaufen. Wie schon bei den beiden ersten Aktionen äußerte sich die Steag nicht dazu, ob sie das Kraftwerk in Bergkamen angemeldet hat. Es darf aber als sicher gelten, dass es schon zur ersten Auktion angemeldet war, als Walsum 9 den Zuschlag bekam.

Für die Wärmeversorgung in Bergkamen spielt das Kraftwerk keine Rolle mehr. Schon seit 2016 liefert es nur noch Strom, aber keine Fernwärme mehr.

Die Zukunft der Kraftwerksfläche ist noch offen. Für das Kraftwerksgelände in Völklingen-Fenne plant die Steag unter dem Projekttitel „HydroHub Fenne“ eine Anlage, um „grünen“ Wasserstoff zu erzeugen. Der Wasserstoff, der dort produziert wird, soll bei der saarländischen Stahlindustrie und im Mobilitätssektor zum Einsatz kommen – also wohl unter anderem bei Bussen.

Das Gelände des Kraftwerks aus Richtung Bergkamen-Mitte. Es ist 60 Hektar groß, etwa ein Viertel der Fläche ist Wald. © Stefan Milk © Stefan Milk

Für den Standort Bergkamen gebe es dagegen noch keine konkreten Pläne, sagte Mühlenfeld. Die Stadt Bergkamen hatte aber schon vor einiger Zeit bestätigt, dass es erste Gespräche mit der Steag gegeben hat.

Es ist davon auszugehen, dass sich auch der Kraftwerksbetreiber Gedanken über eine neue Nutzung macht. Das ursprünglich als Betreiber von Steinkohlekraftwerken gegründete Unternehmen muss sich selbst neu aufstellen. Außerdem gibt es Pläne, die Kraftwerksfläche ganz oder teilweise als sogenannten „interkommunalen Kooperationsstandort“ zu nutzen – ein großes, interkommunales Gewerbegebiet.

Die Fläche des Kraftwerks beträgt insgesamt 60 Hektar. Nutzbar für Industrie und Gewerbe sind aber wohl nur 45 Hektar, weil es sich bei 15 Hektar um Wald handelt.

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