Klare Kante: Darum ist die Parkplatz-Gebühr am Krankenhaus reine Abzocke

mlzKommentar Parkgebühren

Das Christophorus-Krankenhaus nimmt seit Anfang Juli Parkgebühren, ab 15. Juli 2019 sind Strafgebühren fällig. Die Gebührenregelung ist überflüssig und reine Abzocke, meint unser Autor.

Werne

, 09.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Eine völlig unsinnige, praxisfremde, nicht durchdachte, schwer zu verstehende Parkplatzlösung.“ So urteilte eine Leserbrief-Schreiberin über die zum 1. Juli eingeführten Gebühren am Christophorus-Krankenhaus Werne. Ich möchte einen Aspekt ergänzen: Es ist reine Abzocke.

Zu diesem Urteil muss gelangen, wer die Parkregelung in der Innenstadt von Werne zum Vergleich heranzieht. Einzige Gemeinsamkeit: die sogenannte Brötchentaste. 30 Minuten freies Parken (man muss aber ein Ticket ziehen und es gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe legen). In der Stadt reicht das in der Regel, um die berühmte Tüte Brötchen beim Bäcker zu erwerben.

30 freie Parkminuten am Krankenhaus reichen nicht

Im Christophorus-Krankenhaus dagegen gibt‘s wenig, was man in 30 kostenfreien Parkminuten erledigen könnte. Untersuchungen dauern länger, Krankenbesuche dauern länger, Teilnahmen an Kursen und Seminaren dauern länger, Röntgenuntersuchungen dauern länger.

Also muss ich zahlen. Mindestens 1,50 Euro für die Stunde. Eine halbe Stunde steht nicht im Angebot. Mit den 30 Freiminuten zusammen macht das eineinhalb Stunden für 1,50 Euro. Das ist nicht wenig Geld. Außerdem würde vielen eine Stunde für einen Patientenbesuch reichen. Warum bietet das Krankenhaus nicht, wie in der Innenstadt üblich, einen halbstündigen Takt an?

Minutengenaue Abrechnung ist nur per Handy-App möglich

Es besteht zwar die Möglichkeit, minutengenau (allerdings auch gegen Aufschlag) per Handy-App zu zahlen. Aber das kommt für viele ältere und vor allem Gelegenheitsbesucher kaum infrage.

Dann der Preis selbst: Während sich die Stadtverwaltung Werne mit 50 Cent pro halber Stunde begnügt, also einen Euro pro Stunde, nimmt das Hospital 50 Prozent mehr. Während das Tagesticket beispielsweise am Parkplatz Hagen mit 7 Euro zu Buche schlägt, werden oben am Krankenhaus 10 Euro fällig.

Stichwort Parkplatz Hagen: Wer dort oder am Kurt-Schumacher-Platz sein Auto abstellt, kommt in den Genuss von drei freien Parkstunden. Das hat einerseits mit den Solebad-Gästen zu tun, die man nicht durch hohe Stellplatzgebühren abschrecken will. Andererseits aber auch mit der Stärkung der Innenstadt, damit Einkäufer genug Zeit zum Shoppen haben.

Warum ist so eine Parkregelung am Krankenhaus nicht möglich?

Warum ist so eine Regelung nicht fürs Krankenhaus denkbar? Wenn man die Dauerparker vergraulen will, wäre so eine Taktung ausreichend. Oder eine Parkscheiben-Vorgabe.

Oder, wenn man denn unbedingt Gebühren nehmen will, eine Schranken-Regelung: Ticket bei der Einfahrt ziehen, vor der Ausfahrt die Gebühr für die Zeit bezahlen, die man im Krankenhaus benötigt hat. Das wäre fair.

Die jetzige Regelung ist reine Abzocke.

Lesen Sie jetzt