Krankenschwester gibt Patientin (87) eigenmächtig Beruhigungsmittel

mlzHerzkranke Patientin in Lebensgefahr

Eine Krankenschwester aus Werne soll einer herzkranken Seniorin eigenmächtig ein Beruhigungsmittel verabreicht haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von Lebensgefahr für die Patientin.

Werne

, 02.09.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft hat eine 39-jährige Krankenschwester aus Werne wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Im Oktober 2018 soll sie auf einer speziellen Überwachungsstation des St. Marien-Hospitals in Hamm einer schwer herzkranken Patientin ohne ärztliche Freigabe ein starkes Beruhigungsmittel gegeben haben.

Geständnis zu Prozessbeginn

Zu Prozessbeginn räumte die Wernerin die Tat am Mittwoch ein. Sie sei damals im Nachtdienst alleine für neun Patienten verantwortlich gewesen. Und die herzkranke Seniorin sei plötzlich sehr unruhig geworden. „Sie war total nassgeschwitzt und hatte sich schon alle Kabel abgemacht, als ich ins Zimmer kam“, erinnerte sich die 39-Jährige. „In meiner Überforderung wusste ich mir dann nicht anders zu helfen und habe ihr das Medikament gegeben.“

Staatsanwaltschaft spricht von Lebensgefahr

Laut Staatsanwaltschaft hätte das eigenmächtige handeln der Pflegerin durchaus den Tod für die 87-jährige Patienten bedeuten können. Die Gefahr eines Atemstillstands habe die ganze Zeit über bestanden. Und das hätte die Schwester mit ihrer Berufserfahrung auch wissen müssen.

Die Angeklagte gibt jedoch an, nach der Medikamentengabe die Überwachung der Seniorin noch einmal intensiviert zu haben. „Ich habe die Monitore scharf gestellt“, sagte sie den Richtern.

Kein Einzelfall? Krankenschwester eine Falle gestellt

Möglicherweise war der Vorfall von vor zwei Jahren aber kein Einzelfall. Der stellvertretende Stationsleiter sagte am Mittwoch als Zeuge aus, schon im Vorfeld habe es mehrmals Beschwerden von Kollegen über die Angeklagte gegeben. „Sie berichteten mir, dass nach den Nachtdiensten dieser Frau immer wieder Patienten nur schwer wach wurden und lange geschlafen haben“, so der Zeuge.

Der 41-Jährige will daraufhin zunächst das Gespräch mit der Pflegedienstleitung und dann mit der Polizei gesucht haben. Als Ergebnis stellte er der Wernerin dann eine Art Falle. Vor der nächsten Nachtschicht zählte er alle Ampullen mit Beruhigungsmitteln akribisch durch. Und als dann am nächsten Morgen eine fehlte, ohne dass es für die Medikamentengabe eine ärztliche Anordnung gab, war der Fall klar.

Fristlose Kündigung der Wernerin

Die 39-Jährige wurde von der Klinikleitung zum Gespräch gebeten. „Und da hat man mir dann die fristlose Kündigung präsentiert“, sagte die Angeklagte am Mittwoch. Inzwischen hat die Wernerin jedoch wieder einen Job gefunden.

Im Anschluss an ein Rechtsgespräch stellte die Kammer der Wernerin eine Strafe zwischen drei und sechs Monaten Haft in Aussicht - sehr wahrscheinlich ausgesetzt zur Bewährung. Das Urteil soll am nächsten Sitzungstag Mitte des Monats verkündet werden.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt