Kultur in Krisenzeiten: Museum fehlen Besucher, Theater hofft auf treue Kunden

Kultur und Bildung

Wie sehr hat die Werner Kulturbranche bislang unter Corona gelitten - und wie geht es nun weiter? Antworten auf diese Fragen gab es in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses.

Werne

, 07.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nichts los auf der Bühne: Im Kolpingsaal herrschte zuletzt coronabedingt gähnende Leere. Das soll sich bald ändern.

Nichts los auf der Bühne: Im Kolpingsaal herrschte zuletzt coronabedingt gähnende Leere. Das soll sich bald ändern. © Felix Püschner

Eine ernüchternde Bilanz zog Museumsleitern Dr. Constanze Döhrer in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstag (3. September). Der Grund: Trotz Lockerungen der Corona-Auflagen und des komplett neu gestalteten modernen Bürgersaals hält sich der Besucherandrang im Museum am Kirchhof in Grenzen. Nach wie vor habe man sehr wenige Einzelbesucher. Auch Schulklassenbuchungen habe es für das gesamte Sommerhalbjahr nicht gegeben.

Die Leute hätten - so vermutet Döhrer - auch nach der Öffnung des Museums womöglich immer noch Sorge vor einem Besuch. Dabei sei das Schutzkonzept inklusive Desinfektionsmöglichkeiten, spezieller Wegeführung und begrenzter Besucherzahl von einer Person pro 7 Quadratmeter wohl durchdacht. „Wir kommen aber überhaupt nicht in die Verlegenheit, jemandem zu sagen, dass er draußen bleiben muss. So voll ist es nie“, sagte Döhrer.

Keine Teilnahme am Tag des Offenen Denkmals

Größere Veranstaltungen wie zum Tag des Offenen Denkmals oder des 125. Todestags der Heimatdichterin Toni Schmedding-Elpers habe man absagen müssen. Und wenngleich die finanziellen Auswirkungen nicht gravierend seien, „ist das schon traurig. Denn ein Museum lebt von den Besuchern“.

Da tragen auch die Zahlen, die das Kulturbüro für die durch die Corona-Krise stark beeinträchtige Theatersaison 2020/2021 kalkuliert, kaum zur Aufmunterung bei. Die Verwaltung geht demnach von einer Reduzierung der Erträge aus dem Kartenverkauf in Höhe von rund 30.000 Euro aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lagen die Verkaufserlöse noch bei 62.000 Euro, bei durchschnittlich 400 Besuchern pro Veranstaltung.

Geöffnet - und trotzdem kaum besucht: Im Karl-Pollender-Stadtmuseum gibt es einen hübschen neuen Bürgerraum. Doch anscheinend schrecken viele Werner vor einem Besuch noch zurück.

Geöffnet - und trotzdem kaum besucht: Im Karl-Pollender-Stadtmuseum gibt es einen hübschen neuen Bürgerraum. Doch anscheinend schrecken viele Werner vor einem Besuch noch zurück. © Werne Marketing

Für die im November 2020 beginnende neue Saison wird die maximale Auslastung des Kolpingsaals auf 200 Personen beschränkt. In diesem Zusammenhang werden die Veranstaltungen, die aufgrund der Pandemie zuletzt ausfallen mussten, nachgeholt. Das Theaterprogramm umfasst folglich für die neue Saison fünf Theatervorstellungen im Theaterabonnement, zwei Zusatzveranstaltungen (Traumtheater Salomè, Günna) sowie zwei Konzertveranstaltungen mit den örtlichen Blasorchestern (Bläsercorps Werne, Blaskapelle Schwartländer).

Die Gesamtkosten für die Theaterveranstaltungen inklusive Zusatzveranstaltungen sind mit ca. 87.500 Euro veranschlagt. In der abgelaufenen Saison hatte das Kulturbüro aufgrund der Absagen 26.000 Mindereinnahmen und 33.000 Minderaufwendungen verzeichnet. Für die abgesagten Veranstaltungen hatte man fast 1250 Eintrittskarten verkauft. Viele Kunden hätten jedoch auf eine Rückerstattung verzichtet und die Karten gespendet, erklärte Marlies Schmid-Goßheger im Ausschuss.

Kulturdezernent Alexander Ruhe (r.) verabschiedete den Ausschussvorsitzenden Prof. Dr. Andreas Heinecke. Der gab sich mit Blick auf die Pandemie kämpferisch.

Kulturdezernent Alexander Ruhe (r.) verabschiedete den Ausschussvorsitzenden Prof. Dr. Andreas Heinecke. Der gab sich mit Blick auf die Pandemie kämpferisch. © Felix Püschner

Maskenpflicht und Co. im Werner Kolpingsaal

Neben der beschränkten Zuschauerzahl gilt für die neue Saison im Kolpingsaal eine Maskenpflicht. Wer an seinem Sitzplatz angekommen ist, kann die Maske jedoch absetzen. Die Garderobe bleibt geschlossen, Abonnenten werden noch angeschrieben, um die Nachfrage zu ermitteln. Im freien Verkauf gibt es vorerst keine Tickets. Überraschend: Trotz Corona gibt es laut Schmid-Goßheger bereits Anfragen von potenziellen Neu-Abonnenten.

Der Krise zum Trotz schauen die städtischen Kulturbetriebe letztlich aber positiv in die Zukunft. Auch mangels Alternativen. „Wir lassen uns die Kultur nicht von so einer blöden Krankheit kaputtmachen“, sagte Ausschuss-Vorsitzender Prof. Dr. Andreas Heinecke. Man habe schließlich gesehen, dass Veranstaltungen trotz Pandemie funktionieren könnten, etwa bei der Straßenkunst in der Freilichtbühne.

Die Corona-Bilanz der Bücherei und VHS

  • Die Einnahmen der Stadtbücherei beliefen sich im Zeitraum Januar bis August auf 10.000 Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 15.000 Euro. Auch hier mussten Veranstaltungen wie „Werne liest“ oder „märchenhaftes Werne“ abgesagt werden. Erfolgreich lief laut Büchereileitung die „Onleihe24“. 139 Personen hätten das Angebot genutzt.
  • Bei der Volkshochschule ist das Anmeldeverhalten der Kunden wieder „relativ normal“, wie VHS-Leiter Michael Hahn erklärte. Zumindest gelte das für die Gesundheitskurse - wenngleich auch hier besondere Vorkehrungen etwa hinsichtlich der Teilnehmerkapazitäten getroffen würden. Gute Nachricht in Sachen Finanzen: Die Fördergelder fließen laut Bezirksregierung weiter - trotz reduzierter Stundenzahlen der Dozenten.
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