Das Eier-Wettessen ging häufig mit Magenschmerzen einher. Kein Wunder, bei drei Dutzend Eiern. In der Kirche wollte später angeblich niemand hinter einem Wettesser sitzen. © Pixabay
Ostern

Kuriose Osterbräuche: Eier-Wettessen und Böllern mit Milchkannen

Ostern bedeutet auch Brauchtumspflege. Einige dieser Bräuche sind oder waren jedoch völlig kurios. Ein Beispiel: Milchkannen, die als Böller genutzt wurden oder Eier-Wettessen mit strengen Konsequenzen.

Mit dem vergangenen Palmsonntag hat die Karwoche begonnen, die von herausragender Bedeutung für die Christenheit ist. Nachdem zur Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem eine Woche vor Ostern in Westfalen Palmstöcke von den Kindern gebastelt und im Gottesdienst dann gesegnet wurden, geht die Karwoche mit Gründonnerstag weiter, an dem Jesu das letzte Mahl mit seinen Jüngern geteilt hat.

Der dann folgende Karfreitag ist bei den evangelischen Christen von höchster Bedeutung, an dem kein Fleisch gegessen und nicht gearbeitet werden darf. Das stand im Gegensatz zu der katholischen Bevölkerung, die an diesem Tage oft die Ställe ausgemistet, die Wäsche gewaschen und die Wohnung gesäubert hat, denn der Karfreitag war bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein ganz normaler Arbeitstag, ehe er zum gesetzlichen Feiertag wurde.

Keine Glocken: Messdiener weckten Bevölkerung mit Rasseln

Am Wochenende begehen Katholiken und Protestanten Ostern als das höchste Fest der Christenheit, auch wenn es wieder anders sein wird als noch vor der Corona-Pandemie. In den früheren Jahrhunderten begann der Ostersonntag immer mit der „Ucht“, dem Gottesdienst in den ganz frühen Morgenstunden. Da die Glocken seit Gründonnerstag schweigen, wurde damals in manchen Orten Westfalens die Gläubigen von den Messdienern mit Rasseln und Klappern geweckt.

Nach dem Gottesdienst kam dann in den Bauernfamilien meist ein deftiges Frühstück auf den Tisch, zu dem oft das Anschneiden des ersten Schinkens, ein halber „Schweinskopp“, Mettwürste und sehr viele gekochte Eier gehörten. Diese waren von der Bäuerin in den Fastenwochen gehortet worden, so dass zu Ostern nun ausreichend vorhanden waren.

Junge Burschen haben früher oft ein Wettessen veranstaltet, wer die meisten Eier verschlingen konnte. Es sollen manchmal bis zu 30 Eier und mehr gewesen sein und keiner wollte beim Gottesdienst am Ostermontag hinter einem dieser bekannten Eieresser sitzen.

Der Osterbrunnen im Werner Museumsgarten
Der Osterbrunnen im Werner Museumsgarten © Fertig-Möller © Fertig-Möller

Zum Osterbrauch gehörte auch das Abbrennen des Osterfeuers – es ist in Westfalen belegt seit dem Jahre 1342. Weit verbreitet war früher auch das Böllern zum Osterfeuer mit Beginn der abendlichen Dämmerung. Dabei wurden mit Wasser und Karbid gefüllte Milchkannen per Lunte entzündet und der Deckel flog dann mit einem lauten Knall in den abendlichen Osterhimmel. Mit diesem Brauch sollten früher die bösen Geister vertrieben werden und auch heute, da in diesem Jahr die Osterfeuer leider verboten sind, würden die Feuer an das Licht als Symbol für die Auferstehung Jesu Christi erinnern.

Die österlichen Feierlichkeiten endeten dann meist am Ostermontag mit dem Gang nach „Emmaus“, das bedeutete für die männliche Bevölkerung, dass man in der nächstgelegenen Gastwirtschaft die Fastenzeit endlich vergessen konnte.

Hase, Kranich oder Fuchs als Eierüberbringer

Auch wenn viele dieser Osterbräuche nicht mehr so bekannt sind, ist doch das Eierfärben, das Verstecken der Eier durch den Osterhasen und das Eiersuchen noch immer, vor allem bei den Kindern, sehr beliebt. Das Ei galt schon vor vielen Jahrhunderten als ein Symbol für Fruchtbarkeit, denn in ihm entsteht neues Leben.

Der Hase als Überbringer der Eier ist erst seit ungefähr 300 Jahren bekannt – wahrscheinlich, da die Hasen nach dem langen Winter zur Osterzeit wieder auf den Feldern zu sehen sind und ihre Jungen zur Welt bringen. In anderen Gegenden Deutschlands kann der Eierüberbringer auch der Fuchs oder der Kranich sein.

Ein Osterfeuer
Ein Osterfeuer © Udo Kerkmann © Udo Kerkmann

Seit Ende der 80er Jahre wurde fast jedes Jahr im Werner Museum auf Initiative und mit Unterstützung der Evangelischen Kirchengemeinde Werne eine viel besuchte Osterausstellung gezeigt, die diese Traditionen veranschaulichte. Seit einigen Jahren wird im Museumsgarten vom Werner Verkehrsverein ein Osterbrunnen aufgebaut, der vor allem in den südlichen Teilen Deutschlands sehr beliebt war und immer noch ist.

Die kunstvolle Krone über dem Brunnen ist Ausdruck der Freude für den kommenden Frühling, die Eier symbolisieren die Fruchtbarkeit und die bunten Bänder sollen die bösen Geister vertreiben. Bis Ende April kann man diesen Osterbrunnen im Museumsgarten auch durch das Gitter vom Roggenmarkt aus betrachten.

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