Kuriose Szenen: Pöbelnde und schwerkranke Bürger machen die Werner Innenstadt unsicher

Verkehrsverein

Das war kein gewöhnlicher Sonntag in der Innenstadt. Mehrere lautstarke Akteure störten die ansonsten ruhige Atmosphäre deutlich. Die Protagonisten des Spektakels kamen aus einer anderen Zeit.

Werne

, 24.09.2019, 15:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kuriose Szenen: Pöbelnde und schwerkranke Bürger machen die Werner Innenstadt unsicher

Gottfried Forstmann, Vorsitzender des Werner Verkehrsvereins, klärt die Zuschauer über die dramatischen Szenen auf. © Jörg Stengl

Ein Mann liegt mit gesenktem Kopf an der Südmauer. Dunkle Beulen sind auf seinem Oberkörper verteilt. Da taucht plötzlich eine ganz in weiß gekleidete Gestalt mit eigentümlicher Maske auf und beugt sich zu dem keuchenden Kranken - so, als wolle sie ihn von seinen Leiden erlösen.

Gut 50 Bürger schauen sich diese Szene an. Es ist ein ungewohntes Bild, ein schlimmer Anblick. Aber empörte Gesichter sieht man in den Reihen der Zuschauer nicht. Einige grinsen, andere staunen. Unmenschlich ist das in diesem Moment allerdings nicht. Denn die „Pestbeulen“ des leidenden Mannes sind nicht echt. Genauso wenig wie der Typ mit der Maske, der „Pestdoktor“.

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So lief die szenische Stadtführung durch die Werner Innenstadt

Das war kein gewöhnlicher Sonntag in der Innenstadt. Mehrere lautstarke Akteure störten die ansonsten ruhige Atmosphäre deutlich. Die Protagonisten des Spektakels kamen aus einer anderen Zeit.
24.09.2019
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Alles halb so wild: Die teils dramatischen Szenen – hier werden zwei in eine "Schandgeige" eingespannte Damen von Zuschauern verspottet – entpuppten sich als Teil der besonderen Stadtführung des Werner Verkehrsvereins. Die Führung spielte an verschiedenen Standorten in der Innenstadt, etwa auf dem Marktplatz und dem Kirchhof. Gut 30 Schauspieler stellten dabei Szenen aus längst vergangenen Tagen nach. Und das zog dann nicht nur die Blicke der 50 angemeldeten Teilnehmer auf sich. Auch der ein oder andere Gastronomiegast staunte nicht schlecht.© Jörg Stengl
Ab an den Pranger mit ihm! Und das im wörtlichen Sinne. Denn wer sich früher nicht an die Spielregeln hielt, dem konnte ein solch unangenehmes Schicksal öffentlicher Demütigung durchaus schon mal blühen. Gerade Händler, die es mit der genauen Angabe ihrer Waren auf dem Markt nicht so ganz genau nahmen, hatten häufiger dieses zweifelhafte Vergnügen.© Jörg Stengl
Komische Beulen, komische Maske: An der Südmauer trafen ein Pestkranker und ein Pestdoktor aufeinander. Zur Beruhigung: Auch diese Szene war bloß nachgestellt. Dass die Pest letztmalig in Werne für Furore sorgte, ist glücklicherweise schon ein paar Jahrhunderte her. © Jörg Stengl
Achtung Kinder, jetzt könnte es gleich mächtig stinken: Nicht nur beim Gang durch die "Arschkerbe" – die kleine Gasse zwischen Marktplatz und Bonenstraße – war Vorsicht geboten. Denn die Bürger hatten in früheren Zeiten eine durchaus fragwürdige Methode, den Inhalt ihrer Nachttöpfchen zu entsorgen: nämlich schwungvoll aus dem Fenster auf die Straße.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl
So lief die szenische Stadtführung durch Werne.© Jörg Stengl

Die Szene ist Teil einer besonderen Stadtführung des Werner Verkehrsvereins. Gut 30 Schauspieler schlüpfen dabei in die Rolle von pöbelnden Wutbürgern, Richtern, Patres und Co. und entführen die 50 Teilnehmer der Führung in eine Zeit, die schon ein paar Jahrhunderte zurückliegt.

Damals, da spielte die Pest noch eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen. Damals, da wurde noch manch ein Schurke auf dem Marktplatz an den Pranger gestellt - und zwar nicht im übertragenen Sinne. Zu dieser Zeit, da entleerten die Hausbewohner ihr Nachttöpfchen auch gerne mal, indem sie den Inhalt kurzerhand aus dem Fenster kippten.

Weitere Führungen geplant

Die szenische Führung des Verkehrsvereins, die unter anderem auf dem Marktplatz, am Kapuzinerkloster, vor dem Steinhaus und am Roggenmarkt spielt, sorgt aber nicht nur bei den Teilnehmern für Aufsehen. Auch der ein oder andere Gaststättenbesucher verfolgt das teils dramatische Treiben aus sicherer Distanz.

Kein Wunder, dass man sich auf Seiten des Verkehrsvereins bereits dazu entschlossen hat, weitere solcher Führungen anzubieten. Die Karten für die nächste Aufführung sind schon lange ausgebucht. Im nächsten Jahr soll die Führung allerdings ebenfalls angeboten werden - dann auch mit Warteliste.

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