Lebenslänglich oder Freispruch

WERNE Nach mehr als sieben Monaten steht der Prozess um eines der spektakulärsten Verbrechen der Region vor dem Abschluss. Am Freitag will das Dortmunder Schwurgericht das Urteil gegen den mutmaßlichen Mörder von Angelika Roßdeutscher sprechen.

von Von Martin von Braunschweig

, 18.09.2007, 18:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Angelika Roßdeutscher wurde 1991 ermordet.

Angelika Roßdeutscher wurde 1991 ermordet.

Lebenslänglich oder Freispruch: Die gestern gestellten Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung könnten unterschiedlicher nicht sein. Anklägerin Barbara Cuntze hält den Zeitungs-Werber (38) aus Dernbach bei Koblenz für überführt, Angelika Roßdeutscher (Foto) am 22. Februar 1991 erschlagen und die Leiche anschließend in einem Waldstück in Fröndenberg-Ostbüren abgelegt zu haben. Dort war der tote Körper ein Jahr später von einem Waldarbeiter gefunden worden.

Frühes Geständnis

Staatsanwältin Cuntze stützt sich vor allem auf das frühe Geständnis des Angeklagten, das dieser inzwischen jedoch widerrufen hat. Nachdem die Polizei dem Mann im August vergangenen Jahres nach einem DNA-Abgleich auf die Spur gekommen war – im Auto Roßdeutschers war eine Zigarettenkippe gefunden worden, auf der auch nach Jahren noch der genetische Fingerabdruck des Mannes sichergestellt werden konnte – hatte der 38-Jährige zunächst zugegeben, die Wernerin erschlagen zu haben.

„Unzulässige Tricks“

Heute will der Angeklagte von dieser Aussage nichts mehr wissen. Sein Verteidiger Andreas Kost hatte in den letzten Verhandlungstagen versucht, deutlich zu machen, dass die Polizei seinem Mandanten das Geständnis damals mit unzulässigen Tricks und falschen Vorhaltungen abgerungen hätte. „Er ist getäuscht worden“, bilanzierte Kost in seinem gestrigen Plädoyer. Die Folge: Sein Mandant müsse freigesprochen werden, weil die komplette Aussage nicht zu verwerten sei. Vor den Richtern liegen mehrere Tage intensiver Beratung. Ohne das Geständnis bliebe allein die DNA-Spur. Doch die stammt lediglich aus dem Auto und nicht etwa vom Tatort oder der Kleidung Angelika Roßdeutschers. 

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